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Thomas Walter während seiner Abschiedsrede im Rat © LHH (Neue Medien)

"Es sind die Frauen, meine Herren, die uns den Rücken stärken!" – Thomas Walter während seiner Abschiedsrede im Rat

Thomas Walter

Abschied nach 22 Jahren

Er gilt bundesweit seit längerem als führender kommunaler Sozialpolitiker: Nach 22 Jahren als Jugend- und Sozialdezernent der Landeshauptstadt Hannover ist für Thomas Walter Mitte Februar Schluss. Am Donnerstag (28. Januar 2016) wurde er in seiner letzten Ratssitzung offiziell von Oberbürgermeister Stefan Schostok verabschiedet – unter Applaus aus allen Fraktionen. 

Zum Abschied einen Blumenstrauß: Ratsvorsitzender Thomas Hermann und Jugend- und Sozialdezernent Thomas Walter © LHH (Neue Medien)

Zum Abschied einen Blumenstrauß: Ratsvorsitzender Thomas Hermann und Jugend- und Sozialdezernent Thomas Walter

Walter, geboren in Bückeburg, fand den Weg nach Hannover über ein Studium in Göttingen durch das "Tor zur Welt": Denn nach dem Diplom zog es ihn zunächst nach Hamburg zum Aufbaustudium "Politik", bevor er als wissenschaftlicher Angestellter in der CDU-Bürgerschaftsfraktion arbeitete, dort aber – wie OB Schostok in einer launigen Laudatio anmerkte – spürbar unterfordert war.

Im Niedersächsischen Sozialministerium avancierte Walter – mittlerweile CDU-Mitglied – unter der Ägide von Hermann Schnipkoweit zu einem der "fähigsten Beamten des Ministeriums", wie ihm bald bescheinigt wurde. Neben reichlich lobenden Adjektiven von "engagiert" bis "kreativ" erwähnte ein Zeugnis bereits damals eine "ausgezeichnete Formulierungsfähigkeit". Schon dies allein werde vielen im Rat fehlen, so Schostok. 

1994 wurde Walter erstmals zum Stadtrat gewählt – als es neben dem damaligen OB Herbert Schmalstieg noch einen Oberstadtdirektor als Verwaltungschef in Hannover gab, damals in Person von Jobst Fiedler. Mehr als zwei Jahrzehnte später sind auch einfache Rathausangestellte voll des höchsten hannöverschen Lobes: "Ein feiner Mensch. Ich kann wirklich nichts Negatives über ihn sagen."

Wandel des Sozialstaates

Die fachliche Bilanz weise eine lange Liste an Themen und Modellprojekten aus, "zu lang und durchaus bekannt, als das man sie an dieser Stelle verlesen müsste", wie Schostok sagte. Die Ära Walter sei gekennzeichnet von den veränderten Anforderungen an den Sozialstaat und seine daraus erwachsenen Leistungen. "Ich kann mich noch gut daran erinnern, als nach der Wende in den ersten Jahren der deutschen Einheit die sozialen Sicherungssysteme erheblich unter Druck gerieten." In dieser schwierigen Zeit sei Thomas Walter in Hannover angetreten. 

Die folgenden 22 Jahre seien dann geprägt von einschneidenden Veränderungen in der deutschen Sozial- und Familienpolitik. Heute gewähre der moderne Sozialstaat viele neue Dienstleistungen, vor allem auch Teilhabe für Menschen, die sich nicht alles leisten können.

"In Hannover finden wir dafür viele Beispiele, etwa den Wandel von der Altenhilfe zum Kommunalen Seniorenservice oder die Neukonzeption der Alten- und Pflegezentren. Ebenso stehen dafür kreative Ideen wie das FamilienServiceBüro und die Familienzentren, Jugendtreffs und Jugendbildungskoordination oder der Hannoversche Weg für Kinder in Armut", so Schostok. Hinzu komme das veränderte Familienbild, die Berufstätigkeit von Vätern und Müttern sowie die steigende Zahl von Alleinerziehenden. Daraus erwachsen sind die Rechtsansprüche auf einen Kindergartenplatz Mitte der 1990er Jahre und im zweiten Schritt auf einen Krippenplatz. "Beides haben wir in Hannover bravourös eingelöst."

Hannovers Antworten auf den gesellschaftlichen Wandel seien maßgeblich mit Sozialdezernent Walter verbunden gewesen. Zu seinen letzten Projekten habe der Aufbau eines Integrationsmanagements für Flüchtlinge als zusätzliches Instrument für die Betreuung dieser Menschen gehört, das im Bundesvergleich beispiellos sei.

Zum Abschied überreichte OB Schostok dem scheidenden Stadtrat die Steinplastik "Der Denker" des Künstlers Sydney Lyson Lundu aus Hannovers Partnerstadt Blantyre (Malawi).

Auf Hannöversch: "Eigentlich gar nicht schlecht!"

Thomas Walter wählte in seiner Abschiedsrede den für ihn typischen Ton des hannöverschen Understatements. Um die soziale Sicherheit in Hannover sei es doch "eigentlich gar nicht so schlecht" bestellt. Das liege allerdings gewiss nicht allein am Jugend- und Sozialdezernenten. "In Wahrheit liegt es an 3.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieses Dezernates. Und es liegt ebenso an den Kolleginnen und Kollegen der Freien Träger und Dienste der sozialen Arbeit, die jeden Tag ihre Arbeit darin sehen, für andere Menschen da zu sein, sie zu beraten, zu begleiten und ihnen zu helfen. Ihnen gilt mein erster und ausdrücklichster Dank!" Walter betonte, ohne seine Frau Ulrike wäre er weder Dezernent geworden, noch hätte er so lange durchgehalten. "Es sind die Frauen, meine Herren, die uns den Rücken stärken!"

Anstelle einer umfangreichen "Leistungsbilanz" für 22 Jahre Leitung des Jugend- und Sozialdezernates beschränkte sich Walter auf drei Feststellungen.

  • Erstens: In Hannover hat es in den letzten 22 Jahren keinen kältetoten Obdachlosen gegeben – "auch das ist kein Verdienst eines Einzelnen!" Dies sei nur möglich, weil mit starken Partnern ein Hilfesystem für Menschen in besonders sozialen Notlagen aufgebaut worden sei, das von Tagestreffs und Notschlafstellen über Beratungs- und Krankenversorgungsangebote bis hin zu stationären Heimen mit verknüpftem Integrationsangebot, mit Straßensozialarbeit und gezielten Hilfen für Drogenabhängige und Strafentlassene reicht.
  • Zweitens: Anders als bei manchen traurigen Anlässen anderswo habe Hannover nicht erleben müssen, dass ein Kind in Folge von Vernachlässigung oder Misshandlungen sein Leben verloren habe. Selbstverständlich spielten dabei immer auch glückliche Umstände eine Rolle. Dennoch habe Hannover eben einen sehr wirksamen Kinderschutz entwickelt.
  • Drittens: Hannover hat in den letzten 22 Jahren weit mehr als 9.000 neue Plätze in der Kinderbetreuung geschaffen. "Das bedeutet: An jedem einzelnen Tag ein neuer Platz, und Sonn- und Feiertags sogar zwei, über 400 Plätze jedes Jahr – und das nicht in zwei oder fünf, sondern 22 Jahre lang." Natürlich habe er diese nicht allein geschaffen.

Mut als Tugend der Politik

Walter schloss mit einem Satz von Hannah Arendt: "Die Kardinaltugend des Politischen ist der Mut!" In diesem Sinne wünsche er dem Rat und der Landeshauptstadt Hannover "immer wieder die Kraft für solchen Mut und solche Verantwortung, weil nur dies zufriedene Bürger und ein stabiles Gemeinwesen hervorbringt. Ich habe nach meinen Kräften versucht, dazu beizutragen. Es war mir eine Ehre!" Die Mitglieder des Rates verabschiedeten Walter daraufhin mit stehenden Ovationen.

Über die Nachfolge an der Spitze des Sozialdezernates, das ab 1. März den Bereich Sport und Bäder hinzubekommt und den Bereich Jugend und Familie ans Bildungsdezernat abgibt, wird in der Sitzung des Rates am 25. Februar entschieden. Den Personalvorschlag dazu macht der Oberbürgermeister.