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Sanierungsarbeiten

Tor zum Mittelalter durchschritten

Im Zuge der Sanierung Leineufermauer am Leibnizufer (Schlossbrücke) schreitet die Freilegung der Bebauungsreste der ehemaligen Leineinsel weiter voran.

Ein Mann hockt an einem freigelegten Eichenpfahl aus dem Mittelalter © LHH

Grabungsleiter Kai Gößner inmitten einiger freigelegter Eichenpfähle

Bei der erreichten Grabungstiefe von circa 4,50 bis 5 Metern unter dem Straßenniveau sind derzeit gute Einblicke in die Pfahlgründungen und Uferbefestigungen am ursprünglichen Leinebett und in die Profile diverser Boden- und Siedlungskulturschichten möglich. Zudem sind hölzerne Baureste und Gebrauchsgegenstände aus dem Mittelalter gefunden worden.

"Wir haben das Tor zum Mittelalter durchschritten", sagt Kai Gößner, Grabungsleiter der archäologischen Fachfirma Arcontor Projekt GmbH (Wolfenbüttel). "Unsere Aufgabe ist es, Hinweise auf das Leben der damaligen Menschen zu finden. Und unsere Erwartungen wurden übertroffen."

Hinweise auf Handwerksbetriebe

Gefunden wurden zum Beispiel noch gut erhaltene Eichenpfähle (Pfahlroste) als Gründungen von damaligen Häusern. Über die nähere Analyse des Holzes soll sich in den kommenden Wochen die genaue Zeit dieser Bauten rekonstruieren lassen. Zudem geben die aktuellen Befunde Auskunft darüber, dass sich an dieser Stelle an der Leine mindestens drei Handwerksbetriebe befunden haben: Schlackereste deuten auf Eisenverarbeitung hin, Reste von Leder und Horn auf eine Lederwerkstatt und einen knochenverarbeitenden Betrieb. Letztere hat beispielsweise Knöpfe und Griffe hergestellt.

Kamm, Krug, Königsfigur: Die Funde

Darüber hinaus wurden auch zahlreiche Hinweise entdeckt, wie die spätmittelalterlichen Menschen damals gelebt haben. So befinden sich unter den mehr als 500 Jahre alten Fundstücken unter anderen Teile eines Schöpflöffels, eine Lederfußsohle der heutigen Schuhgröße 38, Walnussschalen, eine Haselnuss, mehrere Lederriemen, ein Krug sowie Teile eines aus Knochen gefertigten Kamms. Aufgrund der mangelnden Durchlüftung haben sich diese Gegenstände so gut erhalten.

"Ein besonderes Fundstück ist eine aus Ton gefertigte Königsfigur eines Schachspiels", so Kai Gößner. "Dies zeigt, dass es hier Menschen gegeben haben musste, die genügend Zeit und Geld für die Kultivierung dieser Freizeitaktivität hatten."