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Zuwanderung als Chance

Hannover stärkt Integration von Flüchtlingen

Die Landeshauptstadt Hannover verstärkt angesichts steigender Flüchtlingszahlen die Arbeit zur Betreuung und Integration. Die Stadt baut ein Integrationsmanagement auf, für das 20 Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter eingestellt werden. Sie sollen vor allem bei größeren Gemeinschaftsunterkünften die soziale Erstbetreuung durch die Betreiber erweitern, um die Integration der Flüchtlinge gezielt zu fördern.

Ein Sozialarbeiter im Gespräch mit zwei Flüchtlingen © LHH (Neue Medien)

Das Integrationsmanagement soll vor allem bei größeren Gemeinschaftsunterkünften die soziale Erstbetreuung durch die Betreiber erweitern, um die Integration der Flüchtlinge gezielt zu fördern

Das unter Federführung von Sozialdezernent Thomas Walter entwickelte Integrationskonzept geht davon aus, dass viele Flüchtlinge längerfristig in Deutschland bleiben und sich hier eine neue Existenz aufbauen wollen. Die Personalkosten für die 20 zusätzlichen Beschäftigten belaufen sich auf jährlich 1,5 Millionen Euro. Organisatorisch gehört das Team zum Bereich Integration im Sozialdezernat.

OB: Mehr Hilfen für Kommunen notwendig

Oberbürgermeister Stefan Schostok sieht das Integrationsmanagement als wichtiges Instrument, um Flüchtlingen über die Unterbringung hinaus eine Perspektive zu eröffnen. "Hannover bekennt sich als tolerante und weltoffene Stadt zu der Aufgabe, Flüchtlingen ein möglichst menschenwürdiges Zuhause zu bieten. So schwierig die Erstunterbringung aktuell angesichts der kurzfristigen Zuweisung von immer mehr Flüchtlingen ist, müssen wir uns von Beginn an um die soziale Betreuung und eine erfolgreiche Integration kümmern", betont Schostok.

"Aus Flüchtlingen können Einwanderer werden, und dies sehen wir langfristig als Chance und Bereicherung für unsere Stadt." Allerdings dürfe die Unterbringung und Integration der Flüchtlinge nicht vorrangig als Aufgabe der Städte und Gemeinden angesehen werden, so Schostok. "Dies ist eine gemeinsame nationale Aufgabe von Bund, Ländern und Gemeinden. Deshalb brauchen wir über die bisherigen Maßnahmen hinaus weitere, insbesondere finanzielle Hilfen. Es ist deshalb vordringlich, dass Bund und Länder sich schnell über eine noch stärkere Entlastung der Kommunen einigen."

Die Ausgangslage

Das städtische Integrationsmanagement ist aufgrund der mehrfach vom Land erhöhten Zuweisungszahlen für Flüchtlinge entwickelt worden. Aktuell leben in Hannover rund 2.450 Flüchtlinge in Unterkünften der Stadt. Dabei handelt es sich um gut zwei Dutzend größere Gemeinschaftsunterkünfte und rund 160 Wohnungen.
"Da die Flüchtlinge häufig nur noch kurz in den zentralen Erstunterkünften des Landes bleiben, entsteht bei den Kommunen mehr Bedarf an Beratung, Betreuung und Abklärung der jeweils individuellen Situationen", erläutert Sozialdezernent Walter die Ausgangslage. Zudem sei aufgrund der veränderten Zusammensetzung der Asylbewerberinnen und -bewerber deutlich, dass inzwischen fast die Hälfte ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht bekommen wird.
"Außerdem wollen wir in größeren Unterkünften möglichst Konfliktsituationen innerhalb oder im sozialen Umfeld vermeiden. Es geht darum, Flüchtlinge in das nachbarschaftliche Umfeld zu integrieren und den Weg in ein selbständiges Leben in Deutschland zu fördern", betont Walter. "Trotz der ungenügenden Finanzausstattung durch Bund und Land richten wir deshalb das Integrationsmanagement ein."

Konzeptionelle Grundlagen

In einer Info-Drucksache an den Rat der Landeshauptstadt hat die Stadtverwaltung das Integrationsmanagement jetzt ausführlich skizziert. Das Konzept beschreibt die unterschiedlichen, sich ergänzenden miteinander koordinierten Aufgaben der Betreiber einer Flüchtlingsunterkunft und des städtischen Integrationsmanagements.

Sozialarbeit des Betreibers

Der Ansatz der Sozialarbeit des Betreibers umfasst die klassische Erstberatung und betrifft die internen Belange bzw. die rechtliche Beratung der Bewohnerinnen und Bewohner. Dazu zählen unter anderem:

  • Beratung im Rahmen der Sozialgesetzgebung
  • Hilfe im Umgang mit Behörden u.a.
  • Hilfe bei Schriftverkehr
  • Beratung zum Ausländer- und Asylrecht
  • Hilfe für Kinder und Jugendliche
  • Hilfe bei gesundheitlichen Problemen
  • Beratung zu Erziehungs- und Bildungsfragen
  • Lebensberatung, Konfliktberatung.

Aufgaben des Integrationsmanagements

Die städtische Sozialarbeit stärkt diese Arbeit und hat dabei vor allem die längerfristige Integration im Blick, unter anderem durch:

  • Zugangserleichterung zu Behörden, Kitas, Schulen u. a.
  • Coaching/Beratung zur Arbeit/Qualifikation
  • Organisation/Vermittlung von Sprachkursen und anderen Bildungsangeboten
  • Integration ins städtische Umfeld
  • Auszugsmanagement, Wohnungssuche, Umzugshilfe
  • Koordination ehrenamtlicher Unterstützer.

Einsatz des Integrationsmanagements

Das Integrationsmanagement wird zum Teil an bestehende Flüchtlingsunterkünfte angebunden sein. So sind in der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Oststadtkrankenhaus bereits sechs städtische Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter tätig. Bis Mitte des Jahres werden weitere 13 Fachkräfte eingestellt, von denen mehrere u.a. am Standort Schulzentrum Ahlem tätig werden. Gleichzeitig ist ein flexibler Personaleinsatz bei mehreren benachbarten Einrichtungen geplant. Dies geschieht stets in einer Vor-Ort-Abstimmung mit den jeweiligen Betreibern der Unterkünfte.

Kinderbetreuung – Sprachkurse – Beschäftigung

Das Integrationsmanagement soll zudem den Zugang zu bestehenden Angeboten für Flüchtlinge fördern. Dazu zählen insbesondere Angebote für Kinder und Bildungsangebote für Kinder, Sprachkurse und ein erstes Beschäftigungsprogramm in Kooperation mit freien Trägern. So gibt es in der Flüchtlingsunterkunft Munzeler Straße bereits ein "Elterncafé" für Flüchtlinge zur Kinderbetreuung und Information der Eltern über Bildungsangebote. Ähnliche Einrichtungen für weitere Unterkünfte werden geprüft.

Zur Vermittlung der deutschen Sprache bietet neben Betreibern und Ehrenamtlichen die Volkshochschule an mehreren Unterbringungsstandorten so genannte "Ankommenskurse" an, die neben Spracherwerb auch Alltagsorientierung bieten.
Seit Ende letzten Jahres sind 30 Flüchtlinge in einem Beschäftigungsprogramm in Verbindung mit Sprachkursen aktiv, das Stadt und gemeinnützige Träger entwickelt haben. Für die zweite Projektphase haben sich weitere 28 Personen angemeldet.