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Station 9 - Zwei Ziegeleien am Ostrand

An der Bundesstraße 65 nach Rethmar am östlichen Rand Sehndes entstand um 1860 die erste Ziegelei des Ortes. Sie produzierte bis 1976 nahe der heutigen Flächen am Umspannwerk der E.ON nördlich der B 65. Um 1900 entstand südlich der Straße eine weitere Ziegelei, die Keramische Hütte. Sie war bis 1982 in Betrieb. Der Name des ehemaligen Besitzers, der Firmengruppe Bock, steht noch am mehr als 28 Jahre rauchlosen Schornstein. Die Betriebsgebäude dienen heute als Lager oder Werkstatt. Der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover (aha) betreibt dort einen Recyclinghof.

Woher der Ton kam? Der Ton stammt aus der Kreidezeit vor rund 140 bis 70 Millionen Jahren. Es war die Zeit, in der zum Beispiel in Münchehagen am Steinhuder Meer die Dinosaurier ihre Fußabdrücke hinterließen. Der hiesige Ton befand sich am Ostrand des riesigen Salzstockes, der sich von Sarstedt über Sehnde bis Lehrte ausbreitete, in geringer Tiefe bis maximal 50 Meter. Die Technik des Tonbrennens war schon den Persern aus Mesopotamien vor etwa 6000 Jahren bekannt. Die Römer brachten das Wissen über die Alpen. In dieser Region begann 1870 eine hohe Nachfrage nach Ziegeln für Häuser. Durch die Eisenbahn kam nun auch Kohle in größeren Mengen zur Feuerung der Ziegeleiöfen heran. Die fertigen Ziegel schafften die Arbeiter zum 1846 gebauten Bahnhof in Sehnde. Von dort gelangten die Steine per Bahn quer durch Deutschland. Der Ton kam aus einer Grube südlich der heutigen B 65 auf dem Gelände des Landwirts Hasenbein. Auf kleinen Loren gelangte der Rohstoff über Gleise unter der Straße hindurch zur Ziegelei zum Formen und Trocknen. Als Ende des 19. Jahrhunderts ein Ringofen gebaut wurde, musste die Ziegelei rund 500 Meter nach Osten verlegt werden – zur Sicherheit im Brandfall für die benachbarten Wohnhäuser. Ab Mitte der zwanziger Jahre nutzte der Stromversorger Hastra das Werksgelände der Ziegelei nördlich der Straße nach Rethmar für das Aufstellen von Transformatoren. Heute befindet sich dort das Umspannwerk.

Auch der Mittellandkanal lieferte Ton. Als Ende der zwanziger Jahre die Wasserstraße gebaut wurde (1928 war der Kanal von Westen her bis Peine fertig), brachten die Arbeiter den Bodenaushub in die Gruben der Keramischen Hütte. Doch oh Wunder: Der Aushub war ausschließlich gut brennbarer Ton. Das Werk stellte die eigene Gewinnung ein und nutzte ab 1928 den Ton, den die Kanalbauarbeiter vor die Tür kippten. Die Qualität hatte allerdings doch ein wenig gelitten, so dass vorwiegend Hintermauersteine gebrannt wurden. 1954 übernahmen die „Dörentruper Sand- und Thonwerke“ die Ziegelei und nahmen wieder erstklassigen Ton aus der eigenen Grube in Duingen bei Alfeld. Die Verblendklinker lieferte die Firma bis Berlin und Hamburg. 100 Beschäftigte produzierten 20 Millionen Steine im Jahr. 1982 war dann Schluss.