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Etwa 20 Personen stehen im Gartensaal des Neuen Rathauses nebeneinander und blicken in die Kamera. In der Mitte des Bildes vor den abgebildeten Personen steht ein Redner/innenpult und vor dem Pult steht eine Bodenvase mit Blumen. © LHH

Vertreter/innen von Mitgliedsvereinen des MiSO-Netzwerkes Hannover

Jubiläum

Fünf Jahre MiSO-Netzwerk

Feier mit Podiumsdiskussion im Neuen Rathaus.

Das „MigrantInnenSelbstOrganisationen-Netzwerk Hannover e.V.“ (MiSO) – ein Zusammenschluss aus zahlreichen hannoverschen Migrantenorganisationen – feiert gegenwärtig fünfjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass luden die Landeshauptstadt Hannover (LHH) und MiSO am 27. November zu einem Festakt in den Gartensaal des Neuen Rathauses ein. Oberbürgermeister Stefan Schostok lobte in seiner Ansprache die Arbeit des Netzwerkes, das den hannoverschen Migrant/innen „eine starke Stimme gegeben“ habe. Die Veranstaltung passe gut zur Offenheit und Toleranz der Stadt, die stets um eine möglichst große Teilhabe aller Einwohner/innen bemüht sei. Auch Dr. Tatiana Czepurnyi, die aktuelle Vorsitzende des Netzwerkes, wies auf die lange Tradition der Einbeziehung in Hannover hin. Schon Gottfried Wilhelm Leibniz habe von den Einwohner/innen gefordert, nicht nur mit Fremden zu sprechen, sondern auch von ihnen zu lernen.

Es folgte eine Ehrung für Asghar Eslami, einen der Initiatoren des Netzwerkes. Die Laudatio hielt der Präsident des Afrikanischen Dachverbandes e.V. (ADV), Abayomi Bankole. Er blickte zurück auf die Entstehung des Netzwerkes während der Ausschreibung zur zweiten Förderungrunde des Gesellschaftsfonds Zusammenlebens. Eslami habe einen Verein nach dem anderen überzeugt, sich anzuschließen und damit den Grundstein gelegt für das MiSO-Netzwerk, das mittlerweile 29 Mitgliedsvereine umfasse. Nach der Laudatio kam Eslami selbst zu Wort. Im Scherz warf er Bankole vor, er habe „übertrieben“. Denn die Entstehung des Netzwerkes sei nicht allein seinen Verdienst. Sie sei das Ergebnis einer guten Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern gewesen. Und im übrigen haben sie alle die Motivation geteilt, den Lokalen Integrationsplan umsetzen zu wollen. Eslami bedankte sich bei seinen Mitgliedern und der Verwaltung für die langjährige Unterstützung. Abschließend gab er den Anwesenden zu bedenken, dass die eigentliche Arbeit erst jetzt anfange, denn die Flüchtlinge in Hannover sollen ausreichend unterstützt werden.

Danach hob Melanie Walter, Bereichsleiterin „Migration und Integration“ der LHH, in ihrer Rede den Gemeinwesenbezug der MiSO-Arbeit hervor und lobte, das Netzwerk habe die Beteiligungskultur in Hannover stark belebt. Walter dankte den MiSO-Mitgliedern für ihr Engagement und übergab das Wort an Panagiota Fyssa (MiSO-Netzwerk Hannover e.V.), die eine Einblick in die innere Organisation und die bisherigen Projekte des Netzwerkes gab.

Anschließend diskutierten die migrationspolitischen Sprecher/innen der vier größten Ratsfraktionen zusammen mit Vertreter/innen von Migrantenorganisationen über die politische und gesellschaftliche Teilhabe von Migrant/innen in Hannover. Die Runde wurde moderiert von Harald Grube. Dabei beklagten Bankole und Eslami, dass Verwaltung und Politik zwar gern auf die Organisationsstrukturen des MiSO-Netzwerkes zurückgriffen, sie jedoch vielfach übergingen, als es um Gelder für die konkreten Umsetzungen ginge.

Die Podiumsteilnehmer/innen waren sich darin einig, dass man im Bezug auf die akuelle Flüchtlingssituation noch viel verbessern könne – daran werde mit Hochdruck gearbeitet. Auch wenn die Ratsfraktionen bei einzelnen Aspekten verschiedene Positionen vertraten, blickten sie zufrieden auf das Diskussionsniveau im Stadtrat. Bis auf die beiden Mitglieder der einen rechten Fraktion im Rat relativiere niemand das Asylrecht, denn die menschenwürdige Unterbringung und Betreuung Asylsuchender sei ein Konsens, den auch die Oppositionsfraktionen mittrügen.

Auf die Diskussion folgten Redebeiträge von Asylsuchenden, die in Hannover leben. Sie berichteten von den Beweggründen ihrer Flucht, aber auch davon, wie sie Hannover erleben. Ein Geflüchteter aus dem Tschad berichtete, dass er wiederholt ohne Urteil oder Rechtsgrundlage eingesperrt worden sei, um ihn zum Kriegsdienst in der Armee zu zwingen. Nach einer Flucht unter großen Gefahren habe er sich in Deutschland erstmals in Sicherheit fühlen können. Gerade weil er in einigen Ländern, die er habe durchqueren müssen, anderes erlebt habe, sei er beeindruckt gewesen von der Offenheit und Hilfsbereitschaft in Hannover. Auch ein Neueinwanderer aus Syrien äußerte sich positiv über seine Stadt. Besonders habe ihn beeindruckt, dass die hannoverschen Einwohner/innen – entgegen seiner eigenen Befürchtungen – die Pariser Anschläge differenziert betrachten und sich nicht in sinnlose Verallgemeinerungen verliefen. Er sei stolz, Teil einer offenen Gesellschaft zu sein.

Beim Buffet zum Ende der Veranstaltung zeigte sich der Soziologe Prof. Dr. Hartmut Griese in einem Kurzinterview erfreut darüber, dass Hannover bei Fragen der Flüchtlingsunterbringung und -Betreuung vergleichsweise gut aufgestellt sei. „Damit kann sich Hannover bundesweit profilieren.“