Jede Woche kommen jeweils zwei 3. bis 4. Klassen einer hannoverschen Grundschule bzw. Sonderschule für eine ganze Woche in die Freiluftschule. Sie kommen in einen großen Wald von sechseinhalb Hektar Größe. Hier ist wie im Schullandheim, nur ohne Übernachtung. Sie kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und fahren am Nachmittag wieder in ihren Schulbezirk zurück. Frei - Luft - Schule, das ist ein merkwürdiger Name, eigentlich nur zu verstehen aus seiner Geschichte: gegründet ist sie 1926 durch die Stadt Hannover als Waldschule, um gesundheitlich gefährdete Jugendliche zu stabilisieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie von Herrn Boldt, dem langjährigen Leiter wieder entdeckt, um Kinder in diesem großen Wald zur Natur zurückzuführen und mit ihnen einen zukünftigen Aufenthalt in Schullandheimen vorzubereiten. Heute ist die Freiluftschule die einzige Schule dieser Form, nur in Leipzig gibt es eine ähnliche Einrichtung, die nach der Wende nach diesem Vorbild in Leipzig gegründet wurde. Die Schulklassen einer hannoverschen Grundschule verbringen tagsüber eine gemeinsame Woche mit Lernen, Spielen, Freizeit und Pausen. In dem aus forstlicher Perspektive ungepflegten Wald um das Schulgebäude herum gibt es nur Natur, die frei ist von pädagogischer Möblierung. Dieses wilde Gelände ist der Schatz der Einrichtung. Denn unverplante Gelände für Kinder sind rar geworden und zählen zu den aussterbenden Biotopen. Während am Vormittag die Klassen Unterricht zu naturnahen Themen erhalten (eben von Bäumen, Brot und Meerschweinchen, den kleinen Biestern), gibt es am Nachmittag kein Programm. Die Kinder dürfen, nein, sie müssen ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Denn dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Fähigkeit, das eigene Leben gestalten zu lernen. Neben den naturnahen Themen wird durch das Haus die Möglichkeit bereitgestellt, alte Kulturtechniken z.B. Vom Korn zum Brot, Drucken mit beweglichen Lettern aufzuschließen und gestalterische Möglichkeiten mit Ton, Papier und Farbe auszuprobieren. Die Freiluftschule verfügt über zwei vollständig ausgestattete Küchen, so dass neben dem Essen, was angeliefert wird, Lehrerinnen, Lehrer und Kinder selber kochen können. Das gemeinsame Essen ist wesentlicher Bestandteil der Woche. Chaos und Struktur sind die beide Pole von Draußen und Drinnen, die unausgesprochen die Vielfalt der Einrichtung ausmachen.
Die Broschüre Von Bäumen, Brot und kleinen Biestern kann telefonisch (0511 / 168-44 267) oder schriftlich (Burgweg 2, 30419 Hannover, Fax 0511 / 168-47 352) kostenlos angefordert werden. Für den Sachunterricht gibt es bei uns eine Reihe von Unterrichtsmaterialien, die nach (telefonischer) Vorbestellung kostenlos ausgeliehen werden (s. 0.4 Ausleihbare Geräte und Materialien für die Arbeit in Schullandheimen). Beratung zu den Themenbereichen Lernen mit allen Sinnen und Sachunterricht, der sich auf die Biologie bezieht sind nach telefonischer Terminabsprache (gleiche Nummer) möglich.