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Station 9 Deisterplatz / Bornumer Straße - Schlendern zu Hanomag

Wer am Deisterplatz aussteigt, sieht das denkmalgeschützte, frühere Werksgebäude der Hanomag von 1906 mit nur wenig veränderter Fassade. Es ist das Symbol der aufkommenden Großindustrie Ende des 19. Jahrhunderts in Hannover. Zwar hat sich oben auf dem Dach der wuchtige Schriftzug geändert, aber an den Gebäudeecken sind noch die beiden Monumentalskulpturen „Industrie“ und „Arbeit“ erhalten. Am besten, man geht in die Hanomagstraße, um etwa in Nr. 9 ein altes Bürogebäude mit zwei Flügeln und einem Runddach in der Mitte zu entdecken. Hier sind Büros der Firma Komatsu untergebracht. Sie kaufte 1989 Anteile der Hanomag und übernahm sie 2002 ganz. Radlader und Mobilbagger werden heute auf dem großen Werksgelände produziert.

Das Hauptgebäude der Hanomag in der Deisterstraße aus dem Jahr 1906 ist weitgehend erhalten geblieben.

Die „Hannoversche Maschinenbau AG“ –abgekürzt „Hanomag“ – war aus der 1835 gegründeten „Eisen-Giesserey und Maschinen-Fabrik von Georg Egestorff zu Linden vor Hannover“ hervorgegangen. Rund 20 Arbeiter fertigten Ambosse, Zahnräder, Kochtöpfe und Grabkreuze. Nur ein Jahr später ließ Georg Egestorff (1802-1868) die ersten Dampfmaschinen fertigen. Sie hatten sechs PS. Bald stellte er Werkzeugmaschinen her, die die Industrie bislang aus England kaufen musste. Doch mangelte es an Facharbeitern. Egestorff zahlte ihnen doppelt so viel wie Mitarbeitern der chemischen Fabrik und dreimal so viel wie seinen Kalkbrennern. 1842 hatte Egestorff eine wichtige Etappe erreicht: Er baute die erste Lokomotive, benannt nach dem Landesvater Ernst-August. Das Stahlross dampfte im Juni 1846 von Lehrte nach Hildesheim – und blieb liegen. Trotzdem war das der Beginn einer atemberaubenden Entwicklung: Immer mehr Loks verließen das Werk. Bevor 1872 die Strecke Hannover-Altenbeken eröffnet wurde und die neuen Lokomotiven einfach im Werk auf die Schienen gesetzt und zum Bahnhof Linden/Fischerhof gefahren wurden, war die Auslieferung der Kolosse ein Drama. Sie mussten auf einen Wagen geladen werden, der erst mit 24 Pferden in Bewegung kam. Durch die Gassen der Altstadt führte der Weg zum Hauptbahnhof, wo die Lokomotive endlich auf die Schienen kam.

Egestorffs Erben verkauften das Werk an den „Eisenbahnkönig“ Bethel Henry Strousberg (1823-1884). Er verfünffachte  die Fertigung auf 200 Lokomotiven pro Jahr. Dazu warb er rund 2000 Arbeiter an, für die er eine Siedlung an der Göttinger Straße baute – Klein-Rumänien genannt. Es waren 144 zweigeschossige Häuser. Sie standen bis 1937, als sie für die „U-Boot-Halle“ weichen mussten. Die dreischiffige Stahlkonstruktion war für Wilhelmshaven geplant, dann aber 1943 in Hannover errichtet und mit Ziegelwänden ummantelt worden. Sie diente zum Bau von Fliegerabwehrgeschützen und anderem Kriegsgerät.

Zurück zu Strousberg: Er musste nach einem gescheiterten Geschäft in Rumänien das Werk schon 1871 wieder verkaufen. Doch hatte der Unternehmer erstmals in Deutschland eine Art Fließbandproduktion eingeführt. An bis zu 36 Lokomotiven schraubten die Arbeiter gleichzeitig herum, mit Kränen und Schiebebühnen zog man die werdenden Stahlrosse voran. Als soziale Wohltat verkürzte Strousberg die Arbeitszeit von elf auf zehn Stunden am Tag, allerdings strich er auch die Pausen zusammen.
Mit der 10.765. Lokomotive endete 1931 diese Epoche. Bald stellte statt dessen Hanomag Raupen, Radschlepper und Dieselmotoren her. Legendär ist das Kommissbrot von 1924. Der Kleinwagen mit zunächst 500 Kubikzentimetern Hubraum, zehn PS und 60 km/h in der Spitze sowie einem Minimalverbrauch lief täglich achtzigfach vom Band. Der Spott ließ nicht lange auf sich warten: „Ein Kilo Blech, ein Kilo Lack, fertig ist der Hanomag“.

Wer heute über das ehemalige Werksgelände geht, das sich von der Güterumgehungsbahn im Süden bis zur Bornumer Straße und Göttinger Straße dreieckig ausbreitet, sieht durch Läden und Büros wiederbelebte Gebäude. Von Baumärkten über Fahrradverkauf, Polizei, Fachhochschule bis zur Windenergiefirma reicht die Palette.