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Erinnerungskultur

Stadt verlegt neue Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus

Am Freitag, dem 30. September 2016, wurden in Hannover 27 neue Stolpersteine verlegt. Der Künstler Gunter Demnig ergänzt damit sein wachsendes dezentrales Kunstwerk zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus.

Ein Zeichen gegen das Vergessen der Nazidiktatur

Die Stolpersteine regen inmitten des Stadtbildes eine thematische Auseinandersetzung mit den Schicksalen nationalsozialistischer Ausgrenzung und Verfolgung an.

Sie werden vor dem letzten frei gewählten Wohnort der Opfer in den Gehweg eingelassen.

Eine Messingplatte auf der Oberfläche nennt mit der Inschrift "Hier wohnte…" den Namen, den Geburtsjahrgang sowie die Umstände des Todes.

Stolpersteinverlegung am 30. September 2016

Exemplarisch für die unterschiedlichen Verfolgtengruppen können bei der diesjährigen Stolpersteinverlegung in Hannover folgende Schicksale hervorgehoben werden:

Mit der Verlegung des Stolpersteins in der Große Barlinge 4 für Wilhelm Weber, der am 21. September 1943 wegen "Wehrkraftzersetzung" in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde, erfährt sein Schicksal eine nachträgliche Anerkennung.

Eine Wiedergutmachung war seiner Witwe in den 1950er Jahren von den Behörden mit dem Hinweis auf seine frühere aktive Mitgliedschaft in der NSDAP versagt worden.

Bürgermeister Thomas Hermann war beim Auftakt der Verlegung des Steins für Wilhelm Weber anwesend.

Bei der Verlegung der Stolpersteine für die Familie Katz in der Laportestraße 24 A, war der Enkel bzw. Sohn der Familie, Keith Gardner aus den USA, anwesend. An der Verlegung nahmen SchülerInnen der Werner-von-Siemens-Schule teil, die sich im Besonderen mit der Thematik der Stolpersteine und der Biographien der Opfer beschäftigen.

Der jüdische Kaufmann Alfred Wechsler, für den in der Yorckstr. 10 ein Stolperstein verlegt wurde, wurde am 23. Juli 1942 von Hannover in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er wenige Tage später am 2. August 1942 verstarb. Mit einem Lebensalter von 93 Jahren war er der Älteste aus Hannover nach Theresienstadt Deportierte.

Heute leben noch fünf seiner Enkel, unter anderem auch in Hannover. Zu fast allen Verlegungen haben sich in diesem Jahr etliche Nachfahren der Opfer der NS-Diktatur angemeldet.

Zum Abschluss des Tages wurden die zahlreichen Gäste aus dem Ausland von der Landeshauptstadt zu einer Zusammenkunft in das Neue Rathaus eingeladen.

27 neue Stolpersteine

Zu den bislang 330 verlegten Stolpersteinen für Opfer des Nationalsozialismus sind nun weitere 27 dazugekommen. Mit der Verlegung der neuen Stolpersteine steigt die Gesamtzahl dieser Erinnerungsmale im Stadtgebiet auf nunmehr 357.