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Mein Hannover 2030

Handlungsbedarf für die Kommunen

"Wo ist Handlungsbedarf?" – so lautete die Ausgangsfrage für die Expertenrunde vor rund 500 interessierten Gästen im Pavillon am 20. Oktober.

Wie wird sich Hannover in den kommenden 15 Jahren entwickeln? Eine Stadt, die wieder wächst und die attraktiv bleiben und sich für die Zukunft wappnen will.

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Stadtdialog "Mein Hannover 2030" - 20. Oktober 2014 im Pavillon

Eröffnungsrede

Oberbürgermeister Stefan Schostok hob zu Beginn noch einmal die Leitfragen für den Stadtdialog hervor:

  • Wie wollen wir wachsen?
  • Wie sichern wir Teilhabe, selbständiges Leben, gute Bildung und lebendige Kultur für alle?
  • Wie wird Hannover zu einem Hause für viele?
  • Was wollen und was können wir uns leisten?

Schon heute lasse es sich in Hannover gut leben. "Die einen loben die fahrradfreundliche Verkehrspolitik, andere dass wir familienfreundlich oder auch wie kreativ wir sind. Es gibt viele Menschen, die von unserer Stadt begeistert sind. Diese Begeisterung brauchen wir auf jeden Fall", sagte Schostok und warb dafür, dass möglichst viele Menschen bei der Gestaltung der Zukunft Hannovers mitmachen.

"Beteiligen Sie sich. Und seien Sie auch kritisch. Keine Stadt kann perfekt sein. Wir wollen Vielfalt. Und die Stadt soll auch ihre Ecken und Kanten haben", so Schostok.

Suche nach sozialem Zusammenhalt

Die Vielfalt und der soziale Zusammenhalt in einer Großstadt stand bei Prof. Klaus Wermker, aus Essen im Zentrum, der nach seiner Pensionierung inzwischen selbst in seiner Heimatstadt in Sachen Bürgerbeteiligung aktiv ist.

"Viele sagen, der soziale Zusammenhalt nehme ab, und gleichzeitig wird soziale Gerechtigkeit stärker wahrgenommen. Die Vielfalt in unseren Städten nimmt zu", analysierte Wermker.

Für die Zukunft gehe es in Großstädten darum, in den Stadtteilen lokale Gemeinschaften wieder neu zu beleben. Eine Stadtentwicklung mit diesem Ziel müsse gemeinsam mit den Einwohnern betrieben werden.

Eine Lanze für kommunale Klimaschutzkonzepte brach Dr. Monika Meyer, Geschäftsführerin des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU/Darmstadt).

Sicherlich könnten Kommunen nicht die Hauptlast auf dem Weg zu einer energiesparenden klimafreundlichen Lebensweise tragen. Allerdings könne eine Kommune selbst Vorbild sein und mit Vorgaben und Förderprogrammen die Weichen dorthin mit stellen.

Hannover müsse den bereits eingeschlagenen Weg im Bereich des Klimaschutzes weitergehen. Meyer: "Die bisherigen Aktionen in Hannover haben bereits ihre Wirkung erzielt."

Ein Zukunftsmodell für den Verkehr und damit die Möglichkeit in einer wachsenden Stadt zeichnete Wolfgang Müller-Pietralla von der Volkswagen AG.

"Wir werden sehr flexibel sein müssen. Menschen werden ihren Lebensstil gerade in den großen Städten im Laufe ihres Lebens mehrfach ändern."

Die Verkehrssysteme werden sich aus seiner Sicht stärker miteinander vernetzen müssen. "Wohnen und arbeiten müssen finanzierbar sein. Es muss auch darum gehen, das mehr Mobilität einfacher und mit weniger Verkehr möglich sein muss." Das heiße zum Beispiel leichteres Umsteigen von Rad zum Auto oder zum Öffentlichen Nahverkehr. Wenn man bedenke, dass in Städten ein Auto am Tag weniger als eine Stunde bewegt werde, spreche das natürlich für intelligente Mietwagensysteme.

Bildung nicht auszehren

Vor einer ausschließlich von den Möglichkeiten der Technologien dominierten Stadt warnte der Soziologe und Sozialphilosoph Prof. Oskar Negt aus Hannover: "Ich weiß, dass wir sehr viel wissen können. Aber müssen wir denn alles wissen, was wir wissen können?" Nicht alles dürfe der Verwertungslogik unterworfen werden.

„Es gibt so etwas wie Gesellschaftskrankheiten und die haben zugenommen.“ Menschen müssten zurückkehren können an Orte, an denen sie sich zurückziehen und auch nach dem Sinn ihres Lebens fragen, wo sie sich ausruhen könnten.

Eine zentrale Rolle nehme dabei die Bildung ein. "Das Lernen ist ein zentraler Bestandteil unserer Demokratie. Man darf das Lernen nicht verkürzen", warnte Negt. Die kürzeren Bildungswege durch den Bologna-Prozess seien daher sehr gefährlich. Neben dem Erlernen von Wissen gehöre auch das soziale und das emotionale Lernen dazu. Diese drohe verloren zu gehen.

"Ich wünsche mir, dass Hannover als eine der lebenswürdigsten Städte, die ich kenne, etwas dazu beitragen kann, dass Bildung wieder an Wert gewinnt."

Großfamilie 2.0

Auf unterschiedliche mögliche Szenarien für die Zukunft wies Dr. Eike Wenzel vom Institut für Trend- und Zukunftsforschung (Heidelberg) hin.

Megatrends, Wertwandel, andere Biografien, komplett neuer Lebensstil, 20- bis 30-Jährige kehrten heute zunehmend nach der Ausbildung noch einmal für kurze Zeit ins Elternhaus zurück. Generell zeichne sich wieder ein Trend zu Mehr-Generationen-Haushalten ab, unter anderem auch, weil viele der immer älter werdenden Menschen sich gleichzeitig jünger fühlten und aktiver seien.

"Großfamilie 2.0" könne also ein Familienmodell der Zukunft werden. "Wir haben in den zurückliegenden Jahren viel über Individualisierung geredet. Künftig werden wir wieder mehr über Gemeinsinn und Orientierung im Gemeinsinn reden. Eine Stadt muss dieses fördern und so den Menschen wieder das Gefühl geben, dass das Glück nicht allein in der digitalen Wert zu finden ist."

Insbesondere die Aussicht auf die Wiederbelebung von Gemeinschaft und Gemeinsinn in einer bunten Großstadt mit Menschen aus vielen unterschiedlichen Kulturen und die Wiederentdeckung großfamiliärer Lebensformen prägte anschließend die Diskussion mit dem Publikum.

Altersgerechtes Wohnen bedeute auch entsprechende Strategien bei der Wohnungsbaupolitik, etwa das Schaffen von barrierefreien Wohnungen, damit alte Menschen möglichst lange so selbstständig wie möglich leben könnten.

Ausblick auf den "Abend on Tour"

Nach den Anregungen und Impulsen von Experten in den ersten beiden Auftaktveranstaltungen folgt am 21. November ein "Abend on Tour".

Dahinter verbirgt sich eine Reise, zu mehr als einem Dutzend interessanter Orte in Hannover,  wie das Neue Rathaus, Hanomag-Gelände, üstra-Betriebshof, Klagesmarkt, Chorzentrum Christuskirche, Haus der Wirtschaft oder Pavillon. Für diesen Rundkurs bietet die üstra eigens eine Bustour an. Interessierte sollen  auf die Hauptphase des Stadtdialogs im nächsten Jahr eingestimmt werden.

Mehr dazu in Kürze hier auf www.meinHannover2030.de.