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Industriekultur im östlichen Deister

Station 11 - Der Hermannshof

Lustvolle Sommerresidenz am Steinbruch, hier gibt es noch Apfelwiesen und Kultur zum Anfassen

Älteres,  grünes Gebäude mit großer Rasenfläche im Vordergrund © M. Lachmund, Region Hannover

Der Hermannshof, Völksen

Wer das Gelände des Hermannshofes am Nordostrand von Springe-Völksen betritt, kann den Kalksteinbruch nicht gleich erkennen. Der Zugang liegt verwunschen am Rande der Anlage, die der hannoversche Möbelfabrikant Hermann Rexhausen 1916 kaufte. Er ließ den Worpsweder Architekten Bernhard Hoetger (1874-1949) sein Sommerhaus mit Garten und Teepavillon konzipieren. Es war damals üblich, zur repräsentativen Stadtwohnung einen Sommersitz auf dem Land zu haben. Hoetger, seit 1911 Professor und leitender Meister an der Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt, war ein Schüler August Rodins in Paris und entwarf auch Möbel. Mit Rexhausen verband ihn eine Seelenverwandtschaft. Ab 1916 arbeitete er auch für den Keksfabrikanten Hermann Bahlsen. Im Park des Hermannshofes erinnert noch seine (heute nachgegossene) Skulptur „Der Jüngling“ an sein Schaffen.

Hier draußen zog bald Leben ein. Das 1917 auf offener Rasenfläche mit Blick zu den Deisterhängen errichtete Teehaus war ein Kristallisationspunkt. Das weiße, oktogonale Lusthäuschen aus Holz und Glas, auch Gartentempel genannt, bot am Übergang von Ziergarten, Obstplantage und Abbruchkante zum stillgelegten Kalksteinbruch den idealen Ort für Spiel, Sport, Geselligkeit und Sonnenbäder. Alte Bilder zeigen tanzende Paare auf der Wiese zwischen Obstbäumen beim Schwoof zu Grammophonmusik.

Rexhausen verband - mitten im Ersten Weltkrieg - mit dem Sommersitz eine Vision von Schönheit und Frieden. Auf einem Gedenkstein, der heute noch den Park ziert, ließ er das Gedicht des Freidenkers Otto Julius Bierbaum einmeißeln: „Und ich gehe mit Euch, die ich lieb hab, in den Schatten unseres Hauses, in den Garten voller Schönheit, in den Frieden.“

Von der „Hermannshofweihe“ am 17. Juli 1920 bis zu seinem Tod drei Jahre später genoss Rexhausen hier auch die kaum enden wollenden Gespräche mit Künstlern, Intellektuellen und Industriellen.

Diese Tradition führen die heutigen Besitzer, die Erbengemeinschaft Berg/Liss mit dem Verein „Kunst und Begegnung Hermannshof e. V.“, fort. Nur ein paar Schritte vom Teepavillon steht das 2003 gebaute „Haus im Park“, ein Ort kreativer Veranstaltungen in der Region Hannover. Auch das Tal mit dem teils noch zugewachsenen Steinbruch wird als Fläche für Kunst und Theater gerade wieder belebt.