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Ratgeber

Positive Zwischenbilanz

Präventionsprojekt gegen Schulschwänzen

Der Umfang massiver Schulverweigerung hat auch an Schulen in Hannover in den letzten Jahren stetig zugenommen, doch zeigt ein erstes Projekt, dass dem entgegengewirkt werden kann.

Zum Schuljahr 2010/2011 hat der Kommunale Sozialdienst im Fachbereich Jugend und Familie (KSD) der Landeshauptstadt Hannover zusammen mit dem Kontakt- und Beratungsbüro für Schülerinnen und Schüler „KonneX“ der Arbeiterwohlfahrt Region Hannover das Projekt „Vermeidung von schulverweigerndem Verhalten“ gestartet. Das Präventionsprojekt gegen „Schulschwänzen“ findet mittlerweile an vier Kooperationsschulen statt. Die erste Bilanz, über die die Verwaltung jetzt die Ratsgremien informiert, fällt positiv aus. Das erfolgreiche Projekt wird deshalb fortgesetzt.

Steigende Zahlen

Der Umfang massiver Schulverweigerung hat bundesweit und auch an Schulen in Hannover stetig zugenommen. Die in den vergangenen neun Jahren im Fachbereich Recht und Ordnung eingegangenen Anzeigen belegen diesen negativen Trend (von 1.075 in 2003 auf 1.735 in 2011). Die Dunkelziffer dürfte dabei aufgrund nicht kontinuierlichen und uneinheitlichen Dokumentations- und Meldeverhaltens der Schulen noch höher sein. Im Sekundarbereich I sind vor allem Haupt- und Förderschulen und im Sekundarbereich II die Berufsbildenden Schulen betroffen.

Vielschichtige Problemlagen

„Schulschwänzen beginnt meist mit kurzen Fehlzeiten. Es gefährdet nicht nur einen erfolgreichen Schulabschluss und damit den Start in das weitere Berufsleben, sondern ist häufig Einstieg in ein abweichendes oder auch kriminelles Verhalten. Dazu kommt, dass hinter schulverweigerndem Verhalten vielfältige individuelle, familiäre, sozial- und schulstrukturelle Problemlagen stecken, mit denen im Schulalltag nur schwer umgegangen werden kann. Es ist daher sehr wichtig, eine Verfestigung des Verhaltens zu vermeiden und frühzeitig bei Schülerinnen und Schülern, aber auch bei ihren Eltern oder Erziehungsberechtigten mit Hilfe breit aufgestellter Sachkompetenz zu intervenieren“, erläutert Jugend- und Sozialdezernent Thomas Walter den Ansatz des Präventionsprojektes.

Hilfsangebote für Klasse fünf bis zehn

Die Hilfsangebote richten sich an Schülerinnen und Schüler der fünften bis zehnten Jahrgangsstufen bei ersten Auffälligkeiten. Für Jugendliche mit bereits verfestigter Schuldistanz sind andere Maßnahmen und Projekte vorgesehen, eine Auflistung steht am Ende dieser Seite als Download bereit.

Das zielgruppen- und problemorientierte Konzept wurde vom KSD in Zusammenarbeit mit „KonneX“ sowie der Integrierten Gesamtschule Vahrenheide/Sahlkamp und der Hauptschule Karl-Jatho-Schule entwickelt. An den beiden Schulen wurde es im Schuljahr 2010/11 und ab 2011/12 außerdem im Schulzentrum Badenstedt und der Hauptschule Pestalozzischule/Anderten erprobt. Die Stadt setzt etwa 140.000 Euro jährlich ein, damit vier Sozialarbeiterinnen und -arbeiter der AWO das Projekt in den Schulen begleiten können.

Aufgabengebiete

Zu den Aufgaben der Sozialarbeiterinnen -und arbeiter gehört unter anderem die Beratung von Lehrkräften, Eltern und deren Kindern, im letzteren Falle oftmals im Rahmen von Hausbesuchen, um Fehlzeiten anzusprechen und zu klären. Für schulmüde Kinder und Jugendliche kann bei der Vermittlung von Praktika geholfen werden, aber auch die Vermittlung an andere Schule und Schulformen ist möglich. Das Ziel der Bemühungen ist immer die Wiedereingliederung der Schülerinnen und Schüler in das Regelschulsystem.

Positive Bilanz

Die Auswertung der Schuljahre 2010/11 und 2011/12 hat gezeigt, dass die Wiedereingliederung durch eine frühe und gezielte präventive Arbeit mit den betroffenen Jugendlichen unter Einbeziehung des Elternhauses sowie außerschulischer Unterstützungssysteme in den Hilfeprozess möglich ist. So wurden im Schuljahr 2011/12 an den vier beteiligten Schulen insgesamt 78 von Schulabsentismus bedrohte Schülerinnen (41 Mädchen, 52,6 Prozent) und Schüler (37 Jungen, 47,4 Prozent) betreut. Der Anteil der Personen mit einem Migrationshintergrund lag bei 41 (52,6 Prozent) der gemeldeten Schulverweigerer.

Im Projektzeitraum 2011/12 konnten davon

  • 40 (51,3 Prozent) betreute SchülerInnen in ihre jeweiligen Stammklassen eingegliedert werden,
  • fünf (6,4 Prozent) entwicklungsgefährdete Jugendliche motiviert werden, ihren Schulbesuch in einer anderen allgemeinbildenden Schule der gleichen Regelstufe fortzusetzen,
  • fünf (6,4 Prozent) Jugendliche in eine Praktikumsstelle wechseln oder einen beruflichen Ausbildungsplatz finden,
  • 18 (23,1 Prozent) Jugendliche in eine Berufsbildende Schule wechseln.

Acht (10,3 Prozent) Jugendliche und deren Erziehungsberechtigte waren im Projektverlauf nicht problemeinsichtig und nicht zur Mitwirkung bereit. Bei diesen Jugendlichen droht eine Verfestigung der Schulverweigerungshaltung. Derzeit prüfen die Schulen, ob gegen die Betroffenen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gemäß § 176 Niedersächsisches Schulgesetz einzuleiten ist. Bei zwei Jugendlichen war die Betreuung im Projektzeitraum noch nicht abgeschlossen.