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Wer eine Stiftung gründet, hat einen starken Willen und Sendungsbewusstsein. Schließlich soll mit eigenem Geld eine bestimmte Idee gefördert werden. Und dies auch gleich bis in die Ewigkeit. Kooperationen und Netzwerkarbeit stehen da zwangsläufig nicht gerade ganz oben auf der Agenda. So gab es auch einige Bedenken, als der Oberbürgermeister von Hannover 2001 vorschlug, in Hannover den ersten Stiftungstag auszurichten. Von der heterogenen Szene der Stiftungen war die Rede, von dem unterschiedlichen Erscheinungsbild, wenn kleine lokal agierende Stiftungen neben den Global Playern stehen. Gäbe es überhaupt ein Publikum für diese Veranstaltung? Und so manche auf Fundraising ausgerichtete Stiftung fürchtete, ein potenzieller Zustifter könne am Stand der eigenen Stiftung vorbei gehen und wohlmöglich die Visionen und Projekte einer anderen Stiftung unterstützen.
Heute lösen diese Fragen in der Stiftungsinitiative Hannover eher Schmunzeln aus. Die positiven Erfahrungen bei der Zusammenarbeit haben dazu beigetragen, dass das Netzwerk immer weiter gewachsen ist. Da passt es gut, dass der Bundesverband Deutscher Stiftungen seine diesjährige Jahrestagung in Hannover unter das Motto „Kultur der Zusammenarbeit“ gestellt hat.
Das positive Klima in der Stiftungsinitiative hat sich stetig entwickelt. Wo es vor dem ersten gemeinsamen Stiftungstag noch etwas knirschte, gab es schnell das Bedürfnis, sich doch regelmäßiger auszutauschen. Gemeinsam wollte man auch zukünftig den Stiftungsgedanken im Raum Hannover fördern. Eine Veranstaltungsreihe wurde ins Leben gerufen. Zweimal im Jahr treffen sich rund 150 Personen, um sich in Stiftungsfragen weiterzubilden und Kontakte auszubauen. Die meisten haben entweder selber eine Stiftung gegründet oder sind für Stiftungen tätig. Andere suchen als Projektträger oder Dienstleister den Zugang zur Stiftungsszene.
Wo engagieren sich Stiftungen in Hannover? Ein Blick in den Wegweiser zu Stiftungen, der kostenlos im Bürgerbüro des Neuen Rathauses abgeholt werden kann, hilft da weiter. Die Hälfte aller Stiftungen mit Sitz in der Region Hannover informiert hier über eigene Ziele, Förderpraxis und finanzielle Ausstattung. Bei der Förderung dominiert das Engagement für karitative und kulturelle Zwecke. Ein Drittel der Stiftungen fördert Bildung, Wissenschaft und Forschung. Die Bereiche Denkmalschutz, Umwelt und Entwicklungshilfe stehen nur bei wenigen Stiftungen im Mittelpunkt.
20.000 Exemplare des Wegweisers sind bereits vergriffen. Der Umfang dieses Handbuches wächst mit jeder Auflage und macht die Stiftungslandschaft im Raum Hannover immer transparenter. Dennoch, viele Stiftungen arbeiten lieber weitestgehend unbekannt. Wer sein Profil veröffentlicht, muss mit zusätzlichen Anrufen und Anträgen rechnen. Das setzt entsprechendes Personal voraus – die meisten Stiftungen werden aber nach wie vor ausschließlich ehrenamtlich geleitet.
Die finanzielle Ausstattung der Stiftungen in Hannover ist sehr unterschiedlich. An der Spitze steht die VolkswagenStiftung. Mit einem Stiftungskapital von 2,4 Milliarden Euro Stiftungskapital ist sie bundesweit die größte private Wissenschaft fördernde Einrichtung. Nur einen Euro Stiftungskapital hatte dagegen die Deutsche Rockmusik Stiftung, als sie 1996 in Hannover gegründet wurde. Durch intensives Fundraising wurde das Stiftungsvermögen in den folgenden Jahren soweit aufgestockt, dass heute bundesweit Projekte verwirklicht werden können.
Im Jahr 1997 schlossen sich 31 Bürgerinnen und Bürger sowie ein Unternehmen in Hannover zusammen und gründeten bundesweit die erste Bürgerstiftung. Mittlerweile betreut die Bürgerstiftung bereits mehr als 20 treuhänderische Stiftungen. Mit Spenden oder Zustiftungen von kleineren Beträgen gibt die Bürgerstiftung die Gelegenheit, in der Region Hannover Eigeninitiative und Mitverantwortung zu zeigen. Ebenfalls sehr erfolgreich ist die Initiative der evangelischen Landeskirche unter dem Motto „Stiften – typisch evanglisch“. Sie unterstützt finanziell und mit Know-how Kirchengemeinden bei der Gründung von Stiftungen. Seit 2001 sind 57 selbständige und treuhänderische Stiftungen ins Leben gerufen worden.
Mittlerweile setzen viele Stiftungen in Hannover auf aktives Fundraising, um den Handlungsspielraum der Stiftung zu vergrößern. Diese Arbeit verlangt nicht nur einen langen Atem, sondern auch eine langfristige Strategie. Stiftungen müssen selber Netzwerke aufbauen, Partner finden und Kooperationen entwickeln. Die Stiftungsinitiative leistet hier Unterstützung und stellt regelmäßig gelungene Modelle im Bereich Fundraising und Stiftungsmanagement vor.
Rund 150 Stiftungen beteiligen sich heute bei der Stiftungsinitiative Hannover. In vielen Bereichen haben sich neue Allianzen gebildet. Gemeinsam werden größere Projekte realisiert oder konkrete Absprachen bei der Förderpraxis getroffen. Gerade kleinere Stiftungen und solche, die erst wenige Jahre tätig sind, profitieren davon und können so auch Kosten für externe Beratung sparen.
Die anfänglichen Berührungsängste sind verschwunden. In vielen gesellschaftlichen Bereichen zeigen kleine lokale und Globale Player der Stiftungslandschaft, dass man sich bei der Förderung sehr wohl ergänzen kann. Die einen fördern da internationale Exzellencluster in der Forschung, die anderen unterstützen mit Stipendien und Preisen lokale NachwuchswissenschaftlerInnen.
Die Stiftungsinitiative ist ein verlässliches und offenes Netzwerk. Verlässlich deshalb, weil die Geschäftsstelle der Stiftungsinitiative im Büro des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt angesiedelt ist. Die Stadt finanziert damit – auch in finanziell angespannten Zeiten – die Koordination des Netzwerkes. Die Stiftungsinitiative ist offen für alle Stiftungen. Es gibt keine Mitgliedsstatuten, sondern lediglich einen Koordinierungskreis. Hier sind vor allem die größeren Stiftungen vertreten. Gemeinsam werden die Projekte der Stiftungsinitiative entwickelt und die dafür notwendigen Sponsorengelder bereit gestellt.
Die Stiftungsinitiative zeigt vor allem eines: Stiften ist kein Privileg von Wohlhabenden. Stiftungen sind eine Möglichkeit, die Gegenwart und Zukunft mit zu gestalten. Im Raum Hannover wird diese Chance wahrgenommen. Die Zahl der treuhänderischen und selbständigen Stiftungen wächst weiter - von Jahr zu Jahr.
Theda Minthe
Koordinatorin der Stiftungsinitiative Hannover sowie Leiterin der Stelle „Wissenschaftsstadt Hannover“ im Büro Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover
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V.i.S.d.P. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Landeshauptstadt Hannover |
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