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Vielfalt

4. Diversity-Tag im Neuen Rathaus

Dialogrunden zum Thema: „Diversity im Alltag“.

Die Landeshauptstadt Hannover lud am 7. Juni ein zum vierten Diversity-Tag im Hodlersaal des Neuen Rathauses. Das hannoversche Diversity-Netzwerk besteht aus Vertreter/innen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Dazu fanden drei Diskussionsrunden mit unterschiedlichen Schwerpunkten zwischen Engagierten und Fachleuten statt.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Bürgermeisterin Regine Kramarek die knapp 60 Teilnehmer/innen und berichtete über die Bemühungen der Stadt, das Ziel einer vielfältigen und diskriminierungsfreien Gesellschaft zu erreichen und Barrieren für Benachteiligte abzubauen. Den Handlungsbedarf habe man zwar schon früh erkannt und viele Fortschritte erreicht – doch darauf dürfe man sich nicht ausruhen.

In der ersten Dialogrunde tauschten sich die engagierte Ehrenamtliche Sabrina Rahimi und der Vorsitzende des Hauses der Religionen, Prof. Dr. Wolfgang Reinbold, über „Religion und Ehrenamt“ aus. Die Gesprächsrunden wurden moderiert von der Erziehungswissenschaftlerin Pasquale Virginie Rotter. Für Rahimi seien Ehrenamt und Religion eng miteinander verzahnt. Nächstenliebe sei eine der fünf Säulen im Islam. So sei es für sie als Muslima selbstverständlich, Hilfsbedürftige zu unterstützen, ohne dafür Belohnungen zu erwarten. Rahimi sei unter anderem im Familienzentrum darum bemüht, zu einer Kultur der Wertschätzung beizutragen. Dies sei auch nötig, denn bei ihrer Arbeit im Familienzentrum klagten viele Migrant/innen über diskriminierende Erfahrungen. Insbesondere der Einstieg in den Arbeitsmarkt gestalte sich für sie häufig schwierig, so dass  in diesem Kontext  ihr ehrenamtliches Engagement manchmal auch ein Versuch sei,  darüber eine berufliche Perspektive zu finden.

Dies problematisierte auch Reinbold. Es sei nicht mehr zeitgemäß, dass ausländische Berufsausbildungen vielfach nicht anerkannt würden und Migrant/innen praktisch wieder bei null anfangen müssten. Doch ehrenamtliches Engagement wusste auch er zu schätzen, denn ohne dies wäre der Betrieb im Haus der Religionen praktisch unmöglich. Dort seien alle Weltreligionen unter einem Dach vereint und stünden im ständigen Austausch miteinander. Die interreligiöse Vielfalt in Hannover sei ein „riesiger Schatz“ und es sei nicht überall selbstverständlich, dass interreligiöse Projekte durchgeführt werden.

In der zweiten Runde berichteten Katja Steinbrunn (Vizepräsidentin der Nds. Special Olympics) und der Rollstuhlbasketballer Phillip Schorp von alltäglichen Schwierigkeiten behinderter Menschen. Die Barrierefreiheit habe sich gerade in städtischen Gebieten verbessert, doch sei zur Betreuung von Behindertensportler/innen gerade bei Reisen noch immer ein enormer Aufwand notwendig. Schorp zeigte sich enttäuscht darüber, dass viele Menschen Behinderten mit einer vorsichtigen Distanz begegneten. Oft sei ihnen nicht bewusst, dass auch Behinderte sportliche Spitzenleistungen vollbringen können. Doch dies habe sich im Laufe der Zeit geändert. Heute nehmen ganze Schulklassen am Training seines Vereins und nicht selten gingen dabei die Rollstühle aus. Auch Steinbrunn berichtete von guten Ergebnissen bei der wechselseitigen Integration zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten durch Sport und vom Ausbau der Kooperation mit anderen Sportverbänden.

Nach dem Mittagbuffet diskutierten die Anwesenden über Diversity am Arbeitsplatz. Hadi Safiri (Praktikant bei Continental AG) hatte im Iran Wirtschaftsingenieurswesen studiert, während er sich eigentlich mehr für Psychologie interessiert hatte. Um den Traum eines dualen Studiums zu verwirklichen, kam er nach Deutschland und musste zunächst eine Reihe von Prüfungen bestehen, um überhaupt studieren zu können. Dirk Thole (Vorstandsmitglied der BTC Business Technology Consulting AG) bekräftigte Safiri in seinem Wunsch – seiner Erfahrung nach erziele man immer bessere Ergebnisse, wenn Leute aus mehreren Fachrichtungen an Planungen beteiligt werden. Auch seien Migrant/innen, die in ihren Lebensläufen Hürden überwinden mussten, vielfach motivierter. Ihr erschwerter Zugang zum Arbeitsmarkt sei ihm unverständlich und hier sah er auch Unternehmer/innen in der Pflicht. Wenn ein Bedarf an Fachkräften vorhanden sei, müsse man auch selbst Ausbildungsplätze schaffen und das Potenzial auch von Menschen zu schätzen lernen, die zu gesellschaftlich benachteiligten Gruppen gehören.

Zum Schluss beschrieb Katrin Trump (Institut für Diversity Management) in einem Vortrag die Vorteile von erfolgreichem Diversity-Management in Organisationen. Unternehmen, die schon früh auf Vielfalt im Personal gesetzt haben, seien insgesamt erfolgreicher und hätten ihre Kundenkreise schnell vergrößert, sowie steigenden Umsatz im Export verbucht.