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Ramadanempfang 2013

Empfang für Muslime

Bürgermeister Bernd Strauch lud nach Abschluss des Ramadan Muslime ins Rathaus ein.

Circa zehn Personen während der Rede von Bürgermeister Bernd Strauch. © LHH

Blick auf die Gäste während der Rede von Bürgermeister Bernd Strauch

Für den ehemaligen Oberbürgermeister Stephan Weil waren die festlichen Empfänge im Mosaiksaal des Neuen Rathauses zum Ende des islamischen Fastenmonats Chefsache. Doch auch ohne Oberbürgermeister setzte die Landeshauptstadt die bewährte Tradition fort.

Bürgermeister Bernd Strauch lud am 16. August die Vertreter/innen aller muslimischen Organisationen der Stadt nach Abschluss des Ramadans zu einem Ehrenempfang im Neuen Rathaus ein.

Zu den über 40 muslimischen Vertreter/innen gesellten sich Gäste aus den Ratsfraktionen sowie Vertreter/innen anderer Religionen.

Bürgermeister Bernd Strauch hielt die Eröffnungsrede

In seiner Eröffnungsrede erinnerte sich Strauch an seine Zeit als Lehrer, in der er viele Erfahrungen mit muslimischen Schüler/innen gesammelt hatte. Damals wie heute sei ihm wichtig, dass sich alle Menschen, egal welcher Kultur und Religion sie angehören, respektiert und ernst genommen fühlen.

Gerade im 21. Jahrhundert sei es unerträglich, dass noch immer Menschen aufgrund ihres kulturellen oder ethnischen Hintergrundes oder Aussehens beleidigt, diskriminiert, oder wie im Falle der Nazi-Terrororganisation NSU, sogar ermordet werden. So "antastbar und brüchig" die Demokratie auch sein möge, habe sie sich seit der Nachkriegszeit bewährt und das friedliche Miteinander ermöglicht.

Auch deshalb sei es wichtig, gemeinsam zum Grundgesetz, dem Fundament der demokratischen Kultur in Deutschland zu stehen und es gegen totalitäre Weltanschauungen zu verteidigen. Strauch übergab dann das Wort an den Imam der bosnischen Gemeinde in Hannover, Aldin Kusur, der in diesem Jahr für die muslimischen Gäste sprach.

Imam Aldin Kusur aus der bosnischen Gemeinde beleuchtete Geschichte und Gegenwart

Kusur begann seine Rede mit der Bitte um eine Schweigeminute für die Opfer von mörderischen Konflikten weltweit. Anschließend führte er kurz in die Geschichte der Bosniaken und deren jahrhundertelange friedliche Koexistenz mit ihren christlichen Nachbarn ein.

Er zeigte sich betroffen darüber, dass sich im Bosnienkrieg 1992 bis 1995 die Konflikte derart zuspitzen konnten, dass es zu Massenmorden an Zivilsten kam, denen allein in Srebrenica über 8.000 Bosniaken zum Opfer fielen.

Damit sich derartige Grausamkeiten niemals wiederholen, sei es wichtig, dass Menschen verschiedener Kulturen und Religionen mehr miteinander statt übereinander redeten. Ein großes gesellschaftliches Problem sah Kusur darin, dass viele Menschen ihren Blick lieber auf Unterschiede als auf Gemeinsamkeiten richteten. Wichtig sei es, sich besser kennenzulernen, denn nur so könne man Probleme und Hemmnisse in der interkulturellen Wirklichkeit abbauen.

Kritische Worte gingen in Richtung der Medien, da diese durch ihre Berichterstattung vielfach ein verzerrtes Bild von Muslimen zeichneten. Auch wenn es noch immer gravierende Probleme in der multikulturellen Gesellschaft gebe, habe sich auch in Hannover vieles zum Positiven entwickelt.

Ein gutes Miteinander

Kusur lobte die Bemühungen und Fortschritte der Stadt, die sehr viel für ihre muslimische Community getan habe. Abschließend äußerte er die Hoffnung, dass der nächste Oberbürgermeister das gute Verhältnis zwischen Muslimen und Stadtverwaltung fortsetzen werde.

Nach den Reden eröffnete Bürgermeister Strauch das Buffet und mischte sich unter die Gäste. Bei einigen leckeren Kleinigkeiten nutzten viele Gäste die Gelegenheit, sich mit den anwesenden Politiker/innen der Ratsfraktionen und untereinander auszutauschen.

Die gut gelaunten Gäste schienen sich Kusurs Ansatz mit dem "besser Kennenlernen" zu Herzen genommen zu haben, denn sie blieben noch gut zwei Stunden, in denen sie alte Bekanntschaften pflegten und neue schlossen.