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Kornbrennerei  Wanecke in Bredenbeck © Region Hannover

Kornbrennerei  Wanecke in Bredenbeck

Industriekultur im östlichen Deister

Station 2 - Kornbrennerei Warnecke

Wer die Destille besucht, kann sich einen Überblick über die Arbeitsschritte des Kornbrandes verschaffen.

Ein Quantum Trost war die Tagesgabe für den Bredenbecker Bergmann im 19. Jahrhundert. Täglich „brannte“ er sich einen - das heißt, er trank einen Schnaps, um das harte Leben im Kalkwerk oder beim Kohleabbau zu vergessen. Die Kornbrennerei Warnecke mitten im Ort diente als Energielieferant. Es ist heute die letzte Destille in der Region Hannover, die noch in Betrieb ist.

Dieses Relikt der Industriekultur wirft ein Licht auf die Lebensumstände der im 19. Jahrhundert entstehenden Arbeiterschaft auf dem Lande. Zwar galt eine tägliche kleine Schnapsration schon seit dem 17. Jahrhundert als Kräftigung und Schutz gegen Kälte, aber seit 1841 gab es in der Gegend - wie auch andernorts in Deutschland - Listen ortsbekannter Trinker, denen die Wirte keinen Branntwein mehr ausschenken durften. Auf Initiative von Pastoren wurden „Mäßigkeitsvereine“ gegründet. Während Wein als Luxus galt, Bier sich durch steigenden Getreidepreise verteuerte, war der Schnaps zwischen 1820 und 1850 im Preis stark gesunken. Branntwein war die Droge der Industriearbeiter. Harte körperliche Arbeit im Bergwerk, Staub, Dreck und monotone Arbeitsabläufe sowie enge Wohnverhältnisse begünstigten die Flucht in den billigen Alkohol. Viele mieteten sich nur ein Bett in einer meist überbelegten Wohnung. Die Abende verbrachten sie in der Kneipe. Trinkgelage zogen sich aber durch alle gesellschaftlichen Schichten. Erst als die Branntweinsteuer ab 1887 in mehreren Schüben angehoben wurde, änderte sich der Konsum - hin zum Bier.

1826 gegründet, führen heute Hans-Heinrich und Geertien Warnecke (früher Familie Kösel) in der vierten Generation das Haus. Sie sind der Tradition verpflichtet, wenn auch der Absatz schon öfter neue Wege suchen musste. Noch heute wird der Bredenbecker Korn in alten Eichenholzfässern gelagert und erhält dort seine Reife, Milde, Farbe und den unverwechselbaren Geschmack. So gilt der „Bredenbecktiner“ als Kräuterlikör nach Klosterart als besonderer Genuss. Ebenso ist der „Lüttgen Argestorfer“ als Pflaumenlikör ein Aushängeschild. Auch was sich aus Holunderblüten oder Birnen an Schnaps brennen lässt, haben die Warneckes erfolgreich ausprobiert. Ihre Landwirtschaft gaben sie schon vor 20 Jahren auf und brachten ihr Ackerland in eine Betriebsgemeinschaft ein. An 80 Brenntagen verwandelt die Kornbrennerei jährlich stärkehaltigen Weizen in rund 300 Hektoliter Hochprozentiges. Deisterkohle zum Heizen wird natürlich nicht mehr verwendet. Die Hofanlage erinnert noch an das vorletzte Jahrhundert.

Besichtigt werden kann das Haus nach Voranfrage, auch Verkostungen sind kein Problem. Sehenswert sind die Abläufe zur Herstellung des edlen Tropfens. Es laufen stimmungsvolle Oster-, Bauern- und Weihnachtsmärkte, Frühschoppen und Freiluftkino

Kornbrennerei  Wanecke in Bredenbeck © Region Hannover