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Apparatur © GWLB

Vorläufer des Taschenrechners

Der barocke Vorfahr des Taschenrechners

Leibniz-Rechenmaschine

Die von Gottfried Wilhelm Leibniz erfundene Rechenmaschine gilt als technisches Wunderwerk ihrer Zeit und zählt heute zu den wertvollsten Kulturschätzen des 17. Jahrhunderts.

Gottfried Wilhelm Leibniz war nicht nur ein bedeutender Geisteswissenschaftler und Mathematiker, er besaß auch ein herausragendes Talent für Technik. Um das langwierige Rechnen auf Papier zu vereinfachen und zu beschleunigen, entwickelte er eine sogenannte Vier-Spezies-Rechenmaschine – also eine Apparatur, die auf mechanische Weise alle vier Grundrechenarten ausführen konnte, denn Leibniz empfand es als "... unwürdig, die Zeit von hervorragenden Leuten mit knechtischen Rechenarbeiten zu verschwenden, weil bei Einsatz einer Maschine auch der Einfältigste die Ergebnisse sicher hinschreiben kann."

Schneller Rechnen mit Walzen und Zahnrädern

Für seine dezimale Rechenmaschine übertrug Leibniz die einzelnen Lösungsschritte vom schriftlichen Rechnen systematisch auf den mechanischen Vorgang des Zählens, der von zylindrischen Walzen mit jeweils zehn unterschiedlich langen Zähnen in Verbindung mit Zahnrädern ausgeführt wird. Mit einer Kurbel lassen sich die von Leibniz erfundenen sogenannten "Staffelwalzen" drehen und verschieden große Zahnräder um jeweils 0 bis 9 Zähne weiterbewegen, die dann je nach Laufrichtung entweder automatisch addieren oder subtrahieren. Die Multiplikation wird als wiederholte Addition ausgeführt, das Dividieren als fortlaufende Subtraktion. Das Ergebnis der jeweiligen Rechenoperation lässt sich dann an kleinen runden Scheiben ablesen.

Rechenmaschine 1673 in London vorgestellt

Ein funktionsfähiges Modell seiner revolutionären Rechenmaschine (die eher aussah wie eine Holzkiste mit einer Kurbel und vielen Zahnrädern) stellte Leibniz am 1. Februar 1673 in London der Royal Society vor – und notierte dazu: "Diese in einem unausgearbeiteten Modell probierte Maschine wird jetzt in Messing vollkommentlich ausgemacht."

Von drei Rechenmaschinen blieb eine erhalten

Tatsächlich hat Leibniz seinen "Prototyp" weiterentwickelt und mutmaßlich drei weitere Modelle gebaut, über deren Verbleib keine Aufzeichnungen vorhanden sind. Die um 1690 von Gottfried Wilhelm Leibniz entwickelte vierte "machina arithmetica" geriet nach seinem Tod am 14. November 1716 zunächst in Vergessenheit, wurde erst 1894 auf dem Dachboden der Göttinger Universitätskirche wiederentdeckt und zählt heute zu den wertvollsten Kulturschätzen des 17. Jahrhunderts. Das 14 Kilogramm schwere Original wird in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek (GWLB) in Hannover aufbewahrt und soll ab Sommer 2015 in der ersten Etage neben der privaten Arbeitsbibliothek von Leibniz in einer gläsernen Galerie ausgestellt werden.

Weiterführender Lesestoff

"Das letzte Original. Die Leibniz-Rechenmaschine der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek", heißt der erste Band der Reihe "Schatzkammer" der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek, der am 13. November 2014 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Autoren Ariane Walsdorf, Klaus Badur, Franz Otto Kopp und Erwin Stein stellen in dem reich bebilderten Werk die von Leibniz um 1690 konstruierte Vier-Spezies-Rechenmaschine aus technischer, mathematischer und wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive vor.