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Siebte Sitzung des Integrationsrates

Integrationsrat am 10. Februar 2011 © LHH

Prof. Dr. Uslucan während seines Vortrags.

Zum ersten Mal im neuen Jahr und zum insgesamt siebten Mal in seiner Geschichte kam der Integrationsrat Hannover am 10. Februar 2011 im Hodlersaal des Neuen Rathauses zusammen. Unter der Leitung von Oberbürgermeister Stephan Weil stand dieses Mal das Thema „Jugend & Gewalt“ im Mittelpunkt der Sitzung.

Zu diesem Schwerpunkt waren drei Gastreferenten anwesend: Prof. Dr. Haci Halil Uslucan von der Universität Duisburg-Essen, der dort als Professor für Moderne Türkeistudien und Integrationsforschung arbeitet, Mario Jansen, Schulsozialarbeiter der IGS Kronsberg, sowie Dirk Fricke, Jugendbildungs-Koordinator für die Stadtbezirke Ricklingen und Badenstedt-Davenstedt-Ahlem.

Eröffnet wurde die Sitzung durch Prof. Dr. Uslucan, der in seinem Vortrag „Soziale Integration und jugendliche Gewalt: Risiken und Ressourcen im Aufwachsen von Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte“ die Ergebnisse verschiedener Studien zu Jugendgewalt und deren Hintergründen vorstellte. Prof. Uslucan plädierte dafür, deutlich zwischen jugendlicher Gewalt als massenhaftem Übergangsphänomen der Adoleszenz und der sehr viel selteneren Form als Einstieg in eine lebenslange Karriere von Gewalt und Kriminalität zu unterscheiden. Er wies außerdem darauf hin, dass die Ursprünge von Gewalt oft bereits in der frühen Kindheit liegen und im Zusammenhang mit der sozialen Situation sowie der kulturellen Identität der Eltern stehen. Die populäre These von einer generellen kulturellen Zerrissenheit bei Jugendlichen aufgrund ihres Migrationshintergrundes lehnte Prof. Uslucan hingegen entschieden ab. Da der Referent freundlicherweise einen kompletten Aufsatz mit seinen Thesen zur Veröffentlichung auf hannover.de freigegeben hat, finden Sie am Ende dieser Seite einen entsprechenden Download-Link.

Im Anschluss präsentierte Herr Jansen von der IGS Kronsberg die Sicht eines erfahrenen Schulsozialarbeiters auf die Problematik „Gewalt in der Schule“. Neben der Vorstellung von unterschiedlichen Ursachen für Jugendgewalt zeigte er auch mögliche Lösungswege auf: Insbesondere durch eine stärkere Einbindung der Eltern könne besser auf gewalttätige Tendenzen reagiert werden. Keinen Zweifel ließ Herr Jansen daran, dass dringend mehr Schulsozialarbeiter/innen benötigt werden, wofür es lebhafte Zustimmung aus den Reihen der Integrationsratsmitglieder gab.

Als letzter Vortragender kam Dirk Fricke vom Fachbereich Jugend und Familie an die Reihe, der in gerafften Zügen darlegte, was die Stadt für Gewaltprävention im Jugendbereich alles tut. Unter anderem stellte er in diesem Rahmen diverse Sportangebote für Jugendliche vor, die bereits seit geraumer Zeit sehr erfolgreich laufen, wie z.B. den „Mitternachtssport“. Zudem präsentierte er einzelne Projekte, die im Zusammenhang mit dem Stadtsanierungsprogramm „Soziale Stadt“ finanziert werden, so zum Beispiel die Kampagne „Starkes Hainholz“.

In einer anschließenden Diskussionsrunde nutzen die Mitglieder des Integrationsrats die Chance, den drei Experten ihre Fragen zu stellen. Am Ende dieser Runde übernahm es OB Weil, ein Fazit zu ziehen: Auch wenn das Thema Jugend und Gewalt letztlich „uferlos“ sei und es eine „spürbare Diskrepanz zwischen den Erkenntnissen, was für unsere Gesellschaft gut ist, und den Schlussfolgerungen daraus“ gebe, so sei doch eine eben so „spürbare Entwicklung zur Prävention“ bemerkbar.

Das nächste Thema der Tagesordnung war der Entwurf zum Zweiten Integrationsmonitoringbericht der Landeshauptstadt Hannover. Aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit griff Dr. Günter Max Behrendt von der Stabsstelle „Integration, Politik und Verbände“ in seiner Präsentation nur wenige Aspekte heraus, die er beispielhaft detailliert erklärte. Sobald der Integrationsmonitoringbericht fertiggestellt ist, werden Sie ihn auch auf diesen Seiten finden.

Melanie Walter, die Leiterin der Stabsstelle, kündigte anschließend das zweite hannoversche Integrationsforum an, das am 6. Mai im Freizeitheim Vahrenwald stattfinden wird. Das Forum setzt auf die Beteiligung der Stadtgesellschaft und soll u.a. die Umsetzung des Lokalen Integrationsplans thematisieren sowie die Frage beantworten, wo Hannover in der Integrationsdebatte steht. Das erste hannoversche Integrationsforum hatte gegen Ende der Erstellungsphase des Lokalen Integrationsplanes im Herbst 2007 stattgefunden.

Zum Abschluss der Sitzung präsentierte Hildegrad Struchholz vom Fachbereich Recht und Ordnung die neue Einbürgungskampagne der Stadt, zu der u.a. der Film „Kartoffel werden“ gehört, der an dieser Stelle online abrufbar ist.

Sachgebiet Integration

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