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Flüchtlingsunterkunft

Modulanlage aus Holz in Linden-Nord

In Linden-Nord entsteht derzeit eine Flüchtlingsunterkunft für rund 100 Menschen. Das Ungewöhnliche an der Modulanlage ist, dass ihre Fertigteile aus dem Werkstoff Holz bestehen.

Modulbau in der Steigertahlstraße © LHH (Neue Medien)

In den Wohnzeilen werden die Zimmer der Flüchtlinge zu Wohneinheiten von jeweils drei bis fünf Zimmern zusammengefasst

"Die ökologischen Vorteile in der Verwendung des nachhaltigen Baustoffes liegen auf der Hand", sagt Jörg Gronemann, Bereichsleiter für Bauen im städtischen Gebäudemanagement. "Zudem entsprechen die Kosten dieser Modulbauten denen vergleichbarer Stahlmodule. In diesem konkreten Fall lagen die Angebote sogar deutlich unter denen für Metallbauteile."

Die gesamten Baukosten für die Unterkunft liegen bei rund 4,5 Millionen Euro. Seit Oktober wurde das Areal am Westschnellweg vorbereitet. In dieser Woche hat der Zusammenbau der Module begonnen, der noch etwa drei weitere Wochen in Anspruch nehmen wird. Anschließend werden die Laubengänge in Stahlbauweise davorgestellt und die Außenanlagen erstellt. Die Freifläche im Innenhof wird mit Sport-, Spiel- und Aufenthaltsflächen gestaltet werden (Volleyball, Basketball, Bänke und Tische). Nach der Möblierung kann die Anlage voraussichtlich Mitte Januar in Betrieb gehen.

Wohnanlage mit 96 Einzelzimmern

Die Flüchtlingsunterkunft besteht aus drei zweigeschossigen Wohnzeilen und einem zweigeschossigen Gemeinschafts- und Verwaltungsgebäude. Diese Gebäude umschließen hofartig den gemeinsamen Freibereich. Die Wohnanlage hat 96 Einzelzimmer.

In den Wohnzeilen werden die Zimmer der Flüchtlinge zu Wohneinheiten von jeweils drei bis fünf Zimmern zusammengefasst. Als zentraler Raum ist die Wohnküche gleichzeitig auch die Erschließung der Wohnung. Statt Treppenhaus oder Flur gibt es eine direkte Verbindung von der Haustür zum Außenbereich. "Dies ist eine ganz bewusste architektonische Entscheidung, denn die Haustür ist der Ort, an dem sich nachbarschaftliches Leben am besten entfalten kann", erläutert Architekt Kay Marlow vom Büro MOSAIK Architekten BDA. "Die Bank vor der Haustür oder die vor die Haustür gestellten Stühle und Tische werden automatisch folgen, weil diese Muster den traditionellen Wohnerfahrungen von Bewohnern und ihren Bedürfnissen zum Beobachten und zur Kontaktaufnahme entsprechen", so Marlow weiter.

Langfristig auch für andere Nutzergruppen attraktiv

Die Wohnungen der Obergeschosse werden über einen vorgestellten Laubengang erschlossen, der gleichzeitig als Rettungsweg dient. Die Grundrisse wurden so entworfen, dass sie langfristig auch für andere Nutzergruppen attraktiv sind. "Denkbar sind hier etwa studentische Wohngemeinschaften oder Familien mit einem oder zwei Kindern. Für diese Nutzung wurde das neben der Wohnküche liegende Zimmer mit einer Doppeltür geplant, so dass es auch als Wohnzimmer genutzt werden kann", betont Jörg Gronemann.

Im Gemeinschafts- und Verwaltungsgebäude sind im Erdgeschoss ein großer Gruppenraum von 40 Quadratmetern, ein kleiner Gruppenraum (20 Quadratmeter) sowie der Raum für den Pfortendienst geplant. Im Obergeschoss befinden sich drei Büroräume für Sozialarbeiterinnen und -arbeiter sowie ein weiterer kleiner Gruppenraum (20 Quadratmeter).

Schnelle Bauweise möglich

"Auch unter dem Aspekt einer längerfristigen Nutzung wurden die Gebäude in einer Holzbauweise geplant, die eine industrielle und damit schnelle Bauweise ermöglichen", unterstreicht Kay Marlow. Die Wohneinheiten setzen sich aus circa 2,70 Meter breiten und zwölf Meter langen Modulen zusammen, die den Lkw-Transportmaßen entsprechen. "Die Module können somit weitestgehend im Werk produziert, dann fix und fertig mit allen Innenausbauten auf der Baustelle geliefert und auf die bauseits vorhandenen Fundamente versetzt werden", sagt Marlow.

Die Gebäudemodule kommen aus dem Vorarlberg in Österreich. Die Holzkonstruktion wird aus sogenanntem Brettsperrholz gefertigt, das sind aus mehreren Schichten verleimte massive Holzkonstruktionen. Alle Anforderungen an den Brand- und Schallschutz werden auch mit diesen Konstruktionen erfüllt.

Lokale Gemeinschaftsarbeit

Die Planung dieser Flüchtlingsunterkunft ist eine Gemeinschaftsarbeit des städtischen Gebäudemanagements mit externen Büros. MOSAIK Architekten (Hannover) wird unterstützt von Drewes + Speth (Tragwerksplanung, Hannover) und Riedel + Partner (technische Gebäudeausrüstung, Hannover). Der Freiraum wird gestaltet von LINNEA Landschaftsarchitektur (Hannover), die Vorbereitung des Grundstücks nahm TGW Planungsgesellschaft mbH (Laatzen) gemeinsam mit ezs Planungsgesellschaft mbH vor.

Enge Verzahnung in der Stadtverwaltung

Auch innerhalb der Stadtverwaltung arbeiten zurzeit mit Hochdruck zahlreiche Beteiligte unter Federführung des Fachbereichs Planen und Stadtentwicklung, um Modulanlagen für die Unterbringung von Flüchtlingen zu bauen. Der Fachbereich Wirtschaft unterstützt bei der Suche geeigneter Standorte, die bei einer positiven Entscheidung dann durch die Stadtentwässerung erschlossen werden. Die Fachbereiche Umwelt und Stadtgrün sowie Tiefbau sorgen für die Herrichtung der Grundstücke und Außenanlagen, während dem Fachbereich Gebäudemanagement in der Realisierung die hochbauliche Projektleitung und -steuerung obliegt.

Ähnlicher Bau in Herrenhausen

In der gleichen Bauweise wie in Linden-Nord wird ab Januar eine weitere Flüchtlingsanlage im Stadtteil Herrenhausen entstehen, dort allerdings dreigeschossig mit rund 150 Zimmern. In Hannover sind derzeit durch die Stadtverwaltung rund 4.000 Flüchtlinge in zahlreichen Wohnungen, vier Wohnprojekten und rund 30 Gemeinschafts- und Notunterkünften untergebracht. Die künftige Unterkunft in der Steigertahlstraße ist eine von 14 Modulanlagen, die derzeit gebaut oder vorbereitet werden. Drei weitere Modulstandorte sind in diesem Jahr in Betrieb genommen worden.

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