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Förderung der Sortenvielfalt

Ein Vermehrungsgarten für Hannover

Nicht nur die Artenvielfalt bei Wildpflanzen, sondern auch die Sortenvielfalt bei Kulturpflanzen ist gefährdet. Mit der fortschreitenden Monopolisierung des Saatguthandels und dem industriellen Anbau von Hybridsorten sowie der restriktiven Saatgutgesetzgebung ist der Anbau von samenfesten Kulturpflanzen kontinuierlich zurückgegangen.

Tomaten der Sorte Lycopersicon esculentum "Lämpchen“ auf einem Teller © Dieter Rohs

Tomatensorte "Lämpchen“

Circa 90 Prozent der samenfesten alten Kultursorten sind mittlerweile verschollen. Mit dem Verschwinden der Sorten ist auch das Wissen um diese Pflanzen, de­ren Verwendung und die Kulturtechnik in Vergessenheit geraten. Der Vermehrungsgarten soll dazu beitragen, dass nicht mehr im Handel erhältliche, aber historisch wertvolle und derzeit verschollene Sorten, vermehrt und erhalten werden.

Hintergrund

Die Gewinnung und Vermehrung von Saat­gut ist eine Voraussetzung für den Erhalt der alten Sorten, denn in diesem Saatgut werden die Eigen­heiten und besonderen Fähigkeiten der Sorten über Generationen weitervererbt. So können sich die alten Kulturpflanzen auch weiterhin an die regionalen Standortverhältnisse und sich verändernde Klimabedingungen anpassen.

Das Konzept

Der Vermehrungsgarten ist ein Ort der Kultivierung und der Wissensvermittlung für Laien und Fachleute. In Saatgutseminaren werden Grundla­gen für die Kultivierung von Kulturpflanzen und die Erhaltungsarbeit vermittelt, und in einer Lehrküche wird die pflanzenspezifische Verarbeitung gezeigt.

Das Konzept des Kulturpflanzenerhalts beinhaltet auch die Abgabe von Saatgut und Jungpflanzen an Haus-, Klein- und Balkongärtnerinnen und -gärtner sowie die Initiierung von Kulturpflanzenpatenschaften für interessierte und entsprechend geschulte Menschen, sodass sich mit der Zeit ein praxisbezoge­nes Netzwerk zum Kulturpflanzenerhalt in der Region etabliert.

In Hannover engagieren sich seit 2013 interessierte Einwohnerinnen und Einwohner für einen Vermehrungsgarten zum Er­halt alter Kulturpflanzen. In Kooperation mit Transition Town Hannover (TTH) entsteht auf einem etwa 4.500 Quadratmeter großen Grundstück im Stadtteil Rick­lingen ein Vermehrungsgarten. Das Projekt wird von namhaften Organisationen unterstützt. Es ist geplant, dem Projekt eine fachliche Vernetzung zur Seite zu stellen, die aus dem BUND (Kreisgruppe Region Han­nover), dem Schulbiologiezentrum, dem VEN (Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e. V., Region Hanno­ver), der Leibniz Universität, Institut für Gartenbauliche Produktionssysteme und der Landwirtschaftskammer besteht.

2014 wurden die grundlegenden Herrichtungsarbeiten auf dem Grundstück abgeschlossen. Darüber hinaus gibt es Bildungs- und Kulturangebote zum Thema "Pflanzengewinnung und -vermehrung".