Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Hannover einen großen Altstadtkern mit eng aneinandergebauten Fachwerkhäusern und engen Gassen, die zum Teil noch aus dem Mittelalter stammten. Dort lebten damals viele Arme unter unvorstellbar schlechten Lebensbedingungen. Für viele hannoversche Bürger war die Altstadt zudem ein Hort der Halbwelt und des Verbrechens, von dem man sich besser fernhielt. Für den historischen Wert der Altstadt interessierten sich damals nur wenige.
Die Altstadt reichte vom Steintor bis zum Aegidientorplatz und ist heute noch allenfalls an ihrem typischen elliptischen Grundriß erkennbar. Die Hauptstraßenzüge Osterstraße, Schmiede-und Markstraße, Köbelinger- und Knochenhauerstraße und Lein- und Burgstraße, durch etliche kleine Querstraßen verbunden, verlaufen parallel zur Leine und treffen an den alten Ortsausgängen wieder zusammen, wie es bei einer Kaufmannssiedlung des 12.Jahrhunderts üblich war.
Nach den Feuerstürmen des Zweiten Weltkriegs war von der hannoverschen Altstadt fast gar nichts mehr übrig. Man zählte noch 40 einigermaßen erhaltene Bauten, davon allein zwölf im Bereich Knochenhauer-, Kramer- und Burgstraße. Von den übrigen verstreut liegenden Häusern wurden Ende der fünfziger Jahre einzelne Fassaden in diesen Bereich versetzt. So entstand eine Traditionsinsel, eine Rest-Altstadt, wo das wenige Verbliebene konzentriert war.
Ein bischen abseits des neuen Altstadtkerns steht eingeklemmt zwischen Neubauten in der hinteren Burgstraße das schönste und älteste hannoversche Fachwerkhaus von 1566 mit Renaissancefassade und Hinterhaus von 1564. Ganz in der Nähe, ebenfalls von Neubauten umgeben, ist die Kreuzkirche, erbaut 1333 und damit Hannovers älteste Kirche. Sie ist ein sehr bescheidener gotischer Bau mit einschiffigem Langhaus. Im Zweiten Weltkrieg verbrannte leider die wertvolle Einrichtung. Der Altar, von Lucas Cranach d. Ä. 1537 gestaltet, stand früher in der Stiftskirche St. Alexandri in Einbeck. Bemerkenswert ist noch die angebaute Duvekapelle aus dem Jahr 1655 mit dem Erbbegräbnis der Hannoverschen Kaufmannsfamilie Duve. Ihr prominentester Vertreter Johann Duve, war sehr wohlhabend und machte sich einen Namen durch mildtätige Spenden.
Durch die Kreuzstraße, die zumindest durch ihre Enge noch an das historische Hannover erinnert, gelangt man zum Ballhofplatz. Der Ballhof, erbaut 1649-64, war ursprünglich eine Sporthalle, in der man dem damals üblichen Ballspiel, einer Art Federball, ungestört von Wind und Wetter nachkommen konnte. Später wurde der Ballhof eine Versammlungshalle und schließlich Spielort des Niedersächsischen Staatstheaters. Der Ballhofplatz war nicht immer so groß, er ist das Ergebnis einer in den dreißiger Jahren begonnen Altstadtsanierung, die durch den Krieg beendet wurde. Ein ganzer Straßenzug wurde hier weggerissen, um in der engbebauten Altstadt etwas mehr Luft zu machen.
Neben dem Historischen Museum in seinem eigenwilligen Sechziger-Jahre-Stil steht am Holzmarkt bei dem kurz vor 1900 errichteten Nolte-Haus der Nachbau des berühmten Leibniz-Hauses, das einst in der Schmiedestraße stand, aber im Krieg restlos zerstört wurde. Das ursprüngliche Gebäude war 1499 erbaut und 1652 erneuert worden. Leibniz hatte es seit 1676 bewohnt. Die Details der Fassade konnten nach Fotos und erhaltenen Trümmern recht gut rekonstruiert werden, das Bauwerk hinter der Fassade hat indes keinen Bezug mehr zum historischen Gebäude. Es dient als Gästehaus und Begegnungszentrum der hannoverschen Hochschulen.
Das Leineschloß, heute Sitz des niedersächsischen Landtages und früher königliche Residenz, geht auf ein im 12. Jahrhundert gegründetes Franziskanerkloster zurück, das 1533 aufgehoben wurde. Nachdem der Calenberger Herzog Hannover 1636 zur Residenz gewählt hatte, wurde der nordwestliche Flügel des Schlosses 1742 erneuert, die übrigen Teile gehen auf Entwürfe des in Hannover sehr aktiven Georg Friedrich Laves zurück, der das Haus zwischen 1816 und 1844 völlig umbaute. Dazu gehört auch der große Säulenvorbau an der Leinstraße mit sechs korithischen Säulen und einem flachen Dreiecksgiebel, der das Wappen des Landes Niedersachsen trägt. Die Leineseite des Schlosses wirkt mit ihren drei Geschossen und dem Mansardendach eher barock. Das Leineschloß brannte 1943 völlig aus, nur der Säulenvorbau blieb einigermaßen unversehrt. Beim Wiederaufbau wurde der moderne Plenarsaal an der Stelle eines zerstörten Seitenflügels angebaut.