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Louis-Jeantet-Preis für Medizin

Weitere Auszeichnung für Infektionsforscherin

Sie ist bereits mehrfach ausgezeichnet, nun erhält Emmanuelle Charpentier einen weiteren Preis: Einer der beiden mit 700.000 Schweizer Franken (etwa 690.000 Euro) dotierten Louis-Jeantet-Preise für Medizin geht in diesem Jahr an die Mikrobiologin und Infektionsforscherin, die in Hannover und Braunschweig lebt und arbeitet.

Die Französin hat an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) eine "Alexander von Humboldt"-Professur inne, gleichzeitig leitet sie die Abteilung "Regulation in der Infektionsbiologie" am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Mit der Auszeichnung – einem der höchstdotierten Medizinpreise Europas – würdigt die Fondation Louis-Jeantet mit Sitz in der Schweiz die Forschungsarbeit der Wissenschaftlerin. Charpentier ist laut MHH eine der Entdeckerinnen des CRISPR-Cas9-Systems, einem biotechnologischen Werkzeug, das zum gezielten Editieren von Erbmaterial eingesetzt werden könne.

"Ich fühle mich sehr geehrt"

Seit seiner Einführung 1986 wurde der Louis-Jeantet-Preis bis heute 82 Forscherinnen und Forschern verliehen. Zehn von ihnen erhielten anschließend den Nobelpreis für Physiologie, Medizin oder Chemie. Der Louis-Jeantet-Preis für Medizin soll laut MHH vor allem innovative Forschungsprojekte voranbringen, die mehr oder weniger unmittelbar der Behandlung von Krankheiten dienen. "Ich fühle mich sehr geehrt, diesen angesehenen Preis zu erhalten", sagt Charpentier. Er sei eine Motivation für sie selbst und ihr Team, die Arbeit fortzusetzen.

Mehrfach ausgezeichnet

Für ihre Forschung wurde Charpentier bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem im November 2014 mit dem "Breakthrough Prize in Life Sciences", eine von Google-Mitbegründer Sergey Brin und Facebook-Erfinder Mark Zuckerberg ins Leben gerufene Auszeichnung. Anfang Januar gab die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung in Hamburg bekannt, dass die Französin den diesjährigen "Ernst Jung"-Preis für Medizin erhält. Und nun: die Auszeichnung aus der Schweiz.

Entdeckung des CRISPR-Cas9 Systems

Krankheitserregende Bakterien verfügen über ein Immunsystem, mit dem sie sich gegen ihre Feinde, insbesondere Viren, verteidigen können. Bei der Studie dieses Systems entdeckte Professorin Charpentier während ihrer Zeit als Gruppenleiterin an der Umeå University in Schweden mit ihrem Team einen laut MHH einzigartigen Mechanismus: das CRISPR-Cas9 System – eine Art molekulare Schere, die aus zwei Ribonukleinsäuren (RNAs) und einem Protein besteht. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Professorin Jennifer Doudna von der University of California, Berkeley, konnte sie zeigen, dass der Mechanismus als leistungsstarke Technologie zur Gen-Editierung genutzt werden kann – also als Werkzeug, mit dem Gene zielgerichtet abgeschaltet oder korrigiert werden können.

Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten

Der Mechanismus wird laut MHH bereits heute in Laboren auf der ganzen Welt genutzt. Besonders reizvoll sei die Entdeckung, da das System vielfältig angewandt werden kann: Nicht nur eine effiziente Behandlung oder Vorbeugung von Erbkrankheiten sei damit denkbar, sondern auch neue Therapieansätze im Kampf gegen chronische Erkrankungen wie Aids und Krebs oder auch Einsätze im Agrarsektor kämen infrage.

Biografie

Charpentier wurde 1968 in Juvisy-sur-Orge in Frankreich geboren, sie studierte Biochemie und Mikrobiologie an der Pierre & Marie Curie University in Paris und promovierte am Institut Pasteur. Die Französin hat berufliche Stationen in Frankreich, den Vereinigten Staaten, Österreich und Schweden absolviert. 2012 wechselte sie nach Hannover und Braunschweig.

(Veröffentlicht: 21. Januar 2015)