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Siebzehn Personen stehen im Flur des Neuen Rathauses vor einer hohen Tür und schauen nach vorn. Zwei Männer in der Mitte halten das Pro-AGG-Siegel in gläsernem Rahmen hoch. © LHH

Pro-AGG: Diskotheken verpflichten sich zu diskriminierungsfreier Einlasspraxis.

Pressekonferenz

Pro-AGG-Siegel für Diskotheken

Stadt und Dehoga stellen gemeinsame Initiative für Diskotheken vor.

Die Landeshauptstadt Hannover (LHH) lud am 8. Oktober zur Pressekonferenz ein, in der sie das neue „Pro-AGG“-Siegel für Diskotheken vorstellte. Das Siegel beruht auf einer freiwilligen Selbstverpflichtung, Diskriminierungen an hannoverschen Diskotüren vorbeugend zu verhindern. Es wurde gemeinsam von der LHH und dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband e.V. Region Hannover (Dehoga) entwickelt. Der Titel „Pro-AGG“ bezieht sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Dieses Gesetz verbietet Benachteiligungen aufgrund der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion, des Alters, einer Behinderung oder der sexuellen Identität – dies gilt auch für den Besuch von Diskotheken. Leider wurden in der Vergangenheit immer wieder Fälle bekannt, in denen meist junge Männer aufgrund ihrer Herkunft an Diskotüren abgewiesen wurden.

Jugend- und Sozialdezernent Thomas Walter berichtete in der Pressekonferenz im Neuen Rathaus von einer konstruktiven Gesprächsatmosphäre mit dem Dehoga-Verband und dankte für das Engagement bei den gemeinsamen Bemühungen, Diskriminierungen in Hannover zu „ächten und zurückzudrängen“. Dass es an Disko-Eingängen zu rechtswidrigen Abweisungen komme, sei „kein typisch hannoversches Problem“, doch sei die Verwaltung der LHH sehr um eine Lösung bemüht. Durch die Selbstverpflichtung der Diskotheken solle schon im Vorfeld verhindert werden, dass Diskriminierungen überhaupt entstehen.

Denn wer das Qualitätssiegel tragen möchte, muss zunächst an einer Schulung über das AGG teilnehmen und sein Sicherheitspersonal entsprechend unterweisen. Bei diesen von LHH und Dehoga gemeinsam organisierten Schulungen werden Vertreter/innen des Dehoga, des Berliner Büro zu Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. und eines hiesigen Security-Unternehmens die einschlägigen Schutzbestimmungen des AGGs für den Diskothekenalltag erklären. Außerdem müssen die Träger/innen Flyer in ihren Eingangsbereichen auslegen, in denen zulässige und unzulässige Abweisungsgründe aufgelistet sind. Gäste, die sich zu Unrecht abgewiesen fühlen, werden in dem Flyer per QR-Code zu weiterführenden Informationen und Anlaufstellen geführt, die die Beschwerde prüfen und die Betroffenen beraten.

Vertreter/innen von acht hannoversche Diskotheken nahmen an dem Pressetermin teil und erklärten ihr Interesse an dem Siegel, weil auch sie eine diskriminierungsfreie Türpolitik wollen. Dies waren im Einzelnen:

  • Agostea
  • Capitol
  • DAX Bierbörse
  • Funpark
  • Zaza
  • Havana - Havana-Club & Cocktail-Bar
  • Osho
  • Weidendamm

Auch die Dehoga habe ein großes Interesse daran, dass seine Mitglieder diese Selbstverpflichtung ernst nehmen, wie Christian Stöver (Vorsitzender der Dehoga-Fachgruppe „Gaststätten“) zusicherte. Er äußerte sich erfreut darüber, dass seine Mitglieder nun die Möglichkeit bekommen, nach außen deutlich zu machen, dass sie eine AGG-konforme Türpolitik betreiben und den Gleichbehandlungsgedanken dahinter verstehen und teilen.

Die Initiative für das Pro-AGG-Siegel ist einer von vielen Schritten, die die LHH bisher gegen Diskriminierungen an Diskotüren unternommen hat. Dabei sind die gesetzlichen Instrumente der Kommune begrenzt. Das AGG ist dem Zivilrecht zuzuordnen und deshalb können nur die einzelnen Betroffenen selbst Klage erheben, falls außergerichtliche Lösungen zum Beispiel mit Hilfe der Antidiskriminierungsstelle nicht zum Erfolg führen.

Das Siegel ist ein Teil der vielschichtiger Bemühungen der LHH, einen langjährigen Missstand im hannoverschen Nachtleben zu beseitigen, der den Ansprüchen einer weltoffenen und möglichst diskriminierungsfreien Stadtgesellschaft entgegensteht. Die Teilnahme des Fachverbands Dehoga und so vieler Diskotheken an der Initiative zeigt, dass die LHH hier nicht allein steht.

Nachstehend finden Sie den Link zur offiziellen Pressemeldung und den Pro-AGG-Flyer zum Download: