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Ratgeber

Der Deister

Das Gesicht der Landschaft

Geologische Entwicklungsgeschichte und heutiges Erscheinungsbild

Feld mit grünen Pflanzen, blauer Himmel mit Schönwetterwolken

 

 

Die abwechslungsreichen Landschafts- und Kulturräume rings um den Deister eignen sich ideal für eine ausgedehnte Spaziergänge, Wanderungen und Radausflüge. Vielschichtig sind die Zusammenhänge zwischen Geologie, Vegetation, Siedlungs- und Erwerbsstruktur. Der Deister ist ein Vorläufer des südlich angrenzenden Wesergebirges, einem Teil des Deutschen Mittelgebirges. Er gehört zum Naturraum des Calenberger Berglandes. Die große geologische Vielfalt entstand durch Sedimentationsprozesse während der Jura- und Kreidezeit (vor 195 bis 65 Millionen Jahren) und tektonische Verschiebungen der übereinander abgelagerten Schichten im Tertiär (vor 65 bis 4 Millionen Jahren). Durch den Druck der Afrikanischen Platte falteten sich die Alpen auf und zerbrachen die nördlicheren Mittelgebirge in Einzelschollen; diese wurden angehoben und gekippt, so dass unterschiedliche Schichten an die Oberfläche traten (saxonische Gebirgsbildungsphase). Im Deister sind dies im gesamten nördlichen und zentralen Bereich die Ton- und Sandsteinschichten der Kreidezeit mit Kohleeinlagerungen.
Dagegen treten im Südwesten – im Nienstedter Deister und im Kleinen Deister – die unter dem Sandstein lagernden Kalke und Mergel des Jura an die Oberfläche und formen ein vielgestaltiges Relief. Aus den harten Kalken entstanden Stufen, Kuppen und Steilhänge, die weichen Mergel und die eingesprengten Tonlinsen hingegen bildeten Mulden und Senken aus.

Die heutige Oberflächenform des Deisters hat sich während der Elster- und Saale-Eiszeiten (vor rund 450.000 bzw. 200.000 Jahren) herausgebildet. Gewaltige Gletscher schoben sich von Norden über den Deisterrücken und lagerten große Mengen Gesteinsschutt ab. In der Abschmelzphase wurde der Boden der Calenberger Börde durch die abfließenden Tauwässer mit Sand und Kies überlagert. Viele nahezu parallel verlaufende Bäche auf dem Nordhang stammen aus dieser Zeit. Durch starke Nordwinde wurden in der Folge feinste Bodenteilchen angeweht, die sich im Deistervorland zu meterdicken Lössschichten ablagerten. Diese fruchtbaren Böden der Calenberger Börde waren Keimzelle für die ersten Siedlungen und werden bis heute bevorzugt landwirtschaftlich genutzt. Um kein wertvolles Ackerland zu verschwenden, ordneten sich die Höfe eng nebeneinander zu sogenannten Haufendörfern an. Eine typische Endung von Ortsnamen aus dieser Zeit ist -hausen (zum Beispiel Barsinghausen, Winninghausen, Wichtringhausen), im Verlauf der Zeit oft reduziert auf -sen (Holtensen, Wennigsen, Bennigsen). In einigen dieser frühen Siedlungen entstanden später Rittergüter.

Im Nienstedter und Kleinen Deister spiegelt sich das vielfältige Relief im abrupten Wechsel der natürlichen Waldgesellschaften wider: Auf Kalk stocken Perlgras-Buchenwälder mit kalkliebenden Pflanzen wie dem Bärlauch, auf den schattigen Hängen findet man Farn-Buchenwälder, in den tonigen Mulden und Senken kommen feuchte Eichen- Hainbuchenwälder vor.

Dagegen sind Fichten im Deister nicht heimisch, aber zur schnellen Holzerzeugung in großen Mengen gepflanzt worden. Diese Fichtenforste sind extrem arm an pflanzlichem Leben und bieten Tieren nur wenig Nahrung. Selbst das Bodenleben fehlt weitgehend und das Niederschlagswasser wird kaum gespeichert. Seit den 90er Jahren baut die Forstwirtschaft wieder vermehrt Laub- oder Laub-Nadelmischwälder auf. Dort, wo durch Schädlingsbefall (Borkenkäfer!), Wind- oder Schneebruch Lücken entstehen, werden Buchen, Eichen und andere Laubbaumarten angepflanzt. In älteren Waldbeständen schafft man kleine lichte Stellen, um auch jungen Bäumen wieder genügend Licht zum Wachsen zu bieten. So entsteht nach und nach ein vielschichtiger Wald mit Bäumen und Sträuchern unterschiedlichen Alters, der den Tieren Unterschlupf und Nahrung bietet und dem Menschen „Waldes Lust“ vermittelt.
Auf den schwächer geneigten Hängen und in Taleinschnitten wurden die bewaldeten Hänge gerodet und als Acker- und Grünlandflächen genutzt. Viele Endungen von Ortsnamen zeugen noch heute von diesen ersten Rodungssiedlungen (Alvesrode, Mittelrode, Rodenberg). Da die in Kalk und Sandstein versickernden Oberflächengewässer auf den tonigen Schichten zutage treten, ist der Deister sehr quellen- und gewässerreich. Die zahlreichen Bäche wurden häufig für den Mühlenbetrieb genutzt. Auch diese frühe Wirtschaftsform ist noch an vielen Namen von Orten und Bächen nachzuvollziehen (Alvesroder Mühle, Wennigser Mühlbach, Hachmühlen). Heute wird im Einzugsbereich vieler Deisterbäche Quellwasser für die Trinkwasserversorgung gewonnen. Die großräumigen Wasserschutzgebiete erstrecken sich teilweise bis weit in die Calenberger Börde, in der hochwertiges Grundwasser gefördert wird. Die Trinkwassergewinnung ist eine Ursache dafür, dass viele Deisterbäche heutzutage weniger Wasser führen als früher.

Aber auch die „Unterhöhlung“ des Deisters durch den Bergbau veränderte den Wasserhaushalt. Neben der Land- und Forstwirtschaft stellten die Bodenschätze den zweiten Grundstein der Siedlungsentwicklung dar. Von Beginn an wurden Kalk- und Sandstein abgebaut, die vielen aufgelassenen Steinbrüche zeugen bis heute davon. Ab dem 18. Jahrhundert bis in die 1950er Jahre spielte dann im nördlichen Bereich die Kohleförderung eine tragende wirtschaftliche Rolle. Vielerorts wurden Stollen und Schächte angelegt, um die lokalen Kohleflöze auszubeuten. Da sowohl Brenn- wie Grundstoffe reichlich vorhanden waren (Holz und Kohle; Kalk, Ton und Sand), entwickelten sich als weitere wichtige Erwerbszweige die Glas- und Tonwarenherstellung.