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Schule in der Einwanderungsgesellschaft

Das fünfte Plenum des MigrantenElternNetzwerks (MEN) fand im Neuen Rathaus statt.

Am 10. Februar fand das nunmehr fünfte Forum des niedersachsenweiten MigrantenElternNetzwerks (MEN) in Kooperation mit dem Sachgebiet Integration im Hodlersaal des Neuen Rathauses statt. Thema der Diskussion war dieses Mal „Schule in der Einwanderungsgesellschaft“. MEN-Koordinatorin Beate Seusing (AMFN e.V.) begrüßte die Anwesenden und berichtete vom bisherigen Engagement des Netzwerkes. Ihrer Einschätzung nach werden in den Bildungseinrichtungen Schüler/innen mit Migrationshintergrund vielfach anders behandelt als einheimische Schüler/innen und auch der Unterricht sei überwiegend für Muttersprachler/innen konzipiert – hier bestehe noch großer Entwicklungsbedarf.

Danach referierte die Hamburger Dozentin Prof. Dr. Ursula Neumann über das Thema des Abends und begann mit einem Problemaufriss. Auch weil Einwanderung noch nicht überall in Deutschland als etwas „normales“, oder etwas bereicherndes gesehen werde, würden zum Beispiel hochqualifizierte türkischstämmige Menschen eher aus Deutschland auswandern statt ein, um Diskriminierungen zu entgehen. Ohne Einwanderer jedoch wären die Renten der kommenden Generationen nicht finanzierbar – die rückläufigen Geburtenraten führen erwiesenermaßen zur Prognose, dass künftig eine steigende Anzahl von Rentner/innen immer weniger Erwerbstätigen gegenübersteht. Gegen dieses demografische Problem, müsse man sich mit mehr Einwanderung wappnen und diese auch im Bildungssystem berücksichtigen. Das sei in Niedersachsen noch nicht ausreichend der Fall.

Schon das viergliedrige Schulsystem in Niedersachsen stünde aktuellen Forschungen aus Berlin entgegen, durch die belegt sei, dass eine höhere Heterogenität der Schüler/innen zu besseren Bildungsergebnissen führe, als dies bei segregierenden Schulen der Fall sei. Schulen, die einer Einwanderungsgesellschaft gerecht werden wollen, sollten ihre Lehrer/innen dahingehend qualifizieren, dass die Vermittlung der deutschen Sprache als Querschnittsthema gilt. Die Dozentin appellierte an die Anwesenden, sich Elterngremien anzuschließen und Konzepte zur Weiterentwicklung des Unterrichts zu entwickeln.

In der anschließenden Diskussion konnte eine Lehrerin der BBS6 die Skepsis der Referentin bezüglich niedersächsischer Schulen nicht teilen. An ihrer Schule gebe es zehn Sprachförderklassen und die Schüler/innen fühlten sich abgeholt. Neumann wies daraufhin auf die Besonderheiten von berufsbildenden Schulen hin. Gerade frisch eingewanderte Schüler/innen mit eigener Migrationsgeschichte hegen vielfach den Wunsch, schnell Geld zu verdienen und seien an Berufsschulen häufig überrepräsentiert. Selbst dann könne es sein, dass sie unter ihren Möglichkeiten blieben. Ein weiterer Lehrer berichtete von seinen eigenen Erfahrungen, Schüler/innen dazu zu bringen, ihr Potenzial auszuschöpfen. Er selbst stamme aus Afghanistan und dadurch wurde er für die ebenfalls aus Afghanistan stammenden Schüler/innen seiner Schule unbeabsichtigt zum Vorbild, obwohl er sie nicht einmal selber unterrichtet hat. Denn, so der Gedanke, wenn er es zum Lehrer geschafft habe, könnten auch sie es schaffen. Mit diesem Beispiel begründete er seine Forderung nach mehr Lehrern mit Migrationshintergrund.

Abschließend riet Neumann davon ab, einen „Katastrophendiskurs“ zu führen, oder sich von Rückschlägen entmutigen zu lassen. Die Bildungskultur ließe sich nicht von heute auf morgen reformieren – daher sei jeder Schritt in die richtige Richtung und das das Engagement des MEN wertvoll.