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Station 16 - Gedenkstätte und Gartenbauschule Ahlem

Ein Ort der Hoffnung und Versöhnung endete in der Katastrophe.

Schwarz-Weiß-Foto: Hinter einem gemauerten Eingangstor steht ein Ensemble mehrerer mehrgeschossiger Fachwerkhäuser. © Bildarchiv der Region Hannover

Von der Harenberger Landstraße aus fotografiert: Das Eingangstor der israelitischen Gartenbauschule an seiner ursprünglichen Stelle am Pförtnerhaus, 1939. Heute verlaufen dort die Schienen der Stadtbahn

Ahlem war über  vier Jahrzehnte hinweg ein bedeutendes Beispiel weit über Deutschland hinaus für gedeihende deutsch-jüdische Kultur. Alexander Moritz Simon (1837-1905), ein jüdischer Bankier in Hannover, gründete nach dem Verkauf seiner Bank an die Dresdner Bank mit seinem Vermögen 1893 die Israelitische Gartenbauschule Ahlem. Bis 1941 wurden hier an der Heisterbergallee jüdische Jungen und Mädchen in Handwerksberufen ausgebildet. Dann missbrauchten die Nationalsozialisten sie als Sammelstelle für Deportationen und verwandelten das Gelände in einen Ort der Zerstörung. Ab 1943 waren Folter - später Morde - in dem „Polizei-Ersatzgefängnis“ für Zwangsarbeiter, politische Häftlinge, Sinti und Roma bis zur Befreiung blutiger Alltag. Die Schule wurde durch die NS-Gewaltherrschaft vom Hoffnungsort europäischer Juden zum Ort der Verheerung pervertiert.

Das eine wie das andere Kapitel dieser Geschichte  werden nun in der „neuen“ Gedenkstätte im ehemaligen Direktorenhaus, einem angegliederten Neubau und im Außenbereich erzählt werden, um sie für die zukünftigen Generationen  an diesem historischen Ort nachvollziehbar zu machen.  Mit einem symbolischen Spatenstich beginnen am 19. April 2013 die Arbeiten für den Ausbau der Gedenkstätte Ahlem. 2014 soll sie als zentraler Erinnerungs- und Lernort der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Es wird ein Gedenkort für die 4000 Menschen sein, für die Ahlem eine Station in den Tod war. Ahlem soll aber vor allem ein außerschulischer Lern- und Informationsort für die nachwachsenden Generationen werden, ein Ort, der historischen und gegenwartsbezogenen politischen Bildungsarbeit.

Im November 2010 hatte die Region Hannover die Neugestaltung der Gedenkstätte Ahlem mit dem Ziel ausgeschrieben, die Gedenkstätte zu einem zentralen Informationszentrum über die nationalsozialistische Verfolgung von Juden sowie von Sinti und Roma in der Region Hannover auszubauen. Zugleich soll an die Gartenbauschule als Ort jüdischen Lebens, Lernens und Arbeitens erinnert werden.

Der Siegerentwurf des hannoverschen Teams um die Architekten Roger Ahrens und Prof. Gesche Grabenhorst sieht ein neues, zentrales Eingangsgebäude vor. Als verbindendes  Ordnungselement soll eine Wegachse parallel zur Heisterbergallee angelegt werden, die alle wesentlichen Bereiche der Dokumentations- und Gedenkstätte miteinander in Beziehung setzt und den Blick durch das gläserne Foyer auch in den Schulgarten lenkt.

Ein Team aus Historikern, Politologen und Pädagogen entwickelt  die „Drehbücher“. Im Keller des Altbaus sollen die historischen Räume, in denen die Gestapo ihre Gefangenen verhört und misshandelt hat, sichtbar gemacht werden. Im 1. Obergeschoss der Dauerausstellung wird der Fokus auf Verfolgung und Widerstand während des Nationalsozialismus in der Region Hannover liegen, das 2. Obergeschoss ist dem deutsch-jüdischen Leben in der 1893 von dem Bankier Moritz Simon gegründeten Gartenbauschule bis 1942 und nach der Befreiung 1945 gewidmet. Das Dachgeschoss bietet Platz für modern ausgestattete Seminarräume.
Zur Straßenseite ist  ein neues, zentrales Eingangsgebäude vorgesehen.  Durch sein gläsernes Foyer fällt der Blick auch in den Außenbereich der Anlage, der in seiner Gestaltung Bezug auf den alten Schulgarten nimmt. Ein Weg parallel zur Heisterbergallee verbindet die unterschiedlichen Bereiche der Dokumentations- und Gedenkstätte miteinander. Im Sockelgeschoss des Neubaus bietet schließlich   ein Veranstaltungsraum Platz für Sonderausstellungen, Lesungen, Musik, Filmvorführungen und vor allem für Zeitzeugengespräche. Die Überlebenden – ob noch persönlich, in Wort, Schrift oder im Bild – haben eine große Bedeutung für die künftige Gedenkstättenarbeit in Ahlem. Im Mittelpunkt werden Menschen aus der Region Hannover stehen, die in dieser besonderen historischen Epoche aktiv das öffentliche Leben geprägt haben oder auch Vertreibung, Gewalt oder Vernichtung erleben mussten.