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Rathausgespräche

3. Rathausgespräch über „Flüchtlinge“

55 Einwohner/innen im Dialog über ein brennend aktuelles Thema.

Am 7. Februar 2015 fand im Mosaiksaal des Neuen Rathauses das mittlerweile dritte „Rathausgespräch zu Migration und Teilhabe“ statt. Dieses Mal drehte sich die Diskussion um das Thema „Flüchtlinge“. Moderiert wurde die Runde aus 55 per Zufallsverfahren ausgewählten Einwohner/innen von Danijela Geldof-Djekic, die auch im Projekt „Rucksackmütter“ für die Landeshauptstadt Hannover (LHH) aktiv ist.

Bürgermeister Thomas Hermann begrüßte die Gäste im Namen der Stadt und warf kurze Schlaglichter auf die Situation der Flüchtlinge in Hannover. Derzeit lebten etwa 2.800 Asylsuchende in Hannover – weitere 2.000 würden erwartet. Das positive Klima in der Stadtgesellschaft und das hohe Maß an ehrenamtlichem Engagement für Flüchtlinge trügen maßgeblich zu deren insgesamt ganz guten Situation bei. 

Auch Melanie Walter (Bereichsleiterin „Migration und Integration“ der LHH) äußerte sich anerkennend über die große Hilfsbereitschaft der hannoverschen Bevölkerung, die sich gerade  in den unterstützenden Nachbarschaftskreisen zeige. Dies werde von der LHH aktiv unterstützt, so bestehe zum Beispiel eine gute Zusammenarbeit mit dem Unterstützerkreis Flüchtlingsunterkünfte e.V.

Nach diesen knappen einleitenden Beiträgen wurde sofort die allgemeine Diskussion eröffnet. Mehrere Teilnehmende berichteten über Erfahrungen in ihrer Familie mit Flucht und Vertreibung. Bald wechselte allerdings der Fokus auf die Frage, was Neuankömmlinge eigentlich bräuchten. Ein Teilnehmer versetzte sich in die Lage eines Flüchtlings und traf mit den Worten „ich brauche jemanden, der weiß, dass ich da bin.“ den Nagel auf den Kopf.

Verbesserungsbedarf sahen etliche Teilnehmende bei der Anzahl der Unterkünfte und Deutschkurse. Einige Redebeiträge handelten von Beispielen gelungener Unterstützung, aber auch von Grenzen der Unterstützungsmöglichkeiten für Ehrenamtliche. Als nicht-Profi komme man gerade angesichts der teils traumatischen Erfahrungen vieler Geflüchteter an seine Grenzen. Matthias Müller, der als Sozialarbeiter und Asylexperte der LHH die Diskussion begleitete, betonte auch die Notwendigkeit professioneller juristischer Begleitung in Asylverfahren. Die verschlungenen Pfade des Ausländerrechts überforderten leider nicht selten die Reichweite rein ehrenamtlicher Arbeit.

Einige kritisierten, dass es schwierig sei, an konkrete Informationen zu Flüchtlingen in Hannover zu gelangen. Auch Informationen dazu, wie und wo man selbst aktiv werden könne, seien nur schwer zugänglich. Deswegen wurde der Wunsch geäußert, dass die Stadt hier mehr für die Vernetzung und Koordination von Unterstützer/innen tun soll. Melanie Walter merkte daraufhin an, dass auch ein städtisches Integrationsmanagement im Aufbau sei. Die Arbeit der freien Träger/innen – wie zum Beispiel des Deutschen Roten Kreuzes in der neu eingerichteten Sammelunterkunft im Oststadtkrankenhaus – werde jetzt gezielt durch Sozialarbeiter/innen der Stadt verstärkt. Darüber hinaus solle bald ein gesonderter Bereich zum Thema Flüchtlinge auf hannover.de entstehen. Frau Bergmann vom Unterstützungskreis Flüchtlingsunterkünfte e.V. appellierte an die Teilnehmenden, selbst die Initiative zu ergreifen und „dranzubleiben“, auch wenn die Institutionen mal nicht sofort antworten.

Nach dem Ende der zweistündigen Dialogveranstaltung tauschten sich die Teilnehmer/innen noch über eine Stunde in lockerer Atmosphäre bei Krapfen und Kaffee weiter aus. Viele nutzten auch das Angebot, auf den ausgeteilten Fragebögen ihre eigenen Anregungen zum Thema noch mitzuteilen. Insgesamt zeigten sich die Teilnehmenden sehr zufrieden mit der Veranstaltung, wiederholt war zu hören, dass man wichtige Anregungen mitgenommen habe.