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Roderbruch

Weltweit größter Passiv­haus-Lebensmittelmarkt

Seit Dezember 2014 betreibt die hannoversche Kaufmannsfamilie Wucherpfennig das neue EDEKA Center im Roderbruch. Es ist der weltweit größte Lebensmittelmarkt in Passivhausbauweise, dessen hoher Qualitätsstandard nun zertifiziert wurde.

Ulf-U. Plath, Sabine Tegtmeyer-Dette und Matthias Wohlfahrt © enercity

Ulf-U. Plath, Sabine Tegtmeyer-Dette und Matthias Wohlfahrt vor dem ausgezeichneten Markt

EDEKA-Vorstand Ulf-U. Plath und Mathias Schleweis, Geschäftsführer der EDEKA-MIHA Immobilien-Service GmbH, Hannovers Umwelt- und Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette und Matthias Wohlfahrt, Programmleiter der Nichtwohngebäudeförderung beim enercity-Fonds proKlima, brachten am 9. April 2015 nach bestandener Qualitätssicherung die proKlima-Förderplakette am Eingang des EDEKA Centers an. Der energieeffiziente Neubau verfügt über rund 3.100 Quadratmeter Verkaufsfläche und eine Energiebezugsfläche von rund 4.400 Quadratmetern.

Mit Förderung und Siegel

Die Klimaschutzleitstelle der Landeshauptstadt Hannover hatte die Akteure zusammengebracht. Mit rund 55.000 EUR fördert der lokale Förderfonds proKlima den Neubau. Die hohe Qualität der Bauausführung wurde neben der erfolgreichen proKlima-Qualitätssicherung jetzt auch mit dem Siegel "Zertifiziertes Passivhaus" vom Passivhaus Institut in Darmstadt bestätigt.

"Wir freuen uns sehr, dass unser Engagement für mehr Energieeffizienz und eine nachhaltige Bauweise jetzt mit der Zertifizierung 'Passivhausstandard' Anerkennung findet. Als Bauherr und Entwickler neuer EDEKA-Märkte ist dieses Zertifikat für uns Auszeichnung und Ansporn zugleich", betont Ulf-U. Plath, Vorstand der EDEKA Minden-Hannover. Die Erfahrungen aus diesem Projekt laufen bereits in aktuelle Bauobjekte des genossenschaftlichen Unternehmensverbundes ein. "Das gilt zum Beispiel für das neue EDEKA Center in Garbsen, das wir gegen Ende Mai eröffnen werden wie auch für die aktuelle Planung für das größte EDEKA Center Deutschlands, dass wir im Herbst im Brawo-Park in Braunschweig mit einer Verkaufsfläche von rund 6.500 Quadratmetern eröffnen wollen", erklärt Mathias Schleweis, Geschäftsführer der EDEKA-MIHA Immobilien-Service GmbH.

Passivhaushauptstadt in Deutschland

"Hannover entwickelt sich zur Passivhaushauptstadt in Deutschland. Seit 2007 haben wir konsequent hohe ökologische Standards bei eigenen Bauten und auf städtischen Grundstücken umgesetzt", unterstreicht die Erste Stadträtin und Wirtschafts- und Umweltdezernentin, Sabine Tegtmeyer-Dette. "Dass die ersten deutschen Passivhaus-Supermärkte in Hannover entstehen, ist die Belohnung unserer jahrelangen guten Arbeit: Die Investorinnen und Investoren werden gemeinsam von der Stadt und proKlima kostenlos beraten. Dank der Fördermittel aus dem lokalen Klimaschutzfonds sind inzwischen zahlreiche Projekte Realität geworden."

Seit Ende der 1990er Jahre entstanden in Hannover zahlreiche Passivhäuser, die meisten als Wohngebäude, aber auch etliche Büro-, Geschäfts- und Gewerbebauten. Dadurch gibt es viele erfahrene Planer und Handwerksbetriebe, die ihr Know-how einbringen können. "Nicht allein Lebensmittel, sondern 'Wir lieben Energieeffizienz', können wir jetzt gemeinsam sagen", freute sich proKlima-Programmleiter Matthias Wohlfahrt über das neue Förderprojekt. "Märkte wie dieser bringen mit dem energiebewussten Einkaufserlebnis die Passivhaustechnik in den Alltag."

Praktische Umsetzung des Passivhausstandards

Der Passivhausstandard des Markts ermöglicht eine deutliche Reduktion des Energieverbrauchs gegenüber den herkömmlichen Supermärkten. Dabei ist der Passivhaus-Standard für einen Supermarkt nicht eins zu eins mit einem Passivhaus-Wohngebäude vergleichbar. Denn "passiv" verfolgt im Supermarkt zwei Ansätze: erstens die Vermeidung von unnötigen internen Kühl- oder Wärmelasten, gegen die aktiv gekühlt oder geheizt wird wie beispielsweise offene Kühlmöbel oder Abwärme ineffizienter Beleuchtung. Zweitens die Abwärme, die trotz optimierter Kältetechnik immer noch anfällt, einzufangen und gezielt dem Markt bei Heizbedarf wieder zuzuführen. Ziel ist es mit der Abwärme der Kühlanlage, die normalerweise an die Außenluft abgegeben wird, den Markt im Winter zu heizen. Die Gebäudehülle ist daher so gut gedämmt, dass die Abwärme fast durchgängig ausreicht, um den Markt zu erwärmen. Im EDEKA Center wurde daher auf eine 16 Zentimeter stark gedämmte Außenwand gesetzt. Die Fenster sind mit Drei-Scheiben-Verglasung ausgestattet. Eine ohnehin vorhandene Lüftungsanlage wurde mit einer effizienten Wärmerückgewinnung ausgestattet. Die Kühlmöbel wurden überwiegend mit isolierverglasten Türen versehen, um ein unnötiges Kühlen des Marktes im Winter zu vermeiden. Auch der Einsatz von CO2 als Kältemittel für die Kältetechnik reduziert die gegenüber konventionellen Kältemitteln hohen Zusatzpotentiale für den Treibhauseffekt.

Der ausschließliche Einsatz von LED-Beleuchtung mit Langfeldleuchten und Spots sowie der Einsatz von großzügigen Oberlichtern erhellen den Markt und sorgen neben einer angenehmen Einkaufsatmosphäre für einen reduzierten Stromverbrauch und reduzierte Wärmelasten im Sommer. Und noch eine Besonderheit hält der Markt vor: Neben einem Gründach versorgt sich der Markt auch mit eigenem Strom über eine Photovoltaikanlage. Zudem gibt es eine Ladestation für E-Autos und -Bikes sowie 40 Fahrradstellplätze.

Neben der starken Verringerung des Energieeinsatzes hat die EDEKA zudem auf den Einsatz umweltfreundlicher Baustoffe geachtet: Neben der Passivhaus-Zertifizierung wird das Gebäude daher mit dem Siegel "Gold" zertifiziert werden, das die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) vergibt.