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Eine Frau schaut sich ein Kinderspielzeug aus gebranntem Ton an, welches sie mit beiden Händen hält. Es ist ein Ritter auf einem Pferd. © Region Hannover

Regionsarchäologin Ute Bartelt begutachtet die kleine Ritterfigur aus dem Spätmittelalter

Gehrden

Siedlungsgeschichte tritt zu Tage

Archäologische Grabungen in Gehrdens Ortskern lassen bis ins Mittelalter blicken.

Ein Ritter zu Pferde ist der bislang spektakulärste Fund auf der archäologischen Grabungsstätte in der Ortsmitte Gehrdens. Das wenige Zentimeter hohe Spielzeug aus gebranntem Ton stammt wahrscheinlich aus dem Spätmittelalter. Damals war Gehrden noch ein "Flecken" auf der Landkarte. Nicht mehr Dorf, noch lange nicht Stadt, aber schon eine befestigte Siedlung mit beurkundeten Privilegien: Märkte durften abgehalten, Bier gebraut und Urteile gefällt werden. Der in Nachbarschaft der Margarethenkirche geplante Bau des "Kirchhofquartiers" könnte weitere archäologische Zeugnisse zu Tage fördern, die ein Fenster in die Geschichte Gehrdens öffnen.

Bauvorhaben als archäologische Chance

"Mit dem Bauvorhaben eröffnet sich in Gehrden erstmals der Archäologie die Chance, im Kern der Siedlung auf einer Fläche von 3.000 Quadratmetern die Entwicklung des Ortes vom Frühmittelalter bis zur Neuzeit nachvollziehen zu können", erläutert Ute Bartelt, Archäologin der Region Hannover, die Bedeutung der Grabung: "Je tiefer wir in den Boden kommen, desto interessanter werden die Befunde." Für die Anlage einer Tiefgarage wird das Grundstück an der Ecke Kirchstraße/Schaumburger Straße auf ganzer Fläche um etwa drei bis dreieinhalb Meter ausgekoffert. Ohne bauvorbereitende archäologische Untersuchung würden sämtliche Spuren früherer Siedlungstätigkeit undokumentiert beseitigt.

Die Mehrzahl der bislang geborgenen Funde datiert bis ins 17. Jahrhundert zurück, aber noch ist die Baugrubensohle nicht erreicht. In den oberen Schichten finden sich – wenig überraschend – die Fundamente der (letzten) Hofbebauung des 19. und 20. Jahrhunderts; darunter liegen aber weitere Mauerzüge, teilweise in anderer Ausrichtung, die älter sein müssen.

"Das Baugrundstück ist eine archäologisch hochsensible Zone", erläutert Fachfrau Bartelt: "Mein größter Wunsch wäre es, mit den Befunden bis ins 12. Jahrhundert und somit in die Frühzeit Gehrdens vorzustoßen". Die archäologische Untersuchung endet mit Erreichen von Schichten ohne archäologische Befunde – oder der Baugrubensohle.

Hintergrund

Das Baugrundstück des "Kirchhofquartiers" mit Platz für 35 Eigentumswohnungen – Bauherrin ist die Projektentwicklung HRG & Sänger Objekt Kirchstraße GmbH & Co. KG – liegt inmitten des historischen Ortskerns des ehemaligen Fleckens Gehrden, in unmittelbarer Nähe zur Kirche St. Margarethen, die, wenn nicht als Keimzelle so doch spätestens seit dem Hochmittelalter, als einer der zentralen Punkte des im 9. bis 12. Jahrhunderts aufgesiedelten Ortes angesehen werden muss.

Urkundlich wird Gehrden erstmals 1298 erwähnt: Graf Adolph VI. von Schaumburg und Holstein verleiht dem Ort die Privilegien eines Fleckens (unter anderem Marktprivileg, Befestigungsprivileg, persönliche Freiheit der Bewohner, Braugerechtigkeit, eigene Gerichtsbarkeit).

Auf der Verkopplungskarte von 1853 ist die älteste verlässliche Darstellung des Baugrundstücks inmitten des ehemals "umwehrten" Siedlungsbereiches mit den seinerzeit existenten Gebäuden (das Wohnhaus stammt von 1847) zu sehen: Es handelt sich um einen 2/4 Meierhof, als Pächter wird Friedrich Garbe genannt. Der Hof ist der einzige, der über Jahrhunderte hinweg in den Händen einer Familie – nämlich der Familie Garbe – geblieben ist (nachweislich seit Ende des 16. Jahrhunderts).

(Veröffentlicht: 25. August 2016)