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Boulefestival im Georgengarten

Beim Boule eine ruhige Kugel schieben

Zehn Tage vor Pfingsten beginnt auf der Herrenhäuser Allee vis-à-vis der Leibniz Universität Hannover das alljährliche Boulefestival, das mit der Pfingsttafel am Pfingstsonntag abgeschlossen wird.

An diesen meist schon lauen Frühlingstagen sind auf dem Kiesweg in den Herrenhäuser Gärten wieder seltsame Geräusche zu hören: Klack!, Klack! und Kling! Klack! macht es, wenn zwei Boule-Kugeln aneinander stoßen – und Kling!, wenn auf den geglückten Wurf angestoßen wird. Wie gerade, als Nico mit einem gezielten Schuss aus sechs Metern Entfernung die faustgroße Stahlkugel des Gegners vom Schwein förmlich weg gesprengt hat. Empörung bei Renate, es war ihre, und ein Siegerlächeln bei Nicos Teamkollege Jens. Es steht 12 zu 10 für die beiden Jungs, und elf Kugeln liegen bereits auf dem Kies, scheinbar willkürlich verteilt um eine Holzkugel (das Ziel oder "Schweinchen").

Schwein gehabt!

Eigentlich kann gar nichts mehr schiefgehen, es fehlt nur noch ein Punkt zum Sieg, und die beiden Kugeln von Nico und Jens liegen näher am Ziel als die eine von Renate. Doch ihr Spielpartner Walter hat noch einen Wurf. Er stellt sich in den kleinen Kreis, wischt mit seinem Tuch zärtlich den Staub von der narbigen Kugel, geht mit weit nach hinten gewinkelten Armen in die Knie und lässt mit präzise berechnetem Schwung die Kugel aus der Hand gleiten. In hohem Bogen marschiert sie durch die Luft und trifft beim Aufprall das "Schwein", das aufgeschreckt einen halben Meter weiter nach vorn hüpft und in die Nähe von Steffis drei Kugeln flüchtet. Enttäuschung bei den Jungs, da hilft kein Lamentieren und auch kein Nachmessen: der "Nebenbouler" hat mit diesem Klasse-Wurf die Partie gewonnen. Boule kann manchmal grausam sein!

Der Sport des Volkes

Was ist das für ein seltsames Spiel, bei dem nicht selten mehr diskutiert als gespielt wird? Boule (verwandt mit dem italienischen Boccia und dem englischen Bowls, bei Wettkämpfen Pétanque genannt) kommt aus Frankreich und wurde dort bereits im 13. Jahrhundert gespielt. Das Prinzip: so viele Kugeln wie möglich nahe an einem Ziel zu platzieren.

Boule stand und steht für Lebensfreude, Lautstärke und die Liebe zu lukullischen Genüssen. Bis zum 18. Jahrhundert blieb Boule ein Zeitvertreib der einfachen Leute, dann vergnügte sich auch der Adel beim Spiel mit den Kugeln. Während der Französischen Revolution erlosch das Interesse an derart königlicher Belustigung schlagartig. Bis heute ist Boule ein Sport des Volkes geblieben, der mittlerweile nicht mehr nur auf den Wiesen außerhalb der Stadt, den sog. "boules verds" (woher übrigens die heutige Bezeichnung "Boulevard" stammen soll) gespielt wird, sondern auch auf Marktplätzen und Straßen sowie in öffentlichen Gärten und Parkanlagen.

Boule ist cool

Heute werden in Frankreich mehr Boule-Kugeln verkauft als Zahnbürsten, auch in Deutschland findet das Spiel der List und Tücke von Jahr zu Jahr mehr Anhänger. Boule ist mal Leidenschaft, mal vergnüglicher Zeitvertreib oder pure Entspannung – immer aber eine spannende Theatervorstellung, zu der jeder kommen kann und die nichts kostet. Mit Beginn des Frühlings treffen sich Boule-Fans jeden Alters fast jeden Nachmittag auf der Lindenallee gegenüber der Universität, manchmal gesellen sich noch Passanten dazu und dann spielen, stehen, diskutieren und schlemmen sie bis in den Abend. Und wenn die Sonne untergegangen ist, geht’s unter den Laternen weiter.

Was braucht man zum Boulen?

Drei Boulekugeln, eine Zielkugel, Maßband, Lappen zum Polieren der Kugeln – und schon kann’s losgehen. Außer der Lindenallee im Georgengarten gibt es zum Beispiel am Bonifatiusplatz, am Freizeitheim Ricklingen und am Osterleyplatz einen kleinen Bouleplatz unter Platanen.

Die Regeln

Es treten immer zwei Mannschaften mit je ein bis vier Spielern auf einer Distanz von sechs bis zehn Metern gegeneinander an. Jeder Spieler hat zwei bzw. drei Kugeln. Dann wird gelost, welche Mannschaft zuerst aus einem gezogenen Kreis auf das Ziel werfen darf. Es gewinnt das Team, das seine Kugel(n) am dichtesten am "Schweinchen", der kleinen, meist bunten Holzkugel, platzieren konnte. Dabei gilt: Je mehr Kugeln näher am Ziel liegen als die beste der gegnerischen Mannschaft, desto mehr Punkte gibt es. Gewonnen hat das Team, das zuerst 13 Punkte erzielt.

Kleines Boule-Brevier zum Mitreden

la boule = die Kugel
le cochonnet = das Ziel ("Sau" oder "Schweinchen")
la mène = die Aufnahme
pointer = legen
tirer = schießen
la portée = hoher Bogen
la doublette = Zweiermannschaft
la triplette = Dreiermannschaft
le tête-à-tête = das Spiel zwischen zwei Einzelspielern