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die horen

Die 1955 vom hannoverschen Schriftsteller Kurt Morawietz gegründete Literaturzeitschrift erscheint vierteljährlich und wird vom Land Niedersachsen und der Stadt Hannover gefördert. Ihr Titel wurde in Anknüpfung an die gleichnamige von Friedrich Schiller herausgegebene Zeitschrift benannt und widmet sich allen Aspekten zeitgenössischer Literatur. Ihr Markenzeichen sind die Auswahlbände zur fremdsprachigen Literatur. Seit 2012 werden "die horen" vom Wallstein Verlag in Göttingen herausgegeben.

Im Namen von Frieden, Gerechtigkeit und Ordnung

Kurt Morawietz (1930-1994) arbeitete von 1962 bis 1992 im Kulturamt der Stadt Hannover und war nicht nur ein engagierter Förderer der hannoverschen Literatur. Er schrieb auch selbst Erzählungen, Gedichte und Romane und war Mitbegründer des "Lyriktelefon" und des Leseheftes "literanover". Seine ab 1955 herausgegebene Literaturzeitschrift "die horen" benannte Kurt Morawietz wie die Monatszeitschrift, die der deutsche Dichter, Historiker und Philosoph Friedrich Schiller von 1795 bis 1798 veröffentlichte. Die Horen sind in der griechischen Mythologie die Töchter des obersten olympischen Gottes Zeus und der Titanin Themis und bewachen als Göttinnen der Jahreszeiten die Himmelstore und das geregelte Leben: die drei Geschwister der ersten Generation sind Thallo (Göttin des Blühens), Auxo (Göttin des Wachsens), Karpo (Göttin der Früchte), zur zweiten Geschwistergeneration gehören Dike (Gerechtigkeit), Eunomia (Ordnung) und Irene (Frieden). Nach diesen himmlischen und den Menschen wohl gesonnenen Göttinnen benannte Schiller seine Monatsschrift "Die Horen", zu der der Dramatiker in einer gedruckten Privatanzeige für die Mitarbeiter schreibt: "Sie wird sich über alles verbreiten, was mit Geschmack und philosophischem Geiste behandelt werden kann, und also sowohl philosophischen Untersuchungen, als historischen und poetischen Darstellungen offen stehen."

In der Tradition von Schiller und Goethe

Wie Kurt Morawietz 160 Jahre später wollte und konnte auch Schiller bedeutende Gelehrte seiner Zeit zur Mitarbeit gewinnen. Seinen damaligen Dichterkollegen Johann Wolfgang von Goethe etwa, wie ein Briefwechsel in der Dokumentation zu Schillers Zeitschrift "Die Horen" des Goethehaus in Frankfurt anschaulich belegt: 

Schiller an Goethe, Jena, 13. Juni 1794
"Hochwohlgebohrner Herr, Hochzuverehrender Herr Geheimer Rath. Beiliegendes Blatt enthält den Wunsch einer, Sie unbegrenzt hochschätzenden, Gesellschaft, die Zeitschrift, von der die Rede ist, mit Ihren Beyträgen zu beehren, über deren Rang und Werth nur Eine Stimme unter uns seyn kann. Der Entschluß Euer Hochwohlgeboren, diese Unternehmung durch Ihren Beytritt zu unterstützen, wird für den glücklichen Erfolg derselben entscheidend seyn, und mit größter Bereitwilligkeit unterwerfen wir uns allen Bedingungen unter welchen Sie uns denselben zusagen wollen. Hier in Jena haben sich die H. H. Fichte, Woltmann und von Humboldt zur Herausgabe dieser Zeitschrift mit mir vereinigt, und da, einer nothwendigen Einrichtung gemäß, über alle einlaufenden Mscrpte [Manuskripte] die Urtheile eines engern Ausschußes eingeholt werden sollen, so würden Ew. Hochwohlgebohren uns unendlich verpflichten, wenn Sie erlauben wollten, daß Ihnen zu Zeiten eins der eingesandten Mscrpte dürfte zur Beurtheilung vorgelegt werden. Je größer und näher der Antheil ist, deßen Sie unsre Unternehmung würdigen, desto mehr wird der Werth derselben bey demjenigen Publikum steigen, deßen Beyfall uns der wichtigste ist.
Hochachtungsvoll verharre ich Euer Hochwohlgeboren gehorsamster Diener und aufrichtigster Verehrer
Jena. 13. Jun. 94.
F. Schiller"

Goethe an Schiller, Weimar, 24. Juni 1794
"Ew Wohlgeb. eröffnen mir eine doppelt angenehme Aussicht, sowohl auf die Zeitschrift welche Sie herauszugeben gedenken, als auf die Theilnahme zu der Sie mich einladen. Ich werde mit Freuden und von ganzem Herzen von der Gesellschaft seyn. Sollte unter meinen ungedruckten Sachen sich etwas finden das zu einer solchen Sammlung zweckmäßig wäre, so theile ich es gerne mit; gewiß aber wird eine nähere Verbindung mit so wackern Männern, als die Unternehmer sind, manches, das bey mir ins Stocken gerathen ist, wieder in einen lebhaften Gang bringen. Schon eine sehr interessante Unterhaltung wird es werden sich über die Grundsätze zu vereinigen nach welchen man die eingesendeten Schriften zu prüfen hat, wie über Gehalt und Form zu wachen um diese Zeitschrift vor andern auszuzeichnen und sie bey ihren Vorzügen wenigstens eine Reihe von Jahren zu erhalten. Ich hoffe bald mündlich hierüber zu sprechen und empfehle mich Ihnen und Ihren geschätzten Mitarbeitern aufs beste.
W. d. 24 Jun 1794.
Goethe"

Bereits wenige Jahre später musste Friedrich Schiller sein Zeitschriften-Projekt wieder einstellen, im März 1798 erschien die 12. und letzte "Die Horen"-Ausgabe des Jahrgangs 1797. Der damalige Hofrath und Professor zu Jena war mittlerweile zu sehr mit seinem "Wallenstein" beschäftigt.

Viele Auszeichnungen und ein Literaturpreis

Die Literaturzeitschrift "die horen" des hannoverschen Schriftstellers Kurt Morawietz hingegen kann auf eine deutlich längere Geschichte zurückblicken und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet: 1980 und 1988 mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik vom Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, 1998 mit dem Karl-Heinz Zillmer-Preis der Hamburgischen Kulturstiftung, 2008 mit dem Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen und 2001 mit dem niedersächsischen Verlagspreis. Darüber hinaus verleihen seit 1996 die Stadt Hannover und die Sparkasse Hannover alle zwei Jahre den "Kurt Morawietz Literaturpreis" als Auszeichnung und zur Förderung von jungen Autoren und Autorinnen der Stadt und der Region Hannover.

Schließlich schrieb schon Friedrich Schiller noch vor Veröffentlichung seiner "Die Horen": "Nur der innere Werth einer literarischen Unternehmung ist es, der ihr ein dauerndes Glück bei dem Publicum versichern kann; auf der andern Seite aber ist es nur dieses Glück, welches ihrem Urheber den Muth auf die Kräfte gibt, etwas beträchtliches auf ihren Werth zu verwenden."