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Station 15 - Qual in den Stollen: KZ-Außenlager Ahlem

Der kleine Weg „Am Mahnmal“ führt zu den verrosteten Schienen, die sich gen Himmel strecken. Dann fällt der Blick auf einen symbolisierten spitz zulaufenden Eingang in die Unterwelt. Seit 1994 erinnert das Mahnmal als Stolleneingang an die unmenschlichen Verhältnisse unter Tage.

1943, als die Luftangriffe auf die Region Hannover und ihre Industrie heftiger wurden, beschlossen die Continental und die Maschinenfabrik Niedersachsen Hannover, ihre Produktion in vorhandene Stollen unter Tage zu verlagern. Dort sollten Gasschutzmaskenteile und Flugzeugreifen hergestellt werden. 750 jüdische Häftlinge wurden vom Außenlager Stöcken-Continental nach Ahlem verlegt. Das war Ende November 1944. Fünf Gebäude wurden um den Stolleneingang rund 100 Meter nördlich der Harenberger Straße errichtet und mit Stacheldraht umzäunt. Wer jetzt vom Weg „Am Mahnmal“ aus auf den nachgebauten Stolleneingang schaut, hat das frühere KZ-Areal im Rücken. Es ist nicht zugänglich, verwachsen und in Privatbesitz.

Die SS setzte auf jenem Gelände zunächst 100 Häftlinge aus dem Lager zum Ausbau der vorhandenen Stollen ein, in denen schon früher asphalthaltiges Gestein abgebaut worden war. Jetzt standen sie jedoch unter Wasser. Bei zehn Grad und rund 90 Prozent Luftfeuchte waren die Menschen in Zwölfstundenschichten im Einsatz - und das ohne eine Minimalverpflegung. Die Gänge waren zu schmal für die Gummiproduktionsmaschinen und mussten mit Spitzhacke und Hammer erweitert werden. Die Sterblichkeitsrate lag sehr hoch - etwa 22 Häftlinge pro Woche. Allein im Dezember 1944 starben 125 Häftlinge.

Das KZ Ahlem war eine Außenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme in Hamburg. Es bestand von November 1944 bis April 1945 und hatte bis zu 1000 Häftlingen unter schlechtesten Bedingungen aufgenommen. Zur Produktion in den Stollen kam es allerdings nie. Schüler der Berufsbildenden Schule 3 haben im Mai 2001 zwei Kupferstelen vor das Mahnmal gesetzt, auf denen die noch bekannten Namen von Gefangenen zu lesen sind.

750 Gefangene im KZ Ahlem starben an Hunger, Kälte, Seuchen, Folter, an den unmenschlichen Arbeitsbedingungen oder wurden ermordet. Auf der Flucht vor den Amerikanern zwang die SS am 6. April 1945 die meisten Gefangenen noch auf einen „Todesmarsch“ nach Bergen-Belsen nördlich von Celle, den die meisten von ihnen nicht überlebten.

Nur 200 Menschen blieben zurück, von denen die amerikanischen Soldaten am 10. April 1945 noch 196 Gefangene in erbärmlichem Zustand vorfanden. Zu den Befreiern gehörte auch der US-Soldat Henry Kissinger, der spätere amerikanische Außenminister. Er war 1923 in Fürth geboren worden und mit seinen Eltern und seinem ein Jahr jüngeren Bruder 1938 in die USA ausgewandert. Über die Befreiung des Lagers berichtet der Film „Angel of Ahlem“. Der Streifen vom Documentary Institut der Universität Florida zeichnet im Jahr 2007 die tragischen Erlebnisse des US-Soldaten Vernon Tott aus Iowa bei der Befreiung des Lagers in Ahlem nach.