Medizinische Hochschule

Hilfe in seelischer Not

(v.l.n.r.) Ramazan Salman, Gabriele Heinen-Kljajic, Prof. Dr. Christopher Baum, Ira Thorsting, Hermine Nock, Dr. Michael Sasse, Prof. Dr. Hans-Carlo Kallfelz, Prof. Dr. Philipp Beerbaum.

Der Verein "Kleine Herzen" initiiert ein einmaliges Projekt, in dem Ärzte und Pflegepersonal in der Medizinischen Hochschule zu Kriseninterventionshelfern ausgebildet werden.

Angst, Hilflosigkeit und Wut sind häufige Reaktionen verzweifelter Eltern, deren Kind wegen einer lebensbedrohlichen Erkrankung oder eines Unfalls auf der Intensivstation liegt. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), der Verein "Kleine Herzen Hannover" und das Pädiatrische Intensiv Netzwerk (PIN) haben zur besseren Betreuung der Angehörigen von herzkranken, schwerstkranken und verletzen Kindern auf Intensivstationen das einmaliges Projekt "Kriseninterventionshelfer im klinischen Einsatz" ins Leben gerufen.

Ausbildung zu Krisenbegleitern

Das Ziel ist es, einen Teil der Ärzte, Pflegenden, Therapeuten, Psychologen, Absolventen der Pflegeschulen und Studierenden der MHH und der Kliniken des PIN zu Krisenbegleitern auszubilden, um der besonderen Belastungssituation von Angehörigen auf Kinderintensivstationen gerecht zu werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Patienten und ihren Angehörigen mit Migrationshintergrund - sie machen allein in der MHH etwa 40 Prozent aus.

Erste Pilot-Kurse sind abgeschlossen

Zwei Pilot-Kurse mit insgesamt 30 Teilnehmern haben schon stattgefunden. Sie belegen das große Interesse in den beteiligten Kliniken und den hohen Druck, unter dem vor allem Ärzte und Pflegekräfte stehen. Ein weiteres Ergebnis aus den Befragungen der Kursteilnehmer: Angesichts der gerade zur Zeit großen Zahl an Patienten aus Migranten- und Flüchtlingsfamilien sind multikulturelle Aspekte besonders wichtig; darum wird das renommierte Ethno-Medizinische Zentrum Hannover in das Kursangebot einbezogen. Das gesamte Projekt wird wissenschaftlich begleitet.

Netzwerk in Niedersachsen geplant

Über die bereits vorhandenen Strukturen des PIN soll in einem weiteren Schritt ein nachhaltiges Netzwerk von Kriseninterventionshelfern entstehen, um betroffenen Familien auch am Heimatort helfen zu können. Für die ersten drei Jahre werden Kosten von 200.000 Euro erwartet, die zum großen Teil von den "Kleinen Herzen" finanziert werden und für die noch dringend Geldgeber gesucht werden. Das PIN, dem inzwischen 43 norddeutsche Kliniken angehören, kümmert sich um eine bessere Kommunikation zwischen den Kliniken, gemeinsame Strategien in der Behandlung und der Aus- und Weiterbildung.

Ausweitung auf ganz Deutschland notwendig

Unterstützung kommt auch vom Bundesverband Herzkranke Kinder, der die Ansicht vertritt, dass die Einführung eines derartigen Projektes in allen deutschen Kinderherzkliniken notwendig sei.

(Veröffentlicht: 16. März 2016)