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Made in Hannover

Die transportable Achterbahn

Das Prinzip einer Achterbahn stammt ursprünglich aus Russland, wo bereits im 17. Jahrhundert die Bürger von Moskau und Sankt Petersburg auf den Wintermärkten mit Eisblöcken von schneebedeckten Holzgerüsten hinab rutschten und mit Schwung über Rampen schlitterten. Mit der Industrialisierung in der Eisen- und Stahlherstellung zum Ende des 19. Jahrhunderts kamen auch die heute bekannten Achterbahnen mit Schienen und Wagen in Mode. Auf den Jahrmärkten waren sie die buchstäblich größte Attraktion, die jedoch am Ende des Festes wieder abgerissen werden musste – bis der niedersächsische Karussellbauer Hugo Haase (1857–1933) auf die Idee kam, in Hannover die erste transportable Achterbahn zu entwickeln, die als so genannte „Figur-Acht-Bahn“ schon auf dem heute größten Schützenfest der Welt stand.

Historische Postkarte, die eine Achterbahn zeigt.  © Sammlung Jens Waschau/Roßla

Die historische Karte zeigt die "Acht-Bahn" und die vielen Menschen, die sie magisch anzog.

Großer Rummel um Haases mobile Achterbahnen und elektrische Karussells

Hugo Haase kommt als zweiter Sohn eines Kappellmeisters in Winsen an der Luhe zur Welt, erlernt in Hamburg das Schlosserhandwerk und macht sich 1897 in Rossla am Harz als "Ingenieur und Dampf-Schiff-Carousell-Fabrikant" selbstständig. Der findige Tüftler konstruiert nicht nur die erste mit Dampf betriebene Schiffsschaukel, 1902 präsentiert er der staunenden Öffentlichkeit auf dem Münchener Oktoberfest auch die "erste & einzig existierende Berg & Thal-Bahn" – angetrieben mit elektrischem Strom, den ein 30-PS-Gasmotor liefert. Kurz darauf verlegt Hugo Haase seinen Firmensitz nach Leipzig und baut dort sein berühmtes, elektrisches Stufenkarussell "El Dorado", das 1910 für 150.000 Dollar an den New Yorker Vergnügungspark Coney Island verkauft wurde und 1970 bei der Weltausstellung im japanischen Osaka zu sehen war. Heute steht das älteste Karussell der Welt in einem Freizeitpark in Tokio und ist noch immer in Betrieb.

Pfiffige Fahrgeschäfte made in Hannover

1909 lässt sich Hugo Haase endgültig in Hannover nieder und tüftelt an weiteren neuartigen Fahrgeschäften wie etwa einer transportablen Achter- und Wasserbahn, einem Autoskooter, Geisterbahnen und Zeppelinen, die in sieben Metern Höhe eine beleuchtete Erdkugel umkreisen. Und er eröffnet 1914 in Hamburg-Stellingen auf dem heutigen Gelände des Tierparks Hagenbeck einen eigenen Vergnügungspark – nach Coney Island bei New York in den USA der einst größte seiner Art mit Biergarten-Restaurant und eigenem Elektrizitätswerk, der jedoch 1922 bereits wieder geschlossen werden musste.

Am 13. September 1933 verstirbt Hugo Haase in Hannover. Heute erinnert ein schlichter Grabstein auf dem Engesohder Friedhof an Deutschlands einfallsreichen Achterbahn-Pionier und unumstrittenen Karussell-König.