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Großdemonstration

19.000 für ein weltoffenes Hannover

"Bunt statt braun": Hannover zeigt Flagge gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Groß-Demonstration vor Hannovers Marktkirche © Christian Burkert

Rund 6.000 Menschen fanden sich zum Friedensgebet vor und in der Marktkirche ein.

Hannover zeigt Flagge gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Insgesamt rund 19.000 Menschen demonstrierten am Montag für ein weltoffenes und tolerantes Hannover. Aufgerufen hatte ein breites, vom DGB koordiniertes Bündnis vieler gesellschaftlicher Gruppen, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Religionsgemeinschaften "Bunt statt braun – Licht aus für Rassisten". Anlass der Großdemonstration war eine Kundgebung gegen eine angebliche Islamisierung der Gruppierung "HAGIDA". Zu dieser fanden sich nach Polizeiangaben rund 200 Menschen am Steintor ein.

Die Großdemonstration begann mit einem Friedensgebet unter Leitung von Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann in der Marktkirche mit Vertretern vieler Religionen. Rund 1000 Menschen in der Kirche und bereits mehr als 5.000 draußen an den Außenlautsprechern zogen anschließend zur Kundgebung auf dem Georgsplatz.

"Wir brauchen keine Sündenböcke!"

"Wir brauchen keine Sündenböcke, keine Feindbilder, keinen Hass und keine Diskriminierung von Menschen. Nicht hier in unserer Stadt, nicht anderswo, nicht in Paris", sagte Oberbürgermeister Stefan Schostok unter starkem Beifall der insgesamt rund 17.000 Menschen auf dem Georgsplatz: "Hier soll niemand in Angst leben. Wir heißen Flüchtlinge herzlich willkommen." Über Zukunftssorgen und Ängste müsse gesprochen werden, aber nicht mit unterschwelligen Vorurteilen gegen Fremde. "Wir spalten nicht, wir führen zusammen. Dieses Bild soll von Hannover ausgehen", rief Schostok den Demonstranten zu. Regionspräsident Hauke Jagau nannte die Demonstration "ein klares Bekenntnis für unsere Demokratie. 17.000 hier, 200 am Steintor für 'HAGIDA' – das ist überwältigend." Weitere 2.000 Menschen demonstrierten am Steintor.

Ministerpräsident Stephan Weil, der zusammen mit zahlreichen Kabinettsmitgliedern an der Demonstration teilnahm, dankte allen, die sich in Niedersachsen für die Betreuung von Flüchtlingen einsetzen. "Diese Menschen sind auch die besten Boschafter unseres Landes", so Weil. Es gehe darum, allen Versuchen entgegenzutreten, unsere Gesellschaft zu spalten: "Wir stehen auf gegen Hass und Gewalt, gegen Rassismus und Terrorismus." Sowohl in der Marktkirche als auch auf dem Georgsplatz gedachten die Menschen in einer Schweigeminute der 17 Opfer der Gewalt in Paris nach den Terroranschlägen von radikalen Islamisten auf die Redaktion von "Charlie Hebdo", einen koscheren Supermarkt sowie eine Polizistin.

Landtagspräsident Bernd Busemann sagte, es gehe bei dem Protest gegen "PEGIDA" und deren Ableger gerade darum, den Anfängen von rechtsradikalen Bauernfängern zu wehren. Für Bundestagsvizepräsidentin Edelgard Bulmahn zeigt die Großdemonstration, dass die große Mehrheit unserer Gesellschaft fremdenfreundlich und tolerant sei.

Miteinander der Religionen

Vertreter verschiedener Religionen demonstrierten in kurzen Redebeiträgen das friedliche Miteinander unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften. Landesbischof Ralf Meister sagte, niemand soll sich von "PEGIDA" oder "HAGIDA" in Fallen locken lassen, wie etwa die Haltung, das Fremde sei eine Bedrohung. "Wir brauchen Solidarität und Klarstellungen", dass Gewalt im Namen des Islam von der großen Mehrheit der Moslems scharf verurteilt werde. Avni Altiner, Vorsitzender des Landesverbandes der Muslime in Niedersachsen, betonte unter starkem Applaus: "Wir Muslime gehören zu Hannover. Hannover gehört uns allen. Wir dürfen uns nicht spalten lassen, weder von Salafisten, noch von Rechtsextremisten." Michael Fürst, Landesvorsitzender der Jüdischen Gemeinden, stellte das Recht auf freie Meinungsäußerung als hohes Gut unserer Gesellschaft heraus. Dazu gehöre auch die Vielfalt der Religionen. Islam sei nicht Islamismus. Er wünsche sich ein Land, in dem auch noch seine Kinder sagen könnten: "Ich bin Charlie, ich bin Jude oder ich bin Moslem."