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Station 7 - Wasserkunst, Leine und Ernst-August-Kanal: Leibniz und die Fontäne

Wasser nicht nur als Verkehrsweg sondern auch zur Freude des Betrachters. Die Wasserkunst in und an den Herrenhäuser Garten ist einen Besuch wert.

Die Wasserkunst liegt südlich der Herrenhäuser Gärten. Sie beruht auf einer Idee von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), der seiner Lieblingsgesprächspartnerin Kurfürstin Sophie oft in ihrem Lebensprojekt, den Herrenhäuser Gärten, begegnete. Die große Fontäne als besondere Attraktion des Gartens sollte die höchste in Europa werden. Dazu brauchte man Wasser mit hohem Druck. 1696 kam Leibniz auf die Idee, aus der Leine einen Kanal abzuzweigen und an dessen Beginn ein Stauwehr mit Wasserrad zu bauen, dann eine Verbindung zur Fontäne im Garten zu legen. Er entwarf die Anlage, und der Bau wurde begonnen. Nach dem Tod des Kurfürsten Ernst August 1698 stockten die Arbeiten. Erst nach Leibniz Tod 1718 war schließlich das Stauwerk fertig.

Damit die Leine aber trotz dieses Aufstaus schiffbar blieb, wurde ab 1718 der Ernst-August-Kanal als Umflutkanal ausgeschachtet und eine Schleuse gebaut. Beides ist neben dem weißen Gebäude der Wasserkunst zu sehen. Die alte, jetzt offen stehende Schleuse hat noch die Winden und einen langen Stock als Schieber zum Bewegen der Tore. Ein alter Stein mit Markierungen erinnert an die vergangenen Hochwasser. 1946 steht oben, 1808 etwas tiefer.

Das Wasser staute sich, als im 18. Jahrhundert die Anlage entstand, bis zu 3,20 Meter auf und bewegte fünf 9,35 Meter große Wasserräder. Sie setzten eine „englische Wassermaschine“ in Gang, die sich in einem Vorgängerbau des heutigen Pumpenhauses befand.

Ein Engländer namens Holland hatte die Idee dazu, angefertigt haben sie dann sein Landsmann Benson mit seinen Gehilfen Andrews und Cleevers. Der 1719 aus England angereiste König wandte sich jedoch nach einem blamablen Probelauf verärgert ab: Die Fontäne brachte es auf gerade fünf Meter Höhe. Nach Korrekturen des Bleirohrsystems konnte die Große Fontäne 1720 schließlich bis zu 35 Meter hoch aufsteigen. Europa war begeistert. Das überschüssige Wasser wurde in den Ernst-August-Kanal geleitet, der in nordwestlicher Richtung verläuft. Er ist 900 Meter lang und mündet dann wieder in die Leine.

Doch die Bedeutung der Fontäne als Vorzeigeobjekt sank während der Personalunion mit England, dafür rückten der Handel, die Schleuseneinnahmen und Zölle ausländischer Schiffe in den Vordergrund. 1768/69 ließ das Hofbauamt am südlichen Kanalende eine neue Schleuse aus Sandsteinquadern aus dem Deister bauen. Jetzt konnten die Transportschiffe ganzjährig und unabhängig vom Pumpenbetrieb für die Wasserspiele schleusen. Das brachte zusätzlich Geld in die Staatskasse. Der verantwortliche Schleuser und Kunstmeister der Wasserkunst nannte sich ab 1835 „Maschineninspektor“. Er wohnte im Pumpenhaus. Das heute an der Stelle stehende Gebäude mit der gotischen Dreiturmfassade wurde 1864 nach Plänen von Georg Heinrich Schuster und Richard Auhagen gebaut.

Auch maschinell rüsteten die Verantwortlichen auf: Von 1861 bis 1863 wurde die Wasserkunst nach Plänen von Heinrich Hagen durch zwei 8,47 Meter hohe Wasserräder und vier Pumpenmaschinen aus der Egestorffschen Maschinenfabrik mit 186 PS Leistung ersetzt.  Seit 1956 wird die große Fontäne durch eine elektrische Umwälzpumpe bis auf 82 Meter Höhe gebracht, die Maschinen der Wasserkunst dienen nur noch dazu, die Graft aufzufüllen.

Die historische Anlage lässt sich vom Schleusenweg aus gut besichtigen. Sehenswert ist dabei auch die zum linken Ufer des Leineabstiegkanals führende und zum Stadtteil Limmer gehörende Bogenbrücke aus genieteten Stahlträgern, welche um 1915 erbaut wurde.“

Hannover-Herrenhausen, Am Großen Garten 70
Stadtbahn Linie 4 und 5, Haltestelle Schaumburgstraße, ab dort ca. 1,4 km zu Fuß der Straße Am Großen Garten folgen und den Westschnellweg unterqueren
Oder Stadtbahnlinie 10, Haltestelle Harenberger Straße, ab dort ca. 700 m zu Fuß der Straße Ratswiese und dem Schleusenweg in nordwestliche Richtung folgen.

Adresse

  • Am Großen Garten 70
  • 30167 Hannover