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Station 11 Sternwarte - Wasser, Gärten und ein blaues Meer

89 Meter erhebt sich der Lindener Berg über der Stadt. Das ist für Hannover schon so hoch, dass Kleingärtner, von denen es hier rund 600 in acht Kolonien gibt, von „Lindener Alpen“ sprechen. Immerhin kann man von hier bis zum Deister schauen. 1919 konnte sich der erste Kleingärtnerverein hier niederlassen, denn die Arbeiter und Arbeiterinnen wollten sich als Ausgleich zur Industriemaloche in der Natur bewegen. Eigenes Gemüse anzubauen, schonte auch die Haushaltskasse.

Der Berg trägt auf seiner Kuppe einen wegen seiner filigranen Architektur in Deutschland seltenen Wasserspeicher, den die Stadtwerke heute noch nutzen. Seit 1878 dient der 9,5 Meter hohe Wasserhochbehälter hinter fünf Meter dicken Mauern zur Versorgung der Stadt mit Trinkwasser. Es wurde aus der Ricklinger Masch zugeleitet. Heute kommt das Wasser aus den Fuhrberger Wäldern nördlich von Hannover oder dem Harz. Oben befindet sich die Sternwarte (s. u.).

Was nur wenige wissen: An der Stelle des Behälters hatte Johann Egestorff (Vater von Georg Egestorff, der den Vorläufer der Hanomag gründete) 1825 ein Berggasthaus neben einer Mühle vom Baumeister Georg Ludwig Friedrich Laves bauen lassen. Mit Blick auf die Herrenhäuser Gärten war es ein beliebtes Ausflugsziel besonders am Wochenende. Die illustre Gesellschaft traf sich dort zum Tanz und betrat über zwei seitliche Treppen durch ein hohes Portal den Innenraum.

Wo heute die IGS Linden steht, war bis 1970 das Kalkbrennerhaus zu besichtigen (Tafel am Lindener Weg 11), ebenso wie der Gutshof der Familie von Alten. Johann Egestorff hatte von 1803 an den Kalk des Lindener Berges abgebaut und eine Kalkbrennerei errichtet.

Die Straße links hinter dem Hochbehälter führt zum Lindener Turmgarten. Schon ab 1392 stand hier ein Turm, der 1651 zu einer Mühle mit drehbarem Oberteil ausgebaut wurde. Die Reste der Mühle gelten heute als das älteste Gebäude Lindens.

Auf der anderen Seite ist der Lindener Bergfriedhof von 1862 zu sehen, der ab 1908 an Bedeutung verlor, als der Ricklinger Friedhof angelegt war. Hier spazieren zu gehen ist zu jeder Jahreszeit ein Vergnügen. Die Blüte der Blausterne (Scilla) im März jedes Jahr ist der Höhepunkt. Das blaue Meer an Blüten wird auch als „blaues Wunder“ gefeiert. Sehenswert sind auch die Friedhofskapelle von 1864 (von Conrad Wilhelm Hase entworfen) im Norden des Friedhofs, der Küchengarten-Pavillon (kam 1911 vom Küchengarten hierher) sowie der Friedhofsbrunnen von 1884 mit Friedensengel in der Mitte der rund sechs Hektar großen Anlage.

Weitere Attraktionen: der Jazz-Club Hannover (Lindener Berg 38) – seit 1966 hier im Keller zu Hause – ist von bundesweiter Bedeutung. Rund 3000 Konzerte in 40 Jahren mit den Großen der internationalen Jazz-Szene überzeugen. Die Ursprünge des Jazz in den USA (New Orleans) liegen in der Zeit um 1900. Im Obergeschoss befindet sich das Mittwoch-Theater, in dem auch Lesungen zu hören sind. Dieses Haus – das Neue Lindener Berghaus - ist schon seit der Kaiserzeit ein Treffpunkt für Jugendliche.

Ab ins All: Jeden Donnerstag (außer in der Sommerpause) kann jeder in der Volkssternwarte Hannover ins All gucken (20 bis 22 Uhr). Auf dem Wasserhochbehälter des Lindener Berges muss es nur erst dunkel sein. Dann leuchten die Sterne, und ein Fachkundiger erläutert alles, was so weit draußen im Dunkeln liegt. Die Sternwarte erinnert an Friedrich Wilhelm Herschel (1738-1822) und seine Schwester Caroline (1750-1848). Der Musiker und Astronom entdeckte vielleicht bei solch einem lauschigen Abend mit seinem Fernrohr den Planeten Uranus. Seine Schwester war ebenfalls in dieser Sparte aktiv und erforschte acht Kometen.