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Die Geschichte der Offenen Bibliotheken

Landeshauptstadt Hannover
Bücher im Schrank
Ein Buch ist nicht nur ein Medium, Bücher haben auch eine besondere kulturelle Bedeutung und identitätsstiftende Wirkung. Wie tief diese in uns verankert sind, zeigt sich spätestens dann, wenn es darum geht, sich von einem nicht mehr benötigten Buch zu trennen.

Sogar bei hochpreisigen Alltagsgegenständen haben wir uns inzwischen daran gewöhnt, modisch und kurzfristig orientiert einzukaufen und wegzuwerfen. Beim Buch hat es aber selbst die Einführung des Taschenbuches (in Deutschland ab 1946 mit Rowohlts Rotationsromanen – RORORO –, gedruckt auf billigem Zeitungspapier) nicht geschafft, den Mythos des Kulturgutes zu brechen: Bücher wirft man nicht weg. Deshalb verwundert es nicht, dass sich neben Antiquariaten und Bücherflohmärkten auch kostenlose Formen der Weitergabe von Büchern etabliert haben – zur Entlastung der abgebenden und zur Freude der annehmenden Seite.

Dieses – oft informelle – Weitergeben und Bereitstellen von Literatur hat das Künstlerduo Clegg & Guttmann 1991 im österreichischen Graz mit seinem Projekt „Open Public Library“ thematisiert. An drei Orten am Stadtrand stellten sie einfache Bücherschränke mit etwa 450 Büchern und einer Erläuterung zur Benutzung auf. Eine prägnante Erklärung des künstlerischen Ansatzes einer antiautoritären, direkt demokratischen Bildungsinstitution findet sich auf einer Website des Grazer Kulturamtes. Das Projekt wurde in den Folgejahren auch in Hamburg (1993 im Rahmen von „Kunst im öffentlichen Raum“) und Mainz (1994 auf Einladung des Landesmuseums) durchgeführt, erweitert um begleitende soziologische Studien (KÖNNEKE, ACHIM (HG.) Clegg und Guttmann. Die Offene Bibliothek. The Open public Library. Im Auftrag der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Kunstraum der Universität Lübeck. Cantz Ostfildern-Ruit 1994 Paperback 127 Seiten).

1996 entstand in Darmstadt auf private Initiative eine Offene Bibliothek außerhalb des Kunstprojektes – und fand von dort ihren Weg nach Hannover: Nikolas Müller, Architekturstudent an der TU Darmstadt begeisterte seine Mutter in Hannover für diese Idee. Monika Müller, damals SPD-Mitglied im Rat der Landeshauptstadt, initiierte einen entsprechenden Antrag und etablierte damit die Bücherschränke in Hannover.

Der Büchertausch hat viele Gesichter: In Bonn gibt es ebenfalls seit 2003 Öffentliche Bücherschränke, in Garbsen seit 2006, in Bremen befinden sich die literarischen Schätze in einer „Büchertraverse“ im Schnürschuh-Theaterhaus und im Prinz-Georg-Garten in Darmstadt gibt es ein Öffentliches Lesezimmer, das nach dem gleichen Prinzip funktioniert.

2001 wurde von dem US-Amerikaner Ron Hornbaker eine Website ins Leben gerufen, die zur weltweiten Börse zur Registrierung und Weitergabe von Büchern durch öffentliches Auslegen aufgestiegen ist. „Bookcrossing“ dient mittlerweile als Synonym für diese Bewegung.

 


V.i.S.d.P. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Landeshauptstadt Hannover


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