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Endlich mal ein freier Blick ins Calenberger Land und dann dieses Wohnzimmer. Wer den Haldenkegel am Zechenpark in Barsinghausen hinauf gelaufen ist, findet plötzlich Sofa, Sessel, Stühle und einen Fensterrahmen. Die Spuren eines Wohnzimmers - verrückt, frostsicher und wetterbeständig - haben Schüler aus Barsinghausen da angelegt. Künstler der Kunstschule Noa Noa hatten die Idee.
So lässt sich von einem Wohnzimmer aus weit ins Land blicken. An dem großen Stein oben auf dem Haldenkegel sind sogar die Entfernungen nach Hannover (20,2 km) oder zum Steinhuder Meer (19,5 km) graviert. Schön ist aber auch der Blick zum Deister hinüber und in den grünen Zechenpark. Es stellt sich bald dieses erhabene Gefühl ein, das der Wanderer bekommt, wenn er einen hohen Gipfel erklommen hat. Frische Luft atmen und weit gucken. Doch wer sich dann fragt, wie der Berg unter seinen Füßen entstand, muss feststellen, dass er ein Produkt aus Schweiß und Tränen ist.
Es handelt sich um Abraum, der aus den Tiefen des Deisters kommt und bei der Kohlegewinnung aus dem Stein gehauen werden musste. Das zu tun, war über Jahrhunderte ein nicht ganz so gesunder Vorgang. Nur wenige Meter entfernt, in dem Besucherbergwerk, lässt sich sogar heute noch der Stollen besuchen, wo bis 1957 die Kohle aus dem Untergrund geholt wurde. 1470 Meter tief in den Deister führen die Schienen mit den Loren im Klosterstollen. Da rattert dann der Presslufthammer, da wird das Gebirge zerkleinert. Die Maschinen werden vorgeführt. Nur nach Voranmeldung wird gefahren. Gruppen sind ganzjährig willkommen. Der Ausflug zum Kohleflöz dauert 1,5 Stunden. Und es ist kühl da unten. Wer im Sommer ohne Jacke unterwegs ist, sollte sie für diese Tour mitnehmen.
Konstant 9 Grad und eine hohe Luftfeuchte herrschen da unten. Kein Wunder also, dass viele der Tausenden von Bergleuten in den Steinkohlestollen von Barsinghausen an Rheuma und Bronchitis litten. 300 Jahre Bergbaugeschichte sind vorzüglich im Besucherbergwerk aufgearbeitet. „Viele wissen nicht einmal, dass es hier Bergbau gab. Die fahren in den Harz, das ist gar nicht nötig“, sagt ein Museumsführer.
Sehr einfühlsam erzählt und anschaulich präsentiert - so lässt sich die Bergbaugeschichte Barsinghausens im Museum nachvollziehen. Da liegt der Sprengausweis von Dieter Lohmann, der früher dort arbeitete, und dem die Einrichtung des Besucherbergwerks überhaupt zu verdanken ist. Da sind Bilder der Straßenbahn Linie 10 zu sehen, die von 1899 an Kohle von Barsinghausen bis Linden transportierte. Da ist auch zu erfahren, dass leider zehn Tonnen Wasser notwendig waren, um letztlich eine Tonne Kohle aus dem Gestein zu gewinnen. Der Kohleabbau im Deister war also unrentabel, doch zur Zeit der Industrialisierung brauchte man riesige Mengen von Kohle und anderen Rohstoffen, und diese lagen vor der Haustür.
Für die Bergleute war das Arbeiten unter Tage nicht leicht. Es herrschte ein Höllenlärm wegen der Belüftung der Stollen. Das Gefühl, neben einem startenden Flugzeug zu stehen, stellt sich auch heute noch ein, wenn der Führer beim Gang zum ehemaligen Tiefbauschacht 2 am Eingang des Klosterstollens mal kurz die Luftturbine startet. Bergleute hörten das den ganzen Tag und wurden oft schwerhörig.
Im Café, das Sitzplätze drinnen und draußen hat, lässt sich dann eine Pause einlegen. Nur ein paar Schritte weiter befindet sich der alte Kohlebunker. Er beherbergt heute Künstler. An manchen Tagen öffnen sie ihre Ateliers auch für die Öffentlichkeit.
Immer geöffnet ist hingegen der Zechenpark. Der liegt am Fuße der Halde, hat Informationsschilder, auf denen alte Fotos vom Gelände und den Anlagen zu sehen sind. Es ist zu lesen von der Kokerei, der Kohlevergasung und dem Kohlebunker. Auch die Schlackensteinfabrik wird erwähnt. Der scharfkantige, raue Stein entstand sozusagen als graues Abfallprodukt und wurde zum Hausbau verwendet. Einige der Häuser und Mauern sind noch erhalten und stehen in Nachbarschaft der Anlage. Auch die kräftigen Pfeiler von Tor III am Gelände geben einen Eindruck von dem Relikt der Bergbauära in Barsinghausen.
Der Park selbst ist von geschwungenen Wegen durchzogen. Es sind Buchen und Birken zu sehen, aber auch Feuchtecken sowie Buschreihen. In seiner wilden Art eignet er sich gut zum Toben und Versteck spielen für Kinder. Im Gras sind noch verrostete Eisenwaren des Kohlebergbaus zusammengetragen.
So bietet das Ensemble aus Zeche, Museum, Halde und Park eine gelungene Mischung aus lokaler Industriegeschichte zum Anfassen, Freizeit- und Spiellandschaft sowie Kunst und Grünkultur.
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