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Personalentwicklung

Kita 2020 – ein voller Erfolg

Ein Gemeinschaftsprojekt mit ver.di zur Verbesserung der Berufssituation von Migrantinnen

Seit 2008 arbeitet die Stadt an der Umsetzung ihres Lokalen Integrationsplanes (LIP). Dessen Kerngedanke ist, möglichst allen Menschen in Hannover gleiche Chancen und Teilhabe zu ermöglichen. Dies ist ein wichtiges Vorhaben angesichts der kulturellen Vielfalt in Hannover, die sich auch in den Kindertagesstätten wiederspiegelt. Nicht nur hat jedes zweite Kindergartenkind einen Migrationshintergrund, sondern auch das Personal wird immer interkultureller.

Im Sinne der Chancengleichheit dürfte das eigentlich optimistisch stimmen, wäre da nicht dieses Gefälle bei den Aufstiegschancen und beim Einkommen. Im öffentlichen Dienst generell und auch in den städtischen Kitas sind Migrant/innen überdurchschnittlich oft in den unteren Entgelt­gruppen anzutreffen. Ein typischer Grund hierfür ist, dass selbst wenn sie hohe Qualifikationen und langjährige Berufserfahrung aus ihren Herkunftsländern mitbringen, ihre Zeugnisse vielfach in Deutschland nicht anerkennungsfähig sind. Dadurch bleibt ihnen kaum eine andere Wahl, als unqualifizierte Jobs am unteren Ende der Gehaltsskala anzunehmen.

Der Fachbereich „Jugend und Familie“ der Landeshauptstadt Hannover (LHH) wollte dies ändern und entwickelte im Jahre 2012 gemeinsam mit der Gewerkschaft ver.di das Personalentwicklungsprojekt „Kita 2020“. Als Teil dieses Gesamtprogramms werden 16 Migrantinnen, die in städtischen Kindertages­stätten arbeiten, berufsbegleitend zu Hauswirtschafterinnen qualifiziert – und erhalten damit langfristig Zugang zu besser bezahlten Erwerbstätigkeiten. Mit insgesamt zwei Millionen Euro für eine Laufzeit von drei Jahren wird das Projekt gefördert vom Europäischen Sozialfonds und vom Frauenförderplan der LHH.

Das Projekt wird betreut von Jürgen Hohmann, Personalrat des Fachbereichs „Jugend und Familie“, der von den Teilnehmerinnen auch schon mal liebevoll „Papa“ genannt wird. Er weist darauf hin, dass für die 16 Frauen im Projekt ein klassisches Ausbildungs­verhältnis gar nicht in Frage kam, weil sie finanziell auf das vollständige Einkommen ihrer derzeitigen Stellen angewiesen seien. Neben ihren beruflichen und den familiären Verpflichtungen hätten sie kaum Zeit für Fortbildungen übrig gehabt. „Kita 2020“ löst dieses Problem, indem die Projekt­teil­neh­merinnen ohne Einkommensverlust für die Ausbildungsstunden freigestellt werden und Ersatzarbeitskräfte aus dem Budget des Frauenförderplans bezahlt werden.

Die meisten Teilnehmerinnen sind als Küchenhilfen in Kitas eingestellt. Nach der Berufsausbildung können sie um zwei Entgeltgruppen aufsteigen und knapp 800 Euro mehr pro Monat verdienen. Doch vor ihrer Abschlussprüfung bei der Industrie- und Handelskammer im Dezember durchlaufen sie 350 Unterrichtseinheiten in Ernährungslehre, Pädagogik, Konfliktschlichtung und etlichem mehr, was zum Kita-Alltag dazugehört. Parallel dazu nehmen einige der Frauen an passgenauen Sprachförderungskursen teil, in denen sie auch muttersprachlich begleitet werden.

Im Laufe der Ausbildungszeit entwickelte sich die motivierte Teilnehmerinnengruppe des ersten Durchgangs zu einer eingeschworenen Gemeinschaft. Die Frauen unternehmen auch privat viel zusammen und unterstützen sich gegenseitig.

Die Hochschulabsolventin Olga Yudaeva aus St. Petersburg war Musiklehrerin und Chorleiterin und stand nach ihrer Einwanderung 1996 zunächst vor sprachlichen Schwierigkeiten. Diese konnte sie im Laufe der Zeit durch Abendkurse abbauen – aber ihre russischen Zeugnisse wurden hierzulande nicht anerkannt. Sie arbeitet zusammen mit ihrer türkischstämmigen Kollegin, Fatos Aktürk, in der Kita Brüder-Grimm-Weg in Ahlem, wo beide täglich das Essen der Kinder zubereiten und sich wortlos verstehen. Sie fühlen sich dort fast wie zu Hause und zeigten sich sehr zufrieden mit dem Arbeitsklima in der Kita und in den Arbeitsgruppen des Projekts.

Auch Nezahat Dinler und Gülacti Yildirim zeigten sich erfreut über die Chance, eine Berufsausbildung abzuschließen, ohne dass ihnen dadurch finanzielle Nachteile entstehen. Die beiden Mütter sind auf ihre Vollzeit-Stelle angewiesen, auch für sie käme eine „normale“ Ausbildung nicht in Frage.

Jürgen Hohmann lobte vor allem die interkulturellen Kompetenzen und die positiven Einflüsse der Migrantinnen auf die Kitas. Nicht zuletzt bekommen die Teilnehmerinnen durch ihre Statusverbesserung auch eine Vorbildfunktion gegenüber Kindern aus Familien mit traditionellen Rollenverteilungen – so hilft das Projekt etwas dabei, starre Geschlechterklischees zu überwinden.

Insgesamt bringt „Kita 2020“ für alle Beteiligten Gewinn. Die Effekte des Projekts kommen gleich auf mehreren Handlungsfeldern des Lokalen Integrationsplans positiv zu tragen – so ist auch die Stadtverwaltung in dessen Umsetzung ein gutes Stück vorangekommen.