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Neuzeit

Neuzeit
Während der Abwesenheit der Herrscher blieb Hannover selbständig und wurde von einem Geheimen Ratskollegium regiert. Es galt als rückständiges Agrarland, war aber nach den Wirren der napoleonischen Zeit erstarkt, zum Königreich erhoben und hatte sich eine Verfassung und ein Staatsgrundgesetz gegeben. Zwei Dinge, die dem reichlich konservativen Ernst August gar nicht paßten, nachdem er 1837 aus England gekommen war und dort das Regieren der Königin Viktoria überlassen hatte. Es gab erstmal viel Ärger im Königreich Hannover und Berufsverbote für die "Göttinger Sieben".

Im Jahre 1866 war es vorbei mit dem Königreich. Bei einer von Preußen provozierten Machtprobe zwischen Preußen und Österreich schlug sich Hannover auf die falsche Seite, wurde von Preußen annektiert und als Provinz in den preußischen Staatenverbund eingegliedert. König Georg V. mußte abdanken und ging ins Exil. Ein tiefes Mißtrauen gegenüber Preußen, vor allem in konservativen und monarchistischen Kreisen Hannovers, wirkte noch lange fort. Wirtschaftlich gesehen, kam nach 1866 nach zögerlichen Anfängen nun endlich die Industrialisierung Hannovers in Gang, expandiert dann aber um so rascher. Auch die Residenzstadt Hannover, in der noch Georg V. keine dreckige Industrie haben wollte, boomte vor allem in der Gründerzeit (ab 1871) als Industriestandort.

Nach dem ersten Weltkrieg gab es in der Weimarer Republik die ersten ernstzunehmenden politischen Überlegungen zu einem niedersächsischen Zusammenschluß. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 waren diese Überlegungen wieder verschwunden. Eine Aufteilung in "Gaue" wie bei den alten Sachsen paßte besser ins Weltbild der braunen Führer. Die zwölf Jahre des "Tausendjährigen Reiches" gehören rückblickend zu den dunkelsten Kapiteln niedersächsischer Geschichte. Die Mahnstätte am ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen, in dem auch Anne Frank ums Leben kam, zeugt heute noch von den furchtbaren Verbrechen dieser Zeit.

Nach der Befreiung durch britische und amerikanische Truppen im Frühjahr 1945 wurde das spätere Niedersachsen Bestandteil der britischen Besatzungszone. Kurz nach der Kapitulation ging man schon an die Neuordnung Norddeutschlands und knapp ein Jahr später gab es das Land Niedersachsen. Schließlich standen gewaltigere Probleme an als die politische Neuordnung. Der Wiederaufbau der in Schutt und Asche gelegten niedersächsischen Städte mußte beginnen, Tausende von Flüchtlingen waren unterzubringen und später dann auch zu integrieren. Trotz dieser Belastungen und der mit der deutschen Teilung verbundenen schwierigen Lage an der langen deutsch-deutschen Grenze konnte sich Niedersachsen sehr rasch zu einem dynamischen Wirtschaftsstandort entwickeln.

Seit der deutschen Vereinigung 1990 ist Niedersachsen aus seiner Randlage in das Zentrum Europas gerückt. Als Drehscheibe des internationalen Warenverkehrs und in herausragender geographischer Lage ist Niedersachsen bestens gerüstet für die Zukunft. In seiner Landeshauptstadt Hannover wurde mit der Expo 2000 das neue Jahrtausend eingeläutet.



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