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In Hannover zuhause

Deutsch-Polnische Begegnungen 2013

800 Gäste im Neuen Rathaus bei interkulturellem Tag.

In Hannover leben über 18.000 polnischstämmige Menschen. Deren politische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung wollte die LHH im Rahmen der Reihe „In Hannover zuhause“ aufgreifen und lud die Stadtgesellschaft zu „Deutsch-Polnischen Begegnungen – Razem budować przyszlość“ ins Neue Rathaus ein.

Begrüßung

Bürgermeister Bernd Strauch erinnerte in seiner Begrüßungsrede im vollen Hodlersaal an das polnische Sprichwort „Kropla do kropli i będzie morze – Tropfen für Tropfen formt sich das Meer“, denn so ließe sich die polnischstämmige hannoversche Community passend beschreiben. Er dankte ihr mit „dziękuję“ für ihre nach Hannover gebrachte Lebendigkeit und ihren großen Beitrag zur kulturellen Vielfalt. Dabei lobte er auch die polnische Filmkunst, deren Niveau und Potenzial hierzulande ruhig bekannter werden könnten.

Dr. Heinrich Wilhelm Klopp, Leiter des Europäischen Informations-Zentrums in Niedersachsen, und der polnische Generalkonsul Andrzej Osiak dankten in ihren anschließenden Reden der Landeshauptstadt Hannover für ihr Engagement für die polnische Community in Hannover. Generalkonsul Osiak, der verschmitzt anmerkte, dass er sich im Neuen Rathaus mit einem polnisch sprechenden Bürgermeister schon ganz heimisch fühle, bewertete die reiche Präsenz polnisch-deutscher Organisationen als Bestätigung dafür, dass die Zusammenarbeit in Hannover gut funktioniere. Neu ankommende Polen/innen fühlten sich auch deshalb in Hannover willkommen.

Im Info-Forum im Gang rund um die große Rathaushalle konnten sich die Gäste bei knapp 30 Ständen von Organisationen mit Bezug zu Polen über deren Arbeit und geplante Veranstaltungen informieren. Ob Kunst- oder Sportfan, politisch oder kulturell interessiert – für jeden war etwas dabei. Doch längst nicht alle wollten sich nur durchs volle Rathaus schieben und kulinarische Köstlichkeiten bei Cello und Akkordeon probieren. Sie waren wegen der vielfältigen weiteren Veranstaltungsangebote da.

Polnisch für Anfänger

Wer sich schon immer fragte, wie man Namen in polnischer Schreibweise korrekt ausspricht, oder einfach nur in die Sprache hineinschnuppern wollte, war im Raum Leipzig richtig. Anna Hartmann brachte den Teilnehmer/innen nicht nur nützliche Sätze auf Polnisch bei, sie führte auch in die Phonetik und Grammatik ein.

Typisch deutsch? Typisch polnisch?

Die interkulturelle Trainerin Angnieszka Foit schulte die interkulturelle Kompetenz der Teilnehmer/innen ihres Workshops „Typisch deutsch? Typisch polnisch?“. Sie erklärte, wie „kulturelle Brillen“ die Weltsicht prägten und – wenn dies nicht reflektiert werde – man Gefahr laufe, ethnozentristische Auf- und Abwertungen von „anderen“ Kulturen vorzunehmen. Kulturelle Vorstellungen unterlägen einem ständigen Wandel und Erscheinungsbilder wie Verhaltensweisen, die manche als „typisch“ einordnen würden, hätten sich allein in den letzten Dekaden mehrfach verändert. Auch der kontinuierliche Austausch der deutschen und polnischen Kultur habe beiderseits zu Veränderungen und Annäherungen in vielen Bereichen geführt.

Fußball, Sportkarrieren und Orte der Emotionen

Im Hodlersaal drehte sich alles um Fußball. Bei einem Podiumsgespräch diskutierten Władysław Kozakiewicz, polnischer Olympiasieger und Edward Kowalczuk, Konditions- und Reha-Trainer von Hannover 96 unter der Moderation von Daniel Wunderer von der Kreisau-Initiative e.V. über Sportkarrieren unter verschiedenen politischen Rahmenbedingungen. Die Teilnehmer stimmten darin überein, dass Fußball gerade seit der Nachkriegszeit eine besondere Bedeutung für Integration und Völkerverständigung habe, aber für Athlet/innen und Trainer/innen auch immer mit politisch bedingten Hindernissen verbunden war. Kozakiewicz erinnerte daran, dass auch Sportler/innen, die weniger populären Disziplinen wie zum Beispiel Leichtathletik nachgingen, bei Integrationsbemühungen nicht aus dem Fokus geraten dürften.

Nach dem Podiumsgespräch nahm der Fußballforscher und Chefredakteur des Schlesischen Wochenblatts, Till Scholtz-Knobloch die Zuhörer/innen mit auf eine Reise zwischen Vergangenheit und Gegenwart bei Örtlichkeiten des sportlichen Ruhmes. Politische Veränderungen haben auch in Breslau die Fußball- und Stadiongeschichten mitgeschrieben und diese veranschaulichte der Referent mit Fotos von Stadien und Spielen aus verschiedenen historischen Epochen. Stadien, die einst Symbole identitätsprägender Siege und Niederlagen waren, sind heute vom vollständigen Zerfall bedroht.

Anna Nova und Band – Live

Die Künstlerin Anna Nova faszinierte bei ihrem Live-Auftritt im Kuppelsaal die Menge. Sie setzte sich in ihren Texten mit ihrer eigenen Migrationsgeschichte auseinander und bewies nicht nur bei ihrem deutsch-polnischen Lieblings-Tango „Ich bereue nichts“ – begleitet durch Keyboard und E-Violine – künstlerische Tiefe. Ihre Band bot den Zuschauer/innen mit ihrer genreübergreifenden „Nujazz“-Musik ein passendes Finale zu einem gelungenen interkulturellen Tag im Neuen Rathaus.

Sachgebiet Integration

In Hannover zuhause © LHH