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Mehr Natur in der Stadt

Städte wagen Wildnis – mehr biologische Vielfalt erleben

Die Landeshauptstadt Hannover führt, gemeinsam mit den Städten Dessau und Frankfurt, in der Zeit von 2016 bis 2021 ein einzigartiges Pilotprojekt durch und holt die Wildnis in die Stadt – für Pflanzen, Tiere und Menschen.

Wildnis in der Stadt, das klingt zunächst wie ein Widerspruch. Ist die Stadt doch geprägt von dichter Bebauung, versiegelten Flächen, Straßen und Verkehrslärm. Aber die Stadt bietet auch Lebensräume für verschiedene Tier- und Pflanzenarten, die das mildere Klima dort bevorzugen und die auf dem Land, z. B. durch die Methoden der konventionellen Landwirtschaft, vielerorts keine optimalen Lebensbedingungen mehr vorfinden. Ornithologen haben herausgefunden, dass die Anzahl der Vogelarten sogar mit der Größe einer Stadt zunimmt.

Darüber hinaus leistet Wildnis in der Stadt einen Beitrag zur Reinigung der Luft und zur Minderung von Verkehrslärm. In Hitzeperioden wirkt sie temperaturausgleichend und ermöglicht spannende und neue Naturerfahrungen direkt vor der Haustür.

Hannover – fünf wilde Jahre: Ziele, Aktionen und Maßnahmen

Das Projekt „Städte wagen Wildnis – Vielfalt erleben“ hat eine Laufzeit von fünf Jahren (2016 – 2021). In dieser Zeit werden verschiedene Ansätze für einen veränderten Umgang mit Grünflächen erprobt. Dafür wurden in Hannover elf Flächen ausgewählt, die über das Stadtgebiet verteilt liegen. Diese Flächen sind teils von sehr unterschiedlichem Charakter, weshalb sie zum besseren Überblick in folgende Flächentypen zusammengefasst werden:

  1. Wilde Inseln,
  2. Wilde Gärten,
  3. Postindustrielle Wildnis,
  4. Grünverbindungen und
  5. Wilde Wälder.

Hier wird nun die Entwicklung der Flora und Fauna in der neuen Wildnis untersucht. Ziel ist es, ein neues Bild von Stadtnatur zu entwickeln, das zwar wilder, aber deswegen nicht weniger schön ist. Bis auf zwei neue Weideflächen werden alle Flächen auch in Zukunft zugänglich sein oder sogar erst zugänglich gemacht. Die Wildnis darf und soll kennengelernt und erkundet werden. Dafür werden im weiteren Projektverlauf ein eigenes Konzept zur Öffentlichkeitsbeteiligung und Umweltbildung entwickelt. Im Rahmen dessen werden unter anderem geführte Touren angeboten und kleinere Aktionen auf den Flächen durchgeführt. Die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten hat einen Schwerpunkt im Projekt. So wird ein Spezial-Arbeitsheft zum Erleben von Wildnis erarbeitet und ein Wildnis-Rucksack für Erkundungstouren angeboten.

Die ersten Schritte zur Wildnis können schon im Herbst 2016 auf einer Wiese am Verlauf der Fösse in Badenstedt verfolgt werden. Im Frühjahr 2017 soll hier ein Weidezaun gebaut werden, um auf der Fläche für einige Wochen im Jahr schottische Galloway-Rinder als extensive Landschaftspfleger einzusetzen. Die Vorarbeiten dazu haben bereits begonnen. So wurde eine gemischte Hecke aus Schlehen und Hagebutten auf den Stock gesetzt und die abgeschnittenen Äste mit den Früchten so auf der Fläche verteilt, dass im kommenden Jahr mit einigem neuen Aufwuchs zu rechnen ist. Die weitere Entwicklung bleibt spannend!

Verbundprojekt und Fördermittel

Im Rahmen des Programms „Mehr Natur in der Stadt" stellt das Projekt einen Baustein für die Verbesserung der Biodiversität in Hannover dar. Dazu werden bis 2021 verschiedene Ansätze zur Entwicklung von Stadtwildnis erprobt. Gemeinsam mit den Städten Frankfurt am Main und Dessau-Roßlau wird Hannover Daten sammeln, die später auch andere Kommunen dazu anhalten sollen, mehr Wildnis in ihrer Stadt zu wagen.

„Städte wagen Wildnis“ ist ein Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt und wird durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Bau- und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert.