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ALBuM: An-Erkennen - Wir sehen mehr

Seit dem 1. April 2012 gilt für die Anerkennung ausländischer Abschlüsse in Deutschland endlich ein neues Gesetz, das „Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz“, das vieles erleichtert. Mit der Veranstaltung „An-Erkennen – Wir sehen mehr“ am 15. Mai 2012 wollte der Projektverbund ALBuM Möglichkeiten, aber auch Grenzen dieses Gesetz ausloten..

An den Anfang stellten die Veranstalter eine persönliche Frage „Was ist für mich Anerkennung?“ Vier Frauen schilderten ihre individuellen Erfahrungen, wann und wodurch sie erstmalig Anerkennung spürten. Soziale Anerkennung erfuhr die eine, als sie dafür kämpfte, dass ein Jugendtreff an einem Tag in der Woche nur für Mädchen und Frauen geöffnet wird, und dieses Ziel dauerhaft erreicht wurde. Eine andere erfuhr Anerkennung durch den Erwerb der deutschen Sprache, wieder eine andere durch ihr eigenes Engagement. Durch diese persönlichen Zeugnisse wurde deutlich, dass Anerkennung auf mannigfache Weise stattfindet und viele Bedeutungsfacetten haben kann.

Das neue Gesetz regelt so gesehen einen vergleichsweise kleinen Ausschnitt, indem es Menschen, die in ihren Herkunftsländern einen Abschluss erworben haben, einen Rechtsanspruch auf eine Prüfung dieses Abschlusses innerhalb einer festen Frist gewährt. Geprüft wird dabei auf eine Gleichwertigkeit mit den in Deutschland geltenden Ausbildungsordnungen. In der Praxis sind noch sehr viele Fragen offen.

Der weitere Verlauf der Veranstaltung wurde deshalb als „World-Café“ organisiert. Was bedeutet, dass die Teilnehmer/innen in vier Kleingruppen verteilt mit Experten nach einander über die folgende Themen sprachen: Mehr¬sprachigkeit, Schlüsselqualifikationen, Engagement und Berufsabschlüsse. An allen Tischen wurde sehr lebhaft diskutiert. Hier einige Eindrücke:

Zum Thema „Mehrsprachigkeit“ überwog die Meinung, dass durch einen Verlust der Mehrsprachigkeit zugleich auch interkulturelle und soziale Kompetenzen verloren gingen. Man müsse daher die unterschiedlichen Sprachen als gleichwertig anerkennen und werten. Gerade die gesellschaftliche Anerkennung fehle allerdings noch.

Am Tisch „Schlüsselqualifikationen“ bestand mehrheitlich Einverständnis darüber, dass nicht nur die formalen, sondern auch die nicht-formalen Schlüsselqualifikationen wichtig seien. Viele Eingewanderte hätten keinen dokumentierten Abschluss, verfügten aber über hervorragende soziale und interkulturelle Kompetenzen. Deshalb sollten die nicht-formalen Qualifikationen mehr in den Fokus gestellt werden. In diesem Zusammenhang gab es auch viel Zustimmung zum Verfahren der anonymisierten Bewerbung.

Beim Thema „Engagement“ vertraten etliche Teilnehmer/innen die Meinung, dass das eigene Engagement der wichtigste Faktor sei, um Anerkennung zu erfahren. Durch Engagement täten sich oft neue Perspektiven auf, die einem zu Wertschätzung von Anderen verhelfen könnten.

Und schließlich am Tisch „Berufsabschlüsse“ ging es darum, wie das Prüfverfahren konkret verläuft. Anlaufstelle für die Prüfung der Berufsabschlüsse ist in Hannover die Industrie- und Handelskammer. Interessant war, dass im Fall fehlender Dokumente wie z.B. Zeugnisse auch ein geeignetes Kompetenzfeststellungsverfahren durchgeführt werden kann.

Den Abschluss der Veranstaltung setzten Mitglieder des ALBuM-Verbundes, indem sie ein breites Kaleidoskop entwarfen – von finanzieller Unterstützung und zielgerichteter Nachqualifizierung bis hin zur interkulturellen Öffnung des ganzen Bildungssystems –, was Anerkennen aus ihrer Sicht alles beinhalten sollte. Als gemeinsame Erkenntnis nahmen die die meisten Teilnehmer/innen sicherlich mit, dass es wichtig es, auch ein zweites Mal „hinzusehen“.