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Modellprojekt

Adelante!

Spanische Stipendiaten der IHK wurden im Neuen Rathaus begrüßt.

Seit Mitte April absolvieren dreizehn andalusische Jugendliche – initiiert und organisiert durch die Industrie- und Handelskammer (IHK) – dreimonatige Praktika bei elf hannoverschen Unternehmen. Während dieser Zeit wohnen sie bei Gastfamilien und nehmen neben ihrer regulären Arbeitszeit an maßgescheidertem Sprachunterricht, interkulturellem Training und gemeinsamen Freizeitveranstaltungen teil.

Bürgermeister Bernd Strauch begrüßte die jungen Gäste und ihre Betreuer/innen am 13. Mai 2013 im Ratssaal. Er empfahl interessante Standorte und Sehenswürdigkeiten der Stadt Hannover und führte sowohl in ihre Geschichte, als auch in die Strukturen der Ratspolitik ein. Er wünschte den Jugendlichen viel Erfolg bei ihren Praktika und äußerte dabei die Hoffnung, dass möglichst viele von ihnen in feste Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse integriert werden.

In einem anschließenden Kurzinterview erklärte Torsten Temmeyer von der IHK-Hannover, dass die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien bei gleichzeitigem Fachkräftemangel in Hannover eine missliche Ausgangslage darstellten, die man durch „Win-Win-Vereinbarungen“ zwischen den betroffenen Regionen verbessern könne. Bestehende Austauschprogramme wie „Erasmus“ und „Leonardo da Vinci“ orientierten sich bei der Vergabe von Stipendien üblicherweise nicht an den Betrieben und Arbeitsmärkten der Herkunfts- und Zielregionen, daher habe die IHK das Pilotprojekt Adelante! konzipiert. Dadurch sollen Stipendien zielgerichteter vergeben und die beteiligten Kommunen in beiden Ländern entlastet werden. In Hannover werde dem besonders starken Fachkräftemangel in gewerblich-technischen Bereichen und im Hotel- und Gastgewerbe entgegengewirkt und mit dem Projekt könne man sowohl diesen Branchen, wie auch den Jugendlichen eine Zukunftsperspektive durch Zusammenarbeit bieten.

Die spanischen Partner/innen, zum Beispiel Schulen und Behörden schlugen geeignete Kandidanten/-innen vor, deren Qualifikationen den Anforderungsprofilen der hannoverschen Betriebe entsprechen. Diese suchten dann passende Bewerber/innen aus und boten ihnen Praktika mit der Aussicht auf eine duale Ausbildung oder Festeinstellung an. Temmeyer hob hervor, dass dieses Projekt die praktische Umsetzung des europäischen Gedankens sei, denn beide EU-Länder, sowie alle Beteiligten profitierten davon und helfen sich gegenseitig.

Die Sprachlehrerin Estefanie Domán Galloso berichtete, dass die Jugendlichen trotz ihrer Vorkenntnisse anfangs große Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hatten. Doch dies habe sich durch die intensiven Sprachkurse und die gute Betreuung stark verbessert. Sie hält das Projekt für zielführend, da einige der Stipendiaten/-innen bereits verbindliche Angebote zu festen Ausbildungsplätzen von den hannoverschen Betrieben bekommen haben.

Frau Galloso würde – wie die meisten ihrer Gruppe – auch unabhängig von dem Projekt gerne in Hannover bleiben. Man könne hier trotz der Größe der Stadt ein recht angenehmes und ruhiges Leben führen. Ihr Schüler Antonio José Alonso Cárdenas musste schmunzeln. Ruhe und Sehenswürdigkeiten seien nichts für den 19-jährigen, denn ihn interessiere das Nachtleben der Innenstadt mehr. Obwohl er tagsüber wenig Zeit zur Erkundung der Stadt habe, gefalle es ihm sehr gut in Hannover und bei seinem neuen Arbeitgeber Siemens. Auch er fühle sich sehr willkommen, doch nach seiner Ausbildung wolle er wieder zurück nach Andalusien, da er die südspanische Sonne vermisse.

Theda Minthe, Leiterin der Stelle „Wissenschaftsstadt Hannover“ der LHH konnte mit ihrer Führung im Kuppelsaal jedenfalls doch sein Interesse wecken, als sie den Gästen die vier berühmten Miniaturmodelle der Innenstadt Hannovers erklärte. Vielleicht wird der hannoversche Sommer als Pendant zum Nachtleben für Antonio auch noch interessant.