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Erweiterungsbau Sprengel Museum

Stadt und Land feiern Eröffnung

Ministerpräsident Stephan Weil und Oberbürgermeister Stefan Schostok eröffneten am 18. September den Erweiterungsbau Sprengel Museum Hannover vor mehreren hundert geladenen Gästen.

Erweiterungsbau Sprengel Museum © LHH (Neue Medien)

Erweiterungsbau Sprengel Museum Hannover

Die Stadt Hannover und das Land Niedersachsen haben darauf sechs Jahre lang intensiv hingearbeitet. Im ambitioniertesten Bau- und Prestigeobjekt der vergangenen Jahre in Hannover ist zur Eröffnung eine Ausstellung zu sehen, deren Titel das Raumprogramm benennt und zunächst die neuen Räume ins Zentrum rückt, gleichzeitig aber auch künstlerische Akzente setzt: "Zehn Räume, drei Loggien und ein Saal". Für jeden Raum wurde ein/e Künstler/in eingeladen, mit einer Installation oder Intervention den Dialog mit der Architektur zu suchen und spezifische Qualitäten von Raum, Material, Licht und Wahrnehmung erfahrbar zu machen.

Das Museum für alle

Am 19. und 20. September heißt es dann "Das neue Sprengel Museum für alle". Für die beiden Publikumstage mit freiem Eintritt stehen Podiumsgespräche, Führungen, Familienprogramm, musikalische Interventionen, Café, Lounge und vieles mehr auf dem Programm. Den Höhepunkt bildet das KUNSTFEST am 19. September um 19 Uhr.

Zum Hintergund

Mit der Erweiterung des Sprengel Museum Hannover nimmt eines der größten Kulturprojekte der vergangenen Jahre in Hannover Gestalt an. Der Kunstbestand des Hauses ist durch Ankäufe, vor allem durch Schenkungen und Dauerleihgaben, kontinuierlich angewachsen. Seine renommierten Sammlungsbestände der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts haben das Museum in aller Welt bekannt gemacht.

Fläche

Insgesamt gewinnt das Sprengel Museum Hannover rund 5.250 Quadratmeter hinzu, davon an Ausstellungsfläche rund 1.400 Quadratmeter. Im Vergleich dazu hat der Altbau etwa 11.800 Quadratmeter mit rund 5.250 Quadratmetern Ausstellungsfläche (ohne Museumspädagogik und Auditorium). Im Neubau ergänzen Funktionsräume, wie Werkstätten, Depots und speziell klimatisierte Lagermöglichkeiten für fotografische Arbeiten, die Kapazitäten des Hauses auf höchstem Niveau. Damit werden weitere bedeutende Schenkungen Realität. Die Erweiterung ermöglicht es, dauerhaft mehr Kunstwerke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, die heute in Depots verwahrt werden müssen, und außerhalb des Museums verwahrte Objekte jederzeit verfügbar im Haus zu lagern. Nicht zuletzt bestärkt die Erweiterung langfristig die Entwicklung und Bedeutung des Museums und Hannovers als Kulturstandort.

Lage und Umgebung

Der Erweiterungsbau umfasst als Ergänzung des bestehenden Museums einen einfachen rechteckigen Körper. Von einem Sockelgeschoss getragen, vermittelt das vorragende Hauptgeschoss einen nahezu schwebenden Eindruck. Der gesamte neue Baukörper behauptet sich zur längsseitig verlaufenden Promenade als eigenständiges Gewicht. Die rückwärtige Südostseite des Gebäudes ist nach Fertigstellung von einer parkartigen Anlage umgeben, durch die ein Weg für Kunsttransporte zur Anlieferung verläuft.

Placement...

... vielseitiges Verbindungsstück mit prominenten Namen: Calder-Saal

Als Verbindung zwischen den verschiedenen Ebenen des Alt- und Erweiterungsbaus fungiert eine doppelgeschossige Halle mit einer großzügigen Rampen- und Treppenspirale. Der Raum wird nach dem Künstler Alexander Calder benannt werden. Eines seiner berühmten Mobiles wird in diesem Raum zu sehen sein. Dieses große Rondell ist nicht nur Durchgangs- und Eingangsbereich, sondern bildet einen Saal mit offener Raumstimmung, der für Veranstaltungen genutzt werden kann. An der Stirnseite unterstützt eine Wandbespannung aus farbigem Stoff die Akustik. Die Deckenhöhe bietet sich für die Installation raumgreifender Kunstwerke an.

Für viel Licht sorgt eine ganzseitige Glasfront. Sie lässt sich zum Hof hin öffnen, so dass der Calder-Saal auch zur Verteilung großformatiger Werke in alle Teile des Alt- und Neubaus dient. Die Rampen- und Treppenspirale ist zu diesem Zweck für Schwerlasten ausgelegt.

Ausstellungstrakt – Die 'tanzenden' Räume

Die BesucherInnen des neuen Ausstellungstrakts erleben eine klare Raumflucht mit übersichtlicher Wegeführung. Unterschiedliche Raumformate und Deckenhöhen (4.80, 5.10 und 5.70 Meter) verleihen ebenso wie eine leicht versetzte Anlage der Räume im Grund-riss dem Rundgang einen Rhythmus: Die Räume scheinen zu 'tanzen'. Drei verglaste Loggien sind die Nahtstelle zwischen Innen und Außen und geben den Blick auf die Umgebung frei.

Oberlichter und Klimaanlage

Durch die Oberlichter werden diese Räume mit Tageslicht versorgt, das durch die Lichtdecke als diffuses Licht einfällt. Durch eine automatische Steuerung des oberhalb der Lichtdecke angeordneten Kunstlichts wird sichergestellt, dass immer ein gleichmäßiges Lichtniveau in den Räumen herrscht.

Eine Klimaanlage hält Temperatur und Luftfeuchte in einem stetig konstanten Niveau mit sehr geringen Schwankungsamplituden.

Fassade

Die 'tanzenden' Räume umfasst eine ruhige und elegante Fassade aus Stahlbeton. Angelegt in Reliefbändern entlang der Gebäudelängsseiten entsteht sie als zweischalige kerngedämmte Konstruktion und knüpft an die rhythmische Raumanlage im Innern an.

Die Fassade wurde in sogenannten Betonierabschnitten von bis zu 18 Metern Länge und zirka 3,5 Metern Höhe hergestellt. Die Oberfläche weist reliefartige Vor- und Rücksprünge auf, bedingt durch die unterschiedlichen Wanddicken (25, 36 und 47 Zentimeter). Die gestalterisch angestrebte Erscheinung "eines Werkstücks" wurde durch die Entwicklung einer Ortsbetonkonstruktion realisiert. Die Betonoberflächen sind teilweise und mit unterschiedlichen Techniken handwerklich nachbearbeitet.

Die Eigenlast der Fassade wird punktweise auf Gleitlagern in die Querwände der Ausstellungsräume abgetragen. Diese punktweisen Ankerkonstruktionen verfügen in den tangentialen Richtungen über entsprechende Freiheitsgrade. Sie werden in drei Höhenlagen (oben, Mitte, unten) angeordnet.

Finanzierung

Der Erweiterungsbau Sprengel Museum Hannover des Schweizer Architekturbüros Meili und Peter wird für 35,77 Millionen Euro realisiert. Die Finanzierung erfolgt aus 11,6 Millionen Euro EFRE-Mitteln und fünf Millionen Euro aus Landesmitteln. Die Landeshauptstadt kommt für 14,1 Millionen Euro auf; weitere fünf Millionen Euro sollen aus Spenden dazu kommen.