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Rathausgespräche

2. Rathausgespräch über „Heimat“

Auch beim zweiten Rathausgespräch war das Thema: „Heimat und heimisch werden in Hannover“

Was denken eigentlich die Menschen, die in Hannover leben, über das Thema Heimat? Was finden sie gut und schätzen sie weniger? Und: Wie wird man eigentlich heimisch, gerade in Hannover? Diese Fragen wurden am 13. Dezember 2014 im Neuen Rathaus von Einwohner/innen diskutiert – unabhängig davon, ob sie in Hannover geboren wurden oder zugezogen sind. Die 64 Teilnehmer/innen wurden per Zufallsgenerator aus dem Einwohnermelderegister ausgewählt und eingeladen. Die Runde wurde moderiert von Sylvia Chalupka-Dunse (culture.communication).

Sozialdezernent Thomas Walter begrüßte die Teilnehmenden und gab einen kurzen Einblick in das Zustandekommen der Rathausgespräche. Die „prinzipiell integrationsfreudige“ Landeshauptstadt Hannover wolle im Rahmen des Projekts „Mein Hannover 2030“ die Einwohner/innen in die Gestaltung der Stadt einbeziehen. Zur Diskussion eigne sich der Begriff „Heimat“, weil jeder etwas anderes damit verbinde. Er selbst verstehe darunter das Vertraut-Sein mit den sozialen Spielregeln.

Ein Teilnehmer berichtete, seine erste Heimat sei ein Dorf in Südhessen, in dem er jede Einwohner/in und jeden Winkel kenne. Als er im Jahre 1980 zum Studium nach Hannover – mittlerweile seine zweite Heimat – gezogen sei, habe er sich „beklemmend einsam“ gefühlt. Vor diesem Hintergrund habe er großes Verständnis für Migrant/innen, die in ein neues Land gezogen seien und meist die Sprache nicht beherrschten. Ein anderer Teilnehmer begründete sein Leben in Hannover eher nüchtern und pragmatisch. Er hätte aus beruflichen Gründen auch nach Hamburg oder Frankfurt ziehen können, doch die Miet- und Lebensmittelpreise seien in Hannover besser. Hier meldete ein älterer Mit-Diskutant Zweifel an, denn er sei zwar in Hannover geboren und aufgewachsen, sich jedoch nicht mehr sicher, ob er im Zuge der „Mietpreisexplosion“ hier bleiben könne.

Die Diskussion wendete sich dann dem Thema „Flüchtlinge“ zu. Eine Teilnehmerin meinte, man solle weniger darüber reden, wie viele Flüchtlinge man aufnehmen kann – das sei ohnehin durch einen Verteilungsschlüssel festgelegt. Wichtiger sei die Betreuung und diese sei unzureichend. Ein Anderer kritisierte, dass Flüchtlinge durch das Asylgesetz stark eingeschränkt leben müssten. Seine eigenen sozialen Kontakte habe er zumeist über seinen Beruf gefunden. Da Asylsuchende nicht arbeiten dürften, sei es auch schwieriger für sie sozial Fuß zu fassen – das müsse sich ändern. Auch die Situation nach dem Brand im Flüchtlingscamp am Weißekreuzplatz wurde angesprochen, eine Anwesende drückte ihre Betroffenheit aus.

Zum Schluss nutzten die Diskussionsteilnehmer/innen die Gelegenheit, der Stadtverwaltung ihre Anregungen mitzuteilen. So wurde ein Informationsportal gewünscht, das der Sensibilisierung dienen solle. Zum Beispiel könne dort erklärt werden, warum Menschen ihre Heimatländer verlassen müssen. Außerdem solle man das Bürokratie-System entweder vereinfachen, oder Flüchtlinge bei Behördengängen begleiten und ihnen beim Zurechtfinden helfen. Hilfreich sei auch die Schaffung eines Ortes für Begegnungen, wo sich Einwohner/innen und Flüchtlinge kennenlernen und austauschen könnten.

Im Anschluss an die Diskussion lud das Sachgebiet Integration passend zur Jahreszeit ein zu einem kleinen Gebäck-Buffet, an dem der Austausch in kleineren Gruppen fortgesetzt wurde. Die Teilnehmerin Yara Bruckner zog eine insgesamt positive Bilanz aus der Veranstaltung. Es sei besonders interessant gewesen, so viele verschiedene Meinungen zu hören. Allerdings hätte sie auch gern die Ansichten derjenigen gehört, die sich nicht zu Wort gemeldet haben. Auch Maic Caiser fand die Vielfalt der Meinungen in dieser Stadt spannend. Er sei vor zehn Jahren von Reutlingen nach Hannover gezogen und hätte gerne seine vietnamesischstämmige Frau zu dieser Dialogveranstaltung mitgebracht – sie hätte sicher viel zur Diskussion beigetragen.

Auch in den Fragebögen, die die Teilnehmer/innen ausfüllten, wurde das Format „Rathausgespräche“ gelobt. Dabei wurde auch die Anregung formuliert, die Diskussionen fortzusetzen und auf weitere Themen auszuweiten. Diese Erwartung wird erfüllt: Die nächsten Rathausgespräche finden im Februar statt. Neue Teilnehmer/innen wurden per Zufall ausgewählt und die Einladungen dazu bereits verschickt.