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Station 25 PeinerStraße - Döhrener Wolle - einst ein Gigant

Von der Haltestelle Peiner Straße nimmt man am besten den Fußweg entlang der Hildesheimer Straße südlich bis zur Rheinstraße. Die Häuser in dieser und der Werrastraße sind noch aus der Zeit der Industrialisierung. Eckige oder halbrunde Fenster, unten Backstein, oben Fachwerk, grüne oder blaue Türen – so präsentiert sich die Werkssiedlung „Döhrener Jammer“. Ob in den Mehrfamilienhäusern die Arbeiterfamilien der Döhrener Wolle wirklich jammervoll lebten, ist unklar. Heute jedenfalls ist es eine begehrte Wohngegend. Die kleinen Häuser der Werrastraße sind beliebt, weil sie wie ein Dorf in der Stadt liegen. Dann geht es weiter über Richartz- und Neckarstraße. Die Wiehbergstraße kreuzt. Ein paar Meter nach links steht die ehemalige Direktorenvilla (Nr. 22). Zwei weiße Göttinnen vor hellblauem Halbrund schmücken die Fassade des in die Jahre gekommenen Hauses, das noch bewohnt wird. Zurück zur Straße Am Lindenhofe – da führt der Weg zum früheren Werksgelände am Uhrturm.

Der Uhrturm von 1909 ist das Erkennungszeichen der Döhrener Wolle. Er gemahnte zur Pünktlichkeit und war der Zutritt zur industriellen Arbeitswelt. Auch die Werksfeuerwehr fand Gefallen an ihm und trocknete darin ihre Schläuche. Oben sind noch „W W & K 1909“ zu lesen, was an die Wollwäscherei und –kämmerei erinnert.

Die historische Zeile führt am imposanten Pförtnerhaus, in dem sich unten ein Lokal befindet, links zur Straße „Wollkämmerei“. An dieser Stelle war sie von 1867-1973 zu sehen. Die Widderskulptur links an der Kreuzung wurde 1985 zur Erinnerung an die Döhrener Wolle und ihre Mitarbeiter aufgestellt. Das Denkmal stammt in seinem Ursprung von 1893. Ein paar Schritte weiter ist das Rauschen des Wassers am Leinewehr zu hören. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Turbinen zur Stromgewinnung eingebaut. Ein neues Wasserkraftwerk der Stadtwerke soll demnächst die Stromausbeute erhöhen. Die Energie für die erste deutsche Wollwäscherei von 1868 kam nicht nur vom Wasser, auch Deisterkohle heizte Kessel an.

Wozu wurde überhaupt eine Wollwäsche gebraucht, in der 1910 sogar 2000 Menschen arbeiteten? Stoffe und Tücher waren sehr gefragt, doch musste die Rohwolle aus dem Ausland erst gereinigt werden. Sie kam in riesigen Ballen. Dann bestand die Arbeit darin, sie von Fett, Kot, Pflanzenresten und Dreck zu befreien. Es waren meist Frauen, die in Sortiersälen die Fasern sortierten. Mit Seifenwasser in großen Zubern ging man der Wolle an den Faden. Dann wurde geföhnt. Die Kamm-Maschinen taten ihre Arbeit, und fertig zu Wickeln gepresst kam die Wolle wieder in großen Ballen in die Spinnereien.

Die Arbeit war alles andere als einfach. Es stank, es war feucht und bis zu 45 Grad heiß. Die Nadeln der Kämme waren Grund für viele Verletzungen. Das ausgewaschene Rohwollfett wurde weiter verwendet – für die Kosmetik- und Pharmaindustrie. Den Wollschlamm holten sich die Bauern zum Düngen ihrer Felder ab. Die Abwässer aber gelangten in die Leine, wogegen es schon 1925 heftige Proteste gab. Täglich verbrauchte das Werk fünf Tonnen Wasser, acht Tonnen Seife, 80 Tonnen Kohle, 750 Kilogramm Benzin und eine halbe Tonne Ätznatron. Eine Schmalspurbahn zum Bahnhof Wülfel erledigte den Transport der Waren.