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Ramadanempfang 2010

Viel Lob, aber auch mahnende Worte

Am 12. September war Hamideh Mohagheghi von der Muslimischen Akademie in Deutschland zu Gast im Neuen Rathaus.

Bilder vom Ramadan-Empfang 2010 © LHH

Frau Mohagheghi während ihres Vortrags im Mosaiksaal

Es ist mittlerweile zu einer festen Einrichtung geworden: Nach Abschluss des islamischen Fastenmonats Ramadan werden sämtliche muslimischen Gemeinden und Organisationen in Hannover ins Ratshaus zu einem Empfang eingeladen, an dem auch Vertreter/innen der Verwaltung, des Rats und anderer Religionsgemeinschaften teilnehmen.

Auch im Jahr 2010 wurde diese Tradition natürlich fortgeführt. Am Vormittag des 12. Septembers begrüßte der 1. Bürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, Bernd Strauch, in Vertretung des leider verhinderten Oberbürgermeisters Stephan Weil die gut 60 Gäste im Mosaiksaal des Neuen Rathauses.

In seiner kurzen Ansprache verwies Strauch zunächst auf etliche Erfolge, die vor allem in jüngerer Vergangenheit im Bereich des Zusammenlebens von unterschiedlichen Kulturen und Religionen innerhalb Hannovers erzielt wurden, darunter beispielsweise die mittlerweile eingeführte Bestattung im Leinentuch. Allerdings merkte der Bürgermeister auch an, dass man „von einem wirklichen Miteinander, von einer Akzeptanz, die über alle kulturellen, religiösen wie sozialen Schranken hinweg funktioniert, noch einiges entfernt“ sei. Nicht zuletzt der Vorfall im Sahlkamp vor wenigen Wochen, als während eines Stadtteilfestes eine Gruppe jüdischer Tänzer/innen mit Steinwürfen von der Bühne gejagt wurde, sei dafür ein bestürzendes Beispiel. Strauch rief die Anwesenden dazu auf, ihre Position als Multiplikatoren zu nutzen, um die Ausbreitung von Haßgefühlen, die zu solch destruktiven Attacken führen, zukünftig schon im Ansatz zu verhindern..

Bilder vom Ramadan-Empfang 2010 © LHH

Wie in jedem Jahr stand auch beim Empfang 2010 wieder ein kleines Bufett bereit

Zu Ende seiner Rede sprach Bürgermeister Strauch, der zugleich Ratsvorsitzender ist, dann noch die große Herausforderung an, Kinder mit Migrationshintergrund bereits von klein auf besser zu integrieren. Es reiche schlicht nicht aus, das Angebot von Kinderkrippen immer nur anzupreisen. Viel mehr müsse man mehr Dialog betreiben, um diese und weitere Herausforderungen gemeinsam meistern zu können.

Nach Bürgermeister Strauch ergriff Frau Hamideh Mohagheghi, Vorsitzende der Muslimischen Akademie in Deutschland, das Wort, um sich ebenfalls mit einer kurzen Ansprache an die Anwesenden zu wenden. Frau Mohagheghi lobte dabei den Ramadan-Empfang als einen Ausdruck des Vertrauens und erkannte in der Weiterführung dieser Tradition, dass „Integration in Hannover ernst genommen wird“. Auch sie verurteilte die Vorkommnisse im Sahlkamp und verlangte, dass man solchen Vorfällen entgegen treten müsse.

Zudem bezog Frau Mohagheghi Stellung zu den aktuellen Debatten, die vor allem durch die Buchveröffentlichung des mittlerweile zurückgetretenen Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin entfacht wurden. Sie warnte vor übertriebener Polemik und rief dazu auf, stattdessen in einen konstruktiven Dialog miteinander zu treten. Das sei unumgänglich, um viele der nach wie vor bestehenden Vorurteile abzubauen.

Bilder vom Ramadan-Empfang 2010 © LHH

v.l.n.r.: Dr. Al-Masri von der Schura Niedersachsen, Herr Kobbani vom „Islamischen Gemeindehaus Hannover e.V.“ und Herr Bankole vom Afrikanischen Dachverband im gemeinsamen Gespräch

Bürgermeister Strauch dankte Frau Mohagheghi für ihre engagierte Rede und eröffnete mit dem Bufett den informellen Teil des Empfangs. Im lockeren Rahmen bei einer kleinen Mahlzeit nutzen die Anwesenden intensiv die Möglichkeit, sich mit den anderen Gästen auszutauschen. Erst gegen Nachmittag lichteten sich die Reihen der Besucher/innen, wobei für die meisten wohl jetzt schon feststeht, dass der Ramadan-Empfang im Neuen Rathaus auch im nächsten Jahr ein Pflichttermin ist.