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150 Personen sitzen in Stuhlreihen in einem gut gefüllten Festsaal und hören einer Rednerin zu, die nicht im Bild zu sehen ist. Einige Personen klatschen soeben. © LHH

Volles Haus im Mosaiksaal, der Saal war bis zur letzten Reihe besetzt.

Auszeichnung

Zweiter Integrationspreis des GFZ

Am 2.12. fand die Auszeichnung für ziviles Engagement für Integration im Rathaus statt.

Großer Festakt im Mosaiksaal: Über 150 ehrenamtlich Engagierte mit zahlreichen Kindern kamen zur Verleihung des Zweiten GFZ-Integrationspreises am 2.12. ins Neue Rathaus. Der Saal war bis zur letzten Reihe gefüllt, etliche mussten stehen. Mit Spannung wurde die Verkündung der Preisträger/innen erwartet. Diese waren von der vierköpfigen Jury des „Gesellschaftsfonds Zusammenleben“ ausgewählt worden. Die Ausschreibung des Preises trug bekanntlich den Titel „Fünf Jahre des Lokalen Integrationsplans. Unser Beitrag zur Integration in Hannover“. Durch die mit 1.000 bzw. 1.500 Euro dotierten Preise wurden daher Ehrenamtliche ausgezeichnet, die in besonderer Weise zur Umsetzung des Lokalen Integrationsplans (LIP) beigetragen haben. 

Oberbürgermeister Stefan Schostok lobte in seinen einführenden Worten das intensive Engagement für Integration in der hannoverschen Stadtgesellschaft. Gerade bei zivilem Engagement sei Hannover etlichen anderen Städten um Längen voraus, wodurch eine insgesamt konstruktive Stimmung geschaffen werde. Dies gefalle zwar einzelnen Gruppierungen nicht, doch werde der Spielraum für Rassist/innen und all jene, die das friedliche interkulturelle Zusammenleben verhindern wollten, immer kleiner. Als Oberbürgermeister werde er offensiv gegen diejenigen vorgehen, die die Unterschiede zwischen den Menschen für Abwertungen missbrauchten. Auch wenn die Stadt sich allerdings große Fortschritte auf die Fahne schreiben dürfe, müsse in Sachen Willkommens- und Anerkennungskultur noch einiges passieren. In seiner Politik wolle er etwa einen Schwerpunkt darauf setzen, dass Menschen mit Migrationshintergrund gleichberechtigten Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten.

Dann kam die Kuratorin der GFZ-Jury, Dr. Koralia Sekler, ans Rednerpult. Sie blickte in ihrer Rede zunächst auf die Entstehung des LIP und die vorhergehenden Ideenwettbewerbe des „Gesellschaftsfonds Zusammenleben“ zurück. Dieser sei „ein gemeinsames Werk von hunderten Bürgerinnen und Bürgern“, die sich aktiv und auch kritisch an seiner Gestaltung beteiligt haben. Anschließend verkündete Dr. Sekler die Namen der Preisträger/innen in den einzelnen ausgelobten Kategorien. Zunächst wurden vier Projekte ausgezeichnet.

  • In den Bereichen „Soziales“, „Bildung“ und „Stadtleben“ gewann die Einrichtung „AWO Kindertagesstätte & Familienzentrum“ in der Schweriner Straße. In dieser Kita werde mit 150 Kindern aus 22 Ländern Interkulturalität täglich gelebt. Neben der Kinderbetreuung biete die Einrichtung zusätzliche Bildungsveranstaltungen für die Eltern an – so sei auch das bekannte Sprachförderungsprojekt „Rucksack“ eingebunden worden. Den Preis nahm Birgit von Dulak-Teichert entgegen.
  • Das Projekt „Face Your Culture - Generation Transkulturell“ der Kulturwissenschaftlerin Parisa Hussein-Nejad wurde in den Bereichen „Soziales“ und „Demokratie“ prämiert. Bei Face Your Culture setzen sich Jugendliche aktiv mit der interkulturellen Wirklichkeit auseinander und erarbeiten sich so einen selbstkritischen Zugang zur gesellschaftlichen Partizipation. In dem Projekt sei eine gute Balance zwischen Theorie und Praxis erreicht worden, indem die Teilnehmer/innen ihr theoretisches Wissen auch kreativ durch Theater, Poetry-Slam und Fotografie ausdrücken konnten.
  • Auch das „Internationale Kammertheaterfestival MOST“ – vertreten durch Dr. Tatiana Czepurnyi – erhielt im Bereich „Stadtleben“ einen Preis für das Engagement gegen Antisemitismus und Diskriminierung. In dem mehrsprachig angelegten Projekt sei die politische Teilhabe von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund erfolgreich gefördert worden.
  • Vierter Projektpreisträger wurde „ALBuM“ mit einem Projekt zur berufsbezogenen Sprachförderung. Darin werden 50 branchenspezifische Deutschkurse angeboten, in denen die jeweiligen Fachsprache erlernt und geübt werden könne. ALBuM konnte die Jury in den Kategorien „Wirtschaft“ und „Bildung“ überzeugen, denn die Kurse erleichterten Nicht-Muttersprachler/innen den Zugang zum Arbeitsmarkt, zugleich konnten auch hilfreiche Kontakte geknüpft werden. Den Preis nahm Christina Bötel entgegen.

Nach der feierlichen Übergabe an die ausgezeichneten Projekte animierte die Gruppe „die improkokken“ die Gäste mit Improvisationstheater zur aktiven Beteiligung. Die Gäste schrieben Sätze auf Zettel, die die Schauspieler/innen spontan in ebenfalls durchs Publikum vorgegeben Settings umsetzten. Dabei entstanden heitere Szenen wie: „Dein Chef hat bei mir angerufen!“ – „Was hat er gesagt?“ Der Protagonist musste sich nun an die Vorgabe des Publikums halten und antworten: „Wann kommt endlich das kommunale Wahlrecht für Ausländer?“ – „Das hat mein Chef gesagt???!“

Nach dieser humorvollen Darbietung wurde in einer zweiten Runde das Engagement von sieben Einzelpersonen mit Preisen ausgezeichnet, die in der Regel mit 1.000 Euro dotiert waren.

  • Simin Nassiri und Yildiz Demirer erhielten einen Preis für  ihre Unterstützung von Migrant/innen , die von Zwangsheirat, psychischer und physischer Gewalt betroffen sind. Sie helfen den Opfern dabei, ein selbstbestimmtes Leben fern ihrer Peiniger/innen aufzubauen.
  • Werner Hohlbein wurde für seinen seit 10 Jahren unermüdlichen Einsatz gegen Antisemitismus und Religionsfanatismus gewürdigt.
  • Dr. Liliana Dubovaya erhielt einen Preis für ihr ehrenamtliches Bemühen um die Integration begabter und bedürftiger Kinder.
  • Ausgezeichnet wurde auch Dang Chau Lam, der sich seit 44 Jahren im hannoverschen Stadtleben engagiert u. a. als Mitbegründer der hiesigen buddhistischen Pagode Viên Giác und des Vietnamzentrums.
  • Großen Applaus bekam schließlich auch Hülya Feise, die sich mit internationalen Kontakten auf mehreren Ebenen für die interkulturelle Öffnung von Organisationen einsetzt.
  • Einen Sonderpreis für ihr Engagement in kulturellen Projekten und für das Vernetzen, Organisieren und Motivieren der bürgerschaftlich Engagierten in der Stadt erhielt Dr. Czepurnyi, die bereits den Preis für das Theaterfestival MOST entgegen genommen hatte. 

Nach den Preisverleihungen spielten Grzegorz Krawczak und Anastasiya Shkindzerav zwei Stücke mit Cello und Akkordeon. Anschließend ließen die Teilnehmer/innen die Veranstaltung mit Gesprächen beim Buffet ausklingen. Hussein-Nejad zeigte sich in einem Kurzinterview erfreut über ihre Auszeichnung. Wer in den Kategorien „wir“ und „die“ denke, der solle zunächst seine eigene Gedankenwelt hinterfragen. Dass dieser reflektive Ansatz ihres Projektes Anerkennung fand, habe sie sehr gefreut.

Am Ende des Abends stand die Erkenntnis, dass Ehrenamtliche mit ihrer wichtige Basisarbeit vor Ort zur gelingenden Integration viel beitragen, aber oft auch mit knappen Mitteln auskommen müssen. Mit den Preisgeldern und vielleicht auch einigen neu geknüpfte Kontakten mag nun manches Vorhaben etwas leichter gehen.

Sachgebiet Integration

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