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Sammlungskonvolut

Erwerbungen aus der Sammlung Dr. Conrad Doebbeke

Zum Wiederaufbau der städtischen Kunstsammlung nach Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgte 1949 auf Veranlassung der Stadt Hannover, und in Federführung des damaligen Leiters und Abteilungsdirektors der Kunstabteilung am Landesmuseum Dr. Ferdinand Stuttmann, der Ankauf eines Sammlungskonvolutes von rund 120 Gemälden, Grafiken und Skulpturen von Dr. Conrad Doebbeke (1889-1954) aus Berlin-Wannsee.

Werke des deutschen Impressionismus, Expressionismus und Klassischen Moderne aus der Sammlung Dr. Conrad Doebbeke

Die Sammlung, welche die Stadt Hannover erwarb – um, so wurde seinerzeit argumentiert, die während der Zeit der Nazidiktatur erlittenen Verluste auszugleichen, u. a. die von der Reichskulturkammer durchgeführte Beschlagnahmeaktion von 1937, war ein Spektrum an Kunstwerken bedeutender Vertreter des deutschen Impressionismus wie Lovis Corinth oder Max Liebermann. Weiter figurieren darunter die Namen Wilhelm Lehmbruck, Hans von Marées, Max Slevogt, Wilhelm Trübner oder des Bildhauers August Gaul.

Meisterwerke der Klassischen Moderne, besonders des Expressionismus - und damit solche der im Hitlerregime als verfemt und entartet geltenden Künstler wie Erich Heckel, Alexei Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Müller, Emil Nolde, Max Pechstein, Christian Rohlfs, Karl Schmidt-Rottluff oder Bilder aus der Conrad Doebbeke-Sammlung, welche die Stadt Hannover übernahm – z. B. Edvard Munch und Paula Modersohn-Becker, bereichern das Konvolut.

Die erworbenen Kunstwerke des deutschen Impressionismus und Expressionismus wurden seit 1950 in der im Landesmuseum Hannover beheimateten Städtischen Galerie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Mit Gründung des Sprengel Museums Hannover im Jahr 1979 erfolgte die Überführung der Kunst des 20. Jahrhunderts dorthin, während die Bildwerke des 19. Jahrhunderts am bisherigen Ort verblieben.

Nach dem Tod des vormals in Berlin tätig gewesenen Immobilienhändlers Dr. Conrad Doebbeke brachten seine Witwe Elsa, geb. Magnussen (⁎1895 Moskau †1971 Berlin) wie auch der Sohn Tomy (⁎1926 Berlin †1992 Berlin) in den nachfolgenden Jahren weitere Werke aus den aufgebauten Sammlungsbeständen in den Kunsthandel, z. B. über die Auktionshäuser Mathias Lempertz in Köln und Adolf Weinmüller in München sowie das Stuttgarter Kunstkabinett von Roman Ketterer.

Laufende Forschungen

Zur Herstellung von Transparenz gemäß den Washingtoner Vereinbarungen erschließt die Landeshauptstadt Hannover ihre Erwerbungsvorgänge seit 1933 systematisch. Aufgrund des Erwerbungszeitraumes und unmittelbar in den 1950er Jahren stattgegebener Restitutionsansprüche jüdischer Geschädigter steht die Erwerbung aus der Sammlung Doebbeke im Fokus der laufenden Provenienzforschungen.

Im Jahr 2007 war aus Ankauf des Sammlungsbestandes Dr. Conrad Doebbekes das Gemälde Lovis Corinth (Römische Campagna 1914) an die Erbengemeinschaft von Dr. Curt Glaser (1879–1943) infolge eines Beschlusses durch den städtischen Rat restituiert worden.

Das Gemälde war am 9. Mai 1933 innerhalb der "Sammlung und Bibliothek eines Berliner Kunstfreundes" in Berlin verauktioniert worden. Ein durch Doebbeke bei dieser Auktion persönlich erfolgter Ankauf konnte jedoch bislang nicht nachgewiesen werden, ebenso wenig wie bei den bereits in den 1950er Jahren restituierten drei Gemälden von Lovis Corinth und Oskar Kokoschka.

Im Jahr 2010 wurde die Landeshauptstadt Hannover bei ihren Forschungen durch die Arbeitsstelle für Provenienzforschung Berlin (heute Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste Magdeburg) unterstützt. Die Forschungen zum Erwerbungskonvolut dauern an.

Die im Zusammenhang mit den damaligen Ankaufsverhandlungen entstandenen Korrespondenzen und Dokumente liegen im Stadtarchiv Hannover und Hauptstaatsarchiv Hannover.

Autor: Dr. Annette Baumann